+
Mit 92 Jahren wird Mahathir nun ältester Regierungschef der Welt. Foto. Andy Wong/AP Foto: Andy Wong

Ex-Premier Mahathir Mohamad

Machtwechsel in Malaysia: 92-jähriger gewinnt Wahl

In Malaysia gewinnt erstmals seit der Unabhängigkeit die Opposition eine Wahl. Das Land bekommt seinen alten Regierungschef Mahathir zurück - einen Mann von 92 Jahren.

Kuala Lumpur (dpa) - In Malaysia hat die bisherige Regierungspartei erstmals seit der Unabhängigkeit des Landes vor mehr als 60 Jahren die Macht verloren. Premierminister Najib Razak musste sich nach Angaben der offiziellen Wahlkommission bei der Parlamentswahl geschlagen geben.

Zum Wahlsieger wurde in der heutigen Nacht Oppositionsführer Mahathir Mohamad erklärt, der früher selbst einmal Premierminister war. Mit 92 Jahren wird Mahathir nun ältester Regierungschef der Welt.

Der Spitzenkandidat der bisherigen Opposition versprach, sich für eine nationale Aussöhnung einzusetzen. "Wir wollen keine Rache. Wir wollen Recht und Ordnung wieder herstellen", sagte er. Mahathir (auch bekannt als "Dr. M") hatte schon einmal für mehr als zwei Jahrzehnte in Malaysia an der Spitze der Regierung gestanden. Er brachte das 31-Millionen-Einwohner-Land in Südostasien wirtschaftlich voran, regierte jedoch mit harter Hand.

Vor 15 Jahren trat Mahathir als Regierungschef ab. Als sich sein Ex-Zögling Najib immer tiefer in eine Korruptionsaffäre verstrickte, kehrte Mahathir jedoch aus dem Ruhestand zurück - allerdings nicht mehr zur Regierungspartei UNMO, sondern in die Reihen der Opposition.

Nach Angaben der Wahlkommission kam das Oppositionsbündnis Pakatan Harapan (Pakt der Hoffnung) mit ihm als Spitzenkandidat nun auf mindestens 115 Sitze. Damit hätte es im Parlament mit seinen insgesamt 222 Sitzen eine Mehrheit. Die Regierungs-Allianz Barisan National holte demnach nur noch 79 Mandate.

Auf den Straßen der Hauptstadt Kuala Lumpur wurde der Sieg der Opposition laut gefeiert. Vor allem viele junge Wähler waren noch bis tief in der Nacht unterwegs. Donnerstag und Freitag wurden kurzfristig zu landesweiten Feiertagen erklärt. Das amtliche Endergebnis steht noch aus. Einen offiziellen Termin für die Vereidigung des künftigen Premierministers gab es ebenfalls noch nicht.

Trotz eines massiven Korruptionsskandals war der bisherige Premierminister Najib als klarer Favorit in die Wahl gegangen. Dem 64-Jährigen wird vorgeworfen, aus einem Staatsfonds mehr als 3,7 Milliarden Euro zweckentfremdet und teils auf ein eigenes Konto umgeleitet zu haben. Er weist alle Vorwürfe zurück.

Von Najib gab es zunächst keine offizielle Stellungnahme zum Ausgang der Wahlen. Für Donnerstag war von ihm jedoch eine Pressekonferenz angekündigt. Zu den interessanten Fragen gehört, ob er in der Korruptionsaffäre nun mit juristischen Konsequenzen rechnen muss.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Böse Drohungen gegen May - Ministerin Barley gibt den Männern die Schuld am Brexit-Chaos
Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien: Theresa May überstand das Misstrauensvotum und musste auf dem EU-Gipfel am Donnerstag auf Merkel hoffen. Der …
Böse Drohungen gegen May - Ministerin Barley gibt den Männern die Schuld am Brexit-Chaos
Mutmaßlicher Straßburger Attentäter ist tot - IS reklamiert Anschlag für sich
In Straßburg gab es am Dienstagabend Schüsse bei einem Weihnachtsmarkt. Mehrere Menschen starben, es gibt zahlreiche Verletzte. Der mutmaßliche Täter wurde laut einem …
Mutmaßlicher Straßburger Attentäter ist tot - IS reklamiert Anschlag für sich
US-Senat: Saudischer Kronprinz für Mord an Khashoggi „verantwortlich“
Im Fall Khashoggi steht der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman unter Verdacht, den Mord befohlen zu haben. Der US-Senat machte ihn für die Tat verantwortlich. Der …
US-Senat: Saudischer Kronprinz für Mord an Khashoggi „verantwortlich“
Düstere Prognose in der „New York Times“: Nach Merkel ist „Deutschland am Ende“
Die Zukunft Deutschlands sieht alles andere als rosig aus - zumindest wenn man einem Kommentar in der „New York Times“ Glauben schenkt. Der Autor gilt als renommierter …
Düstere Prognose in der „New York Times“: Nach Merkel ist „Deutschland am Ende“

Kommentare