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Marine Le Pen und Emmanuel Macron.

TV-Zuschauer fanden Macron überzeugender

So hart war der Schlagabtausch zwischen Macron und Le Pen

Paris - Die französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen haben sich wenige Tage vor der entscheidenden Stichwahl ein hitziges TV-Duell geliefert.

Die Rechtspopulistin von der Front National attackierte den sozialliberalen Ex-Wirtschaftsminister am Mittwochabend sofort scharf: "Herr Macron ist der Kandidat der wilden Globalisierung, der Uberisierung, der Prekarität, der sozialen Brutalität, des Krieges aller gegen alle, der wirtschaftlichen Plünderung", sagte Le Pen zu Beginn der Fernsehdebatte. 

Macron entgegnete, Le Pen verbreite "Lügen" und "Unsinn" und warf ihr vor, die „echte Erbin“ der „Partei der extremen Rechten Frankreichs“ zu sein. Le Pen bemüht sich seit Jahren, ihrer Front National eine gemäßigtere Außendarstellung zu verschaffen. Außerdem verkörpere sie den "Geist der Niederlage" und erkläre den Franzosen, dass die Globalisierung und Europa zu "hart" für Frankreich seien. Die EU-Gegnerin wolle deswegen die Grenzen schließen, aus dem Euro aussteigen und die EU verlassen. Er wolle dagegen auf den Erfolgen und der Stärke Frankreichs aufbauen.

Macron: „Abkehr vom Euro wäre tödlich“

Eine Abkehr vom Euro wäre "tödlich" für die Kaufkraft der Franzosen und die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft, betonte der Pro-Europäer. Das Vorhaben der EU-Gegnerin sei "gefährlich". Le Pens Versprechen, die Kaufkraft der Franzosen zu stärken, seien nicht finanziert. „Sie werden entweder die Steuern erhöhen oder die Schulden erhöhen.“ Die von Le Pen geforderte Absenkung des Rentenalters auf 60 Jahre koste 30 Milliarden Euro: „Das ist nicht finanzierbar.“ Im weiteren Verlauf der TV-Debatte warf der parteilose Mitte-Politiker der Rechtspopulistin vor, im Kampf gegen die wirtschaftlichen Probleme des Landes keine konkreten Vorschläge zu machen.

Le Pen hielt dagegen, sie wolle Milliarden bei den Ausgaben für die Europäische Union und für die Einwanderung einsparen. „Ich gebe den Franzosen ihr Geld zurück.“ Die 48-Jährige warf Macron mehrfach vor, wegen seiner Zeit als Berater des sozialistischen Amtsinhabers François Hollande und als Wirtschaftsminister von 2014 bis 2016 für Fehlentwicklungen mitverantwortlich zu sein. Zudem griff sie Macron wegen seiner Vergangenheit als Investmentbanker an. Ihm fehle der „Nationalgeist“.

Le Pen: Macron unterwirft sich Merkel

Le Pen warf Macron vor, sich Deutschland und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu unterwerfen. So sei er nach Berlin gereist, um sich den "Segen" der Kanzlerin abzuholen. Bei einem Wahlsieg Macrons würde in Wirklichkeit Merkel über die Geschicke Frankreichs entscheiden: "So oder so wird Frankreich künftig von einer Frau regiert - entweder von mir oder von Frau Merkel", sagte Le Pen. „Es sind die Ungleichgewichte in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, die in der Wirklichkeit die Keime des Krieges sind“, betonte die europafeindlich eingestellte Kandidatin, die bereits in einer früheren Debatte gesagt hatte, sie wolle nicht die „Vizekanzlerin von Frau Merkel“ sein.

Macron nennt Le Pen „Hohepriesterin der Angst“

Ein zentrales Thema war auch der Anti-Terror-Kampf. Le Pen warf Macron "Gefälligkeit mit dem islamistischen Fundamentalismus" vor und warb erneut dafür, ausländische Gefährder umgehend aus Frankreich auszuweisen. 

Macron warf seiner rechten Konkurrentin hingegen vor, in die Falle islamistischer Terroristen zu tappen. „Sie (die Terroristen) suchen die Radikalisierung, die Spaltung, den Bürgerkrieg, den Sie in das Land bringen“, sagte er und fügte hinzu: „Die Hohepriesterin der Angst ist mir gegenüber.“ Er sprach er sich dafür aus, die Geheimdienste zu stärken.

Stichwahl: Macron ist Favorit 

Der Pro-Europäer Macron war bei der ersten Wahlrunde am 23. April an erster Stelle gelandet und geht als klarer Favorit in die Stichwahl am kommenden Sonntag. Aktuelle Umfragen sehen den sozialliberalen Reformpolitiker mit rund 60 Prozent deutlich vor der EU-Gegnerin Le Pen, die demnach auf 40 Prozent käme.

Bei dem TV-Duell wollten sowohl Le Pen als auch Macron um die vielen noch unentschlossenen Wähler werben. Die Fernsehdebatte zwischen den beiden Wahlrunden ist in Frankreich traditionell einer der wichtigsten Wahlkampfmomente. 2012 verfolgten fast 18 Millionen Fernsehzuschauer das TV-Duell zwischen dem Sozialisten François Hollande und dem Konservativen Nicolas Sarkozy.

Umfrage: Große Mehrheit findet Macron in TV-Duell überzeugender

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat im TV-Duell laut einer Umfrage deutlich besser als seine Kontrahentin Marine Le Pen abgeschnitten. 63 Prozent der befragten Zuschauer hätten den sozialliberalen Kandidaten Macron überzeugender gefunden, berichtete der Sender BFMTV in der Nacht zum Donnerstag. 34 Prozent fanden die Rechtspopulistin Le Pen überzeugender. Das Institut Elabe hatte im Auftrag des Senders 1314 Zuschauer der zweieinhalbstündigen Debatte befragt.

Macron habe auch bei den Anhängern des Konservativen François Fillon und des Linkspolitikers Jean-Luc Mélenchon deutlich vorn gelegen. Die beiden waren im ersten Wahlgang ausgeschieden, hatten aber zusammen rund 40 Prozent der Stimmen bekommen.

afp/dpa

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