Ärger in der AfD: Der Machtkampf zwischen Bernd Lucke und Frauke Petry ist voll entbrannt.

"Das Verhältnis ist zerrüttet"

Machtkampf in der AfD: Lucke oder Petry? 

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München - Auf dem Parteitag im Juli muss sich die AfD entscheiden: Bernd Lucke oder Frauke Petry. Der Machtkampf ist voll entbrannt, der Wahlkampf läuft. Notfalls werden die Mitglieder mit Bussen nach Essen gekarrt.

Bernd Lucke schaut etwas blass aus, wie er da über den Hof kommt. Ein kleiner Rucksack baumelt über der Schulter, hinter sich zieht er ein Rollköfferchen her. So hetzt der AfD-Chef durch Deutschland. Zu Interviews und Fernsehshows, Kreisverbänden. Dazwischen muss er als Europaabgeordneter nach Brüssel und Straßburg. Seit eineinhalb Wochen war er nicht mehr zuhause. Am Vorabend eine Veranstaltung in München, jetzt Redaktionsbesuch, nachmittags weiter nach Nürnberg, dann nach Coburg. „Das ist natürlich eine enorme Belastung.“

Drei Wochen dauert die Tortur des Bernd Lucke noch. Dann wird sich alles entscheiden. Sein persönliches Schicksal und das seiner Partei. Liberal-konservativ oder national-konservativ mit fließendem Übergang nach Rechtsaußen – das ist die Entscheidung, die die Mitglieder auf dem Parteitag am 4. Juli in Essen wohl treffen werden. Die Machtfrage lautet: Lucke oder Frauke Petry?

Seit Monaten beharken sich die beiden Co-Vorsitzenden der Partei. Luckes Vorwurf: Petry intrigiere, wolle ihn herausfordern. „Es hat leider mehrfach Vertrauensbrüche gegeben, die das Verhältnis zerrüttet haben“, sagt der AfD-Chef unserer Zeitung. „Vertrauen kann man nicht per Kopfbeschluss wieder erzwingen.“ Petry verwische auch die Grenzen nach Rechtsaußen. Ängste bei den Bürgern müsse man thematisieren, meint auch Lucke. „Aber wir sollten sie weder aufbauschen noch zusätzlich schüren. Das verbietet sich für eine seriöse Partei.“

Petry und ihre Mitstreiter halten Lucke im Gegenzug für einen gnadenlosen Egomanen. Anstatt unterschiedliche Meinungen zuzulassen, wolle er der Partei seinen Kurs aufzwingen. Parteivize Alexander Gauland wirft ihm „charakterliche Defizite“ vor. „Er hat kein Gespür für andere Menschen.“ Die Partei droht nach gerade einmal zwei Jahren zu zerreißen. In Umfragen rutscht sie erstmals seit langem wieder unter die Fünf-Prozent-Hürde.

Donnerstagabend, ein Veranstaltungsraum im Münchner Hotel Ramada. Lucke doziert über Europapolitik. Aber er ist vor allem als innerparteilicher Wahlkämpfer da. Knapp zwei Stunden dauert sein Referat, dann fordern die 170 Gäste Tacheles. Bleibt er in der Partei, wenn er den Machtkampf verliert? Lucke pariert. Er werde bleiben, verspricht er. Dann begründet er noch einmal, warum er seinen „Weckruf“-Verein gegründet hat. Darin will er Anhänger eines moderaten Kurses sammeln. Knapp 4000 Mitglieder sind offenbar bisher eingetreten. Er wolle der Partei nicht schaden, sondern helfen, beteuert der Chef. Er habe „geschickt argumentiert“, Wogen geglättet, berichtet ein Teilnehmer. Am Montag hat dann auch Petry in München ihre Bühne – direkt im Landtag. Sie spricht auf einer Podiumsdiskussion der Stiftung Maximilianeum.

Wer auf dem Parteitag besser ankommt, ist offen. Statt drei soll die AfD dort künftig nur noch zwei Vorsitzende wählen. Einer von beiden wird später automatisch zum Stellvertreter degradiert. Lucke will die alleinige Macht. „Ich kandidiere für das Amt des Vorsitzenden und bei einer Niederlage für kein anderes Parteiamt“, stellt er klar. Viele vermuten nun, dass seine Rivalin ihn herausfordert – auch Lucke selbst. „Ich hoffe, dass Frau Petry gegen mich kandidiert, damit die Entscheidung dann auch fällt.“ Davon gehe er auch aus.

Über Petrys Kalkül wird in der Partei nur gemunkelt. Einige gehen davon aus, dass sie antritt. Andere behaupten, sie habe das intern schon ausgeschlossen. Für sie ist die Kandidatur auch ein Risiko. Verlöre sie, dürfte die Machtfrage auf absehbare Zeit geklärt sein. Gewänne sie, droht der Unmut der Lucke-Anhänger. Chaostage garantiert.

Was den Parteitag besonders schwer kalkulierbar macht, sind seine Umstände. Eigentlich sollten Delegierte über den neuen Vorstand entscheiden. Wegen rechtlicher Pannen dürfen nun doch die Mitglieder abstimmen. In Essen hat die Partei eine Halle für 6000 Menschen angemietet. Lucke selbst glaubt, dass er direkt an der Basis die Nase vorn hat.

Aber Petry wird kämpfen. Beim vergangenen Parteitag in Bremen ließ sie Mitglieder auf Kosten des Landesvebandes in Bussen zur Versammlung karren. Angeblich wurde auch da während der Fahrt Stimmung gegen Lucke gemacht. Der AfD-Busreiseverkehr nach Essen dürfte nun noch einmal erheblich größer sein – aus allen Landesteilen.

Til Huber und Mike Schier

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