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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron  sorgt mit schlechtem Witz über Flüchtlingsboote für Empörung.

Frankreich

Macron sorgt mit schlechtem Witz über Flüchtlingsboote für Empörung

Mit einem schlechten Witz über Migrantenboote aus den Komoren hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für Empörung gesorgt. Vor laufender Kamera.

Beim Besuch eines Meeres-Rettungszentrums in der Bretagne scherzte Macron, kleine Kwassa-Kwassa-Boote fischten wenig, "sie bringen Komorer". 

„Unglücklicher Scherz“

Da die Fahrt mit den Booten oftmals tödlich endet, wurde ihm Zynismus vorgeworfen. Der Elysée-Palast sprach von einem "unglücklichen Scherz, der verletzen kann". Angesichts der Haltung Macrons zu der Frage sei die Kritik jedoch überzogen.

In einem von dem Sender TMC am Freitag ausgestrahlten Video des Besuchs unterhält sich Macron mit Vertretern des Zentrums über verschiedene Bootstypen. Einer von ihnen spricht von "Tapouilles" und "Kwassa-Kwassa" und wird daraufhin von Macron belehrt, dass die Kwassa-Kwassa in Mayotte im Indischen Ozean vorkommen: "Doch die Kwassa-Kwassa fischen wenig, sie bringen Komorer, das ist etwas anderes". Die Tapouilles hingegen fischten Garnelen. 

Wo liegen die Komoren?

Die Inselgruppe Mayotte gehört geografisch zum Komoren-Archipel, ist aber seit 2011 französisches Übersee-Departement und seit 2014 Teil der EU. 

Viele Flüchtlinge versuchen mit Hilfe der kleinen Kwassa-Kwassa von den armen Komoren nach Mayotte zu gelangen, tausende Menschen sind dabei einem Parlamentsbericht zufolge seit 1995 umgekommen. 

Komoren.

Bei Macrons politischen Gegnern stieß der Scherz auf scharfe Kritik. "Nur weil man sagt, man habe scherzen wollen, heißt das nicht, man hat nichts gesagt", sagte der Spitzenkandidat der Konservativen bei der Parlamentswahl, François Baroin, der Nachrichtenagentur AFP.

"Hätte Sarkozy diesen Satz vor laufender Kamera gesagt, hätte dies ein riesiges Protestgeschrei ausgelöst", sagte die ehemalige Grünen-Ministerin Cécile Duflot mit Blick auf den früheren unpopulären Präsidenten Nicolas Sarkozy. 

Der Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon warf dem sozialliberalen Staatschef eine "Art Klassendünkel" vor, der Schwächere wie etwa auch Analphabeten verachte. Ein Vertreter der Verbands der Franzosen komorischer Abstammung sagte, der Ausspruch hätte auch von dem Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen stammen können.

AFP

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