+
Muss um sein Amt kämpfen: SPD-Bezirkschef Ewald Schurer. 

Abstimmung am Samstag

Machtkampf in der SPD Oberbayern

  • schließen

München – In der Oberbayern-SPD bahnt sich ein Showdown an: Am Samstag kommt es beim Bezirksparteitag in Ebersberg zu einer Kampfkandidatur um den Vorsitz des Bezirksverbands.

Der Landtagsabgeordnete Florian Ritter (München) fordert Amtsinhaber Ewald Schurer (Ebersberg) heraus. Und auch wenn sich die beiden Kandidaten öffentlich sehr zurückhaltend geben – hinter den Kulissen wird dem Vernehmen nach mit harten Bandagen gekämpft.

Schon vor einiger Zeit hatte Schurer im Bezirksvorstand davon gesprochen, das Amt abgeben zu wollen. Der 63-Jährige selbst meint, das seien nur vage, mittelfristige Überlegungen gewesen. Andere wollen es deutlich konkreter verstanden haben, weshalb sich Ritter bereits vor einigen Monaten dazu entschloss, seinen Hut in den Ring zu werfen.

Schon seit Längerem wabert Kritik an Schurers Amtsführung durch den Bezirksverband. Er sei zwar sehr kommunikativ, aber nicht effektiv, heißt es über den Ebersberger, der es immerhin in den mächtigen Haushaltsausschuss des Bundestags geschafft hat. Offenen Ärger gab es regelmäßig bei der Listenaufstellung der Bundestagswahl. Anders als im Landtag ist diese Liste fest, die Reihung der Kandidaten wird also auch durch ein gutes Einzelergebnis nicht geändert. Auf diese Weise spülte es mit Axel Berg schon einmal den einzigen Münchner Abgeordneten aus dem Bundestag (2009). Vor der letzten Wahl 2013 gab es Ärger, weil Schurer beim Geschacher mit den anderen Bezirken nur fünf sichere Listenplätze für Oberbayern aushandelte, obwohl hier jeder dritte SPD-Wähler im Freistaat sein Kreuz macht.

Diesmal war Schurers Verhandlungsergebnis besser. Der Vorsitzende ist mächtig stolz darauf, sechs sichere Plätze herausgeholt zu haben, unter anderem für die Nachwuchshoffnungen Bela Bach (Plan-egg) und Michael Schrodi (Olching), die nun entsprechend dankbar sind. Massive Unterstützung bekommt Schurer auch von den Münchner Abgeordneten Claudia Tausend und Florian Post. „Die telefonieren hinter den Kulissen viel herum“, heißt es. Manche vermuten, dass sie dabei schon jetzt die Listenaufstellung für die nächste Bundestagswahl im Hinterkopf haben. Tatsächlich reagieren etliche genervt davon, dass sich die Bundespolitiker im Bezirk primär um ihre Listenfragen kümmern.

Ritter gibt sich betont zurückhaltend. „Mir geht es ausschließlich um die Frage, wie wir uns als Bezirk künftig ausrichten“, sagt er. Details will er nur im Bezirksvorstand am Freitagabend und beim Parteitag am Samstag diskutieren. Schurer vermutet dagegen, dass der Gegenkandidat auch etwas mit der Auseinandersetzung um den Landesvorsitz zu tun habe. Seine Unterstützer raunen, dass Natascha Kohnen schon einmal Vertraute platzieren wolle.

Sowohl Ritter als auch Kohnen dementieren entschieden. „Das eine hat mit dem anderen wirklich überhaupt gar nichts zu tun. Das darf man nicht vermischen“, sagt die Generalsekretärin, die sich mit fünf anderen Bewerbern derzeit einem Mitgliedervotum um den Landesvorsitz stellt. Bis 11. Mai dürfen die Mitglieder ihre Stimme abgeben, die endgültige Entscheidung fällt dann beim Parteitag am 20. Mai in Schweinfurt.

„Die Frage in Oberbayern hat überhaupt nichts mit dem Landesvorsitz zu tun“, stellt Florian Ritter klar. Der 54-Jährige, bislang stellvertretender Bezirksvorsitzender, hat sich im Landtag vor allem als Kämpfer gegen Rechts einen Namen gemacht. Sein Unterbezirksverband München, in dem Tausend und Post zentrale Rollen spielen, konnte sich vergangene Woche nicht auf eine offizielle Unterstützung einer der beiden Kandidaten einigen. Beobachter sehen das Rennen insgesamt ziemlich offen. 

Lesen Sie auch den Kommentar von Autor Mike Schier: Stunde der Nörgler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kurz wird jüngster Regierungschef Europas
Wien (dpa) - Mit der Vereidigung des Bündnisses aus Konservativen und Rechtspopulisten bekommt Österreich eine neue Regierung. ÖVP-Chef Sebastian Kurz wird heute von …
Kurz wird jüngster Regierungschef Europas
Merkel empfängt Opfer und Hinterbliebene des Terroranschlags
Berlin (dpa) - Ein Jahr nach dem islamistischen Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Opfer und Angehörige. Das …
Merkel empfängt Opfer und Hinterbliebene des Terroranschlags
Söder überzeugt Stoiber und dominiert Seehofer - aber Zweifel in Partei
Die CSU klatscht die Angst vor dem nächsten Wahl-Herbst weg. Mit großem Jubel ruft der Parteitag Markus Söder zum Spitzenkandidaten aus. Horst Seehofer fügt sich dem …
Söder überzeugt Stoiber und dominiert Seehofer - aber Zweifel in Partei
Seehofers Wiederwahl: Eine Glückwunsch-SMS überrascht den CSU-Chef
Horst Seehofer bleibt Vorsitzender der CSU. Dabei war das alles andere als Formsache. Die erwartbaren Glückwünsche nimmt Seehofer freundlich lächelnd entgegen, eine …
Seehofers Wiederwahl: Eine Glückwunsch-SMS überrascht den CSU-Chef

Kommentare