+
Menschen demonstrieren im April 2017 in der Nähe der russischen Botschaft in Rom gegen Folter und Unterdrückung von Homosexuellen in Tschetschenien.

Verwirrung wegen Übersetzungsfehler

Männer in Tschetschenien hingerichtet - Homosexualität nicht Tatmotiv

Ein Bericht über die angebliche Hinrichtung Dutzender Gefangener in der russischen Teilrepublik Tschetschenien hat große Besorgnis bei Menschenrechtlern ausgelöst.

Die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ (Montag) veröffentlichte die Namen von 27 jungen Männern, die ohne Anklage von der Polizei festgenommen und in der Nacht zum 26. Januar getötet worden sein sollen. Das Blatt beruft sich auf ranghohe Informanten aus den Behörden in Tschetschenien.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International stufte den Bericht als glaubwürdig ein und forderte eine umfassende Aufklärung des Falls. „Die Sicherheitskräfte können nicht töten und foltern, nur weil sie Uniform tragen“, kritisierte Denis Kriwoschejew. Amnesty habe über mehrere Jahre hinweg Fälle von Hinrichtungen im russischen Nordkaukasus dokumentiert, sagte er.

Die Zeitung hatte in den vergangenen Monaten mehrfach berichtet, dass Homosexuelle in Tschetschenien verschleppt und misshandelt werden. Aus diesen Recherchen ergaben sich Hinweise auf weitere willkürliche Festnahmen durch die Behörden des Republikchefs Ramsan Kadyrow. Diese Welle der Verschleppungen scheine durch den Mord an einem Polizisten Mitte Dezember ausgelöst worden zu sein, schrieb die Zeitung.

Übersetzungsfehler in Erstmeldung

In einer ersten Meldung hatte es noch geheißen, die Männer seien vermutlich wegen ihrer angeblichen Homosexualität hingerichtet worden. Offenbar beruhte dieses fälschliche Tatmotiv auf einem Übersetzungsfehler.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, er habe die Berichte zur Kenntnis genommen. Da die Quellen anonym seien, könne er keine Stellungnahme abgeben. Russlands Menschenrechtsbeauftragte Tatiana Moskalkowa sagte, sie habe zu den nun veröffentlichten Namen bereits eine Anfrage an die Ermittler geschickt. Die „Nowaja Gaseta“ hatte den Behörden vorgeworfen, die Untersuchungen zu verschleppen.

Lesen Sie auch: EGMR verurteilt Moskau wegen Anti-Schwulen-Gesetzen

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Syrische Armee umzingelt IS-Kämpfer in der Wüste
Die syrische Armee hat Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in der Wüste im Zentrum des Landes praktisch vollständig umzingelt.
Syrische Armee umzingelt IS-Kämpfer in der Wüste
Deutsche Rüstungsexporte bleiben auf hohem Niveau
Im Wahljahr sinken die Rüstungsexporte zwar leicht, bleiben aber auf hohem Niveau - trotz restriktiver Exportpolitik des SPD-geführten Wirtschaftsministeriums.
Deutsche Rüstungsexporte bleiben auf hohem Niveau
Vierte Festnahme nach Terroranschlag in Barcelona
Barcelona (dpa) - Die Polizei hat nach dem Terroranschlag von Barcelona einen vierten Verdächtigen festgenommen. Dies teilten die Sicherheitskräfte auf Twitter mit, ohne …
Vierte Festnahme nach Terroranschlag in Barcelona
Terrorverdächtiger Tunesier muss in Abschiebehaft
Ein hochgradig terrorverdächtiger Tunesier kommt trotz Aufhebung seines Haftbefehls durch den Bundesgerichthof nicht auf freien Fuß, sondern muss in Abschiebehaft.
Terrorverdächtiger Tunesier muss in Abschiebehaft

Kommentare