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Nato-Geheimpapier: Putin braucht Sieg zum 9. Mai - „unverhältnismäßige Gewalt“ erwartet

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Von: Felix Durach

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Das russische Militär wird mit aller Härte versuchen, bis zum 9. Mai Erfolge im Ukraine-Krieg einzufahren. Diese Einschätzung geht aus einem vertraulichen Nato-Papier hervor.

Moskau - Auch knapp zwei Monate nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine bleibt die Lage in den umkämpften Gebieten weiterhin unübersichtlich. In den vergangenen Wochen konnte jedoch eine umfassende Truppenbewegung des russischen Militärs beobachtet werden. Die Streitkräfte zogen sich aus dem Gebiet um die Hauptstadt Kiew zurück, um sich in der Ostukraine neu zu formieren. Die erwartete Großoffensive der russischen Truppen von Osten aus ist nach Berichten der ukrainischen Regierung mittlerweile angelaufen.

Ukraine-Krieg: Vertraulicher Nato-Bericht - Russland wird „unverhältnismäßige Gewalt anwenden“

Verantwortlich für diese neue Strategie ist der neuer Oberbefehlshaber der russischen Truppen in der Ukraine, Alexander Dwornikow. Der General, der aufgrund seines skrupellosen Vorgehens in zurückliegenden Konflikten auch als „Schlächter von Syrien“ bekannt ist, soll das vollste Vertrauen von Präsident Wladimir Putin genießen, im Ukraine-Krieg endlich lang ersehnte Erfolge für Russland einzufahren. Die Strategie sei dabei wohl bis zum 9. Mai in der Ostukraine vorzeigbare militärische Erfolge zu erreichen.

Das geht aus einem vertraulichen Papier aus dem Nato-Hauptquartier hervor, das dem Portal Business Insider vorliegt. Die westlichen Staaten rechnen demnach damit, dass Dwornikow „höchstwahrscheinlich unverhältnismäßige Gewalt anwenden“, um militärische Erfolge in den umkämpften Gebieten zu erzielen. „Diese (Ziele) wird er voraussichtlich schnell und entschlossen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzen, um den von Präsident Putin geforderten Sieg rechtzeitig für dessen Rede zum Tag des Sieges am 9. Mai zu liefern“, heißt es in dem Dokument weiter.

Der Oberbefehlshaber der russischen Truppen in der Ukraine, Alexander Dwornikow (r.), gemeinsam mit Russlands Präsident Wladimir Putin im Jahr 2016.
Der Oberbefehlshaber der russischen Truppen in der Ukraine, Alexander Dwornikow (r.), gemeinsam mit Russlands Präsident Wladimir Putin im Jahr 2016. © Alexei Nikolsky/dpas

Putin braucht Erfolge zum 9. Mai - Militär steht unter „gewaltigem politischen Druck“

Schon in den vergangenen Wochen wurde der 9. Mai immer wieder von diversen Beobachtern als Stichtag genannt, zu dem Putin nennenswerte Erfolge in der Ukraine zum Vermelden benötigt. An dem als „Tag des Sieges“ bekannten Datum feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland im Zweiten Weltkrieg. In Moskau finden dort jedes Jahr prunkvolle Militärparaden und eine Ehrung der russischen Veteranen statt. Putin rechtfertigte den Angriffskrieg gegen die Ukraine auch mit der angeblichen Bekämpfung nationalsozialistischer Kräfte im Land. Ein vermeldeter Erfolg am 9. Mai hätte auch deshalb eine symbolische Wirkung.

„Die russische Militärführung steht unter einem gewaltigen politischen Druck, endlich einen militärischen Durchbruch in der Ukraine zu erzielen, der auf der Parade am 9. Mai als Sieg präsentiert werden kann“, heißt es im weiteren Verlauf des Nato-Papiers. Vor allem die gescheiterte Eroberung der ukrainischen Hauptstadt Kiew durch die russischen Truppen zu Beginn des Krieges sorgt für Unmut im Kreml. Präsident Putin soll als Reaktion auf die Verluste auch eine Massensäuberung im russischen Geheimdienst vorgenommen haben. Hinzu kommt der Verlust des Flaggschiffs Moskwa in der vergangenen Woche, der weiter den Druck auf das russische Militär erhöht hatte.

Großoffensive im Donbas läuft: Russland will Kapitulation der Ukraine im Krieg „erzwingen“

Die Strategie Russlands sei es dem Nato-Papier zu Folge deshalb nun, „unverhältnismäßige Gewalt anwenden“, „um die Westernisation der Ukraine zu verhindern“ und eine „Kapitulation zu erzwingen“. Dwornikow sei in den Augen von Präsident Putin der richtige Mann, um die Ziele des Kremls zu erreichen. Der russische Machthaber habe ein „hohes Maß an Vertrauen“ in die Fähigkeiten des Generals. Dwornikow sei ein „Workhaholic“ mit hohen Ansprüchen an sich selbst, wie aus dem Nato-Papier weiter hervorgeht.

Bis zum 9. Mai wollen die russischen Truppen also weite Teile der Ostukraine unter ihre Kontrolle bekommen. Die vollständige Kontrolle über den Donbas mit den Oblasten Donezk und Luhansk ist dabei ebenso ein erklärtes Ziel der russischen Truppen, wie die seit Wochen hart umkämpfte Stadt Mariupol am Asowschen Meer, in der sich aktuell noch ukrainische Truppen verschanzen. Durch den Fall von Mariupol könnten die russischen Truppen den Landweg zur Schwarzmeerhalbinsel Krim kontrollieren, die bereits 2014 von Russland annektiert wurde. Aktuelle Nachrichten, wie Deutschland auf den Ukraine-Krieg reagiert, lesen Sie in unserem News-Ticker. (fd)

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