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Gute Wirtschaftszahlen retteten ihn und seine Partei nicht. Der gescheiterte FDP-Chef Philipp Rösler hatte seinen letzten großen Auftritt in Berlin. Über seine „Anschlussverwendung“ schweigt er.

Letzter großer Auftritt als Minister

Rösler schweigt über "Anschlussverwendung"

Berlin - Gute Wirtschaftszahlen retteten ihn und seine Partei nicht. Der gescheiterte FDP-Chef Philipp Rösler hatte seinen letzten großen Auftritt in Berlin. Über seine „Anschlussverwendung“ schweigt er.

Macht hinterlässt Spuren. Ein Machtverlust erst recht. Um 11.56 Uhr nimmt Philipp Rösler die Treppenstufen zum Saal der Bundespressekonferenz. Es ist für ihn ein schwerer Gang. Er trägt wie gewohnt einen schmal geschnittenen grauen Anzug, dazu weißes Hemd und modisch gestreifte Krawatte. Etwas aber fällt auf.

Die Körperspannung ist weg. Rösler lässt die Schultern leicht hängen, das war schon beim Termin mit dem Bundespräsidenten zu beobachten, der ihm die Entlassungsurkunde in die Hand drückte. Der 40-Jährige bemüht sich sonst aber um Haltung, was ihm an diesem Mittwoch gemessen an seiner persönlichen Situation auch gelingt.

Selten zuvor ist ein Spitzenpolitiker so abgestürzt. Eben noch Vizekanzler, Minister und Chef einer Regierungspartei. Dann der Wahlabend mit 4,8 Prozent für die FDP. Alle Posten weg, nicht mal ein Platz im Bundestag. Das tut weh. Rösler aber will keine Gefühle zeigen bei seinem absehbar letzten großen Auftritt in der Hauptstadt.

Was wird aus ihm? „Das ist nicht Gegenstand der Herbstprojektion der Bundesregierung“, sagt Rösler immer wieder. Ob er keine Lust habe, auf persönliche Fragen zu antworten: „Das haben sie gut erkannt.“ Es soll Angebote aus der Wirtschaft geben. Auch ein Job in einer Stiftung könnte ihn reizen, gab er früher einmal zu erkennen.

Als Mediziner - wie seine Frau Wiebke zu Hause in Hannover - wird er sicher nicht arbeiten. Die Ausbildung zum Augen-Facharzt brach er wegen der Politik ab. Das kann er nach eigener Auffassung nicht mehr aufholen.

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Finanziell fällt Rösler weich. Als Bundesminister bekommt er bis zu zwei Jahre Übergangsgeld, später für seine vier Jahre als Gesundheits- und Wirtschaftsminister eine Pension von rund 4000 Euro pro Monat. Auch seine Zeit als Landtagsabgeordneter und Fraktionschef in Niedersachsen wird angerechnet werden.

Seine Züge verhärten sich, als dann jene Frage gestellt wird, die sich viele FDP-Politiker nach dem Rauswurf aus dem Bundestag anhören mussten. Ob es ihm jetzt, wo die eigene politische Existenz in Trümmern liegt, leid tue, von der „Anschlussverwendung“ für die Schlecker-Frauen gesprochen zu haben?

Röslers Spruch über die Chancen tausender Verkäuferinnen nach der Pleite des Drogerieriesen kam hart und arrogant rüber. Das hing der FDP nach, als Etikett für die vermeintliche neoliberale Kälte. Rösler, dessen Erneuerung der Partei hin zu einem „mitfühlenden Liberalismus“ steckenblieb, weicht aus. Er spricht über die Rekordbeschäftigung - was wohl bedeuten soll, dass auch viele Schlecker-Frauen wieder Arbeit gefunden haben müssen.

Für ihn selbst, der einen steilen Aufstieg vom vietnamesischen Waisenkind zum Vizekanzler hinlegte, dürfte irgendwann vor Weihnachten der letzte Tag im Ministerium gekommen sein. Dort schläft er seit zweieinhalb Jahren in einer kleinen Kammer neben seinem Büro. Eine Wohnung bezog der Vater von Zwillingstöchtern in Berlin nie. Bis zum Abschied will er die Geschäfte mit Anstand und Würde weiter führen. Politische Entscheidungen, die seinen Nachfolger aus Union oder SPD binden könnten, trifft er nicht mehr. „Ich denke, das muss hinzukriegen sein.“

dpa

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