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Ein Bierkrug, der Maibock – und Django Asül: Der Niederbayer beim Starkbieranstich.

Maibockanstich in München

Asül: Trump und Putin? „Wir haben Söder und Seehofer“

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Der Maibockanstich fällt dieses Jahr in Zeiten von Trump, Putin aber eben auch den Rücktritt vom Rücktritt Seehofers. Das Interview mit Hauptredner Django Asül.

München - Maibock-Anstich in turbulenten Zeiten. Ausgerechnet in der Woche, in der Horst Seehofer seine Amtszeit verlängert, lädt Finanzminister Markus Söder heute zum Derblecken ins staatliche Hofbräuhaus. Hauptredner ist der niederbayerische Kabarettist Django Asül. Wir sprachen vorab mit ihm.

Horst Seehofer tritt nochmal an. Wie viel Mass Maibock braucht der Markus Söder zum Trost?

Django Asül: Der Seehofer hat ja selber gesagt, dass seine Entscheidung an einem langen Abend gefallen ist und er schon lang nicht mehr so viel Rotwein getrunken hat. Also, wenn es beim Horst keine nüchterne Entscheidung war, sollten wir dem Markus zugestehen, dass er viel Maibock braucht, um damit umzugehen.

Asül: „Für Bausback mache ich eine Ausnahme“

Wird Söder geschont oder zur Zerstreuung erst recht hergewatscht?

Asül: Die Faustregel ist ganz einfach: Wer mir viel Stoff liefert, wird angenehm erwähnt. Wer nicht, hat Pech gehabt. Eine Ausnahme gibt es nur für Justizminister Bausback. Der ist das ganze Jahr so dermaßen nicht aufgefallen, dass es schon auffällt – das kann ich in meiner Rede verarbeiten.

Beim letzten Maibock gab’s Scherze über den unsichtbaren Florian Pronold. Nun gibt er sein Amt als SPD-Chef ab. Arbeiten Sie als düsteres Orakel?

Asül: Nein. Die Politiker aller Parteien haben über die Jahre gemerkt, wie objektiv ich beobachte. Der eine oder andere zieht deshalb aus dem Maibock Schlüsse für seinen weiteren Lebensweg. Den Pronold kenne ich jetzt seit 35 Jahren. Ich glaube, er hat einfach eingesehen: Es ist besser für ihn so.

Die Realität in der Welt ist härter und kurioser als jedes Kabarett. Erdogan, Trump, Brexit – hat das Platz im Maibock?

Asül: Keinen großen Platz. Bayern ist ja der Nabel der Welt und bietet aus sich heraus so viel Themen. Ein Beispiel: Wir haben ganzjährig Söder und Seehofer vor uns – da können Trump und Putin einpacken.

Maibockanstich: „Wegen Seehofer zwei Seiten neu geschrieben“

Wie viel Arbeit steckt in der Rede für diesen einen Abend?

Asül: Ein Haufen. Und viel Akribie. Ich sammle seit September Zeitungsartikel, über 100 Seiten, achte gerade auf Kleinigkeiten, in denen Amüsantes steckt. Das habe ich durchforstet. Dann kommt am Montag der Seehofer mit seiner Erklärung – jetzt habe ich wieder zwei Seiten neu geschrieben, die ich an anderer Stelle kürzen muss.

Blicken wir – im Ernst – auf den Nockherberg. Dort hat der Saal Ihre Kollegin Luise Kinseher heuer ein paar Mal bei Pointen auflaufen lassen, hat kühl geschwiegen. Mitleid?

Asül: Ich habe große Sympathien mit der Luise, weil sie eine wunderbare Kollegin ist. Und Niederbayerin. Mitleid ist in unserer Branche generell keine Kategorie. Was ich ihr wünschen würde, hat sie längst: ein dickes Fell. Sie lässt sich von so etwas nicht beeindrucken.

„Seehofers Absenz ist ein großes Kompliment“

Auch nicht von Boykotten erzürnter CSU-Ministerinnen?

Asül: Eine Starkbierrede, die keine Emotionen auslöst, ist keine Starkbierrede. Emotionen müssen ja nicht immer himmelhochjauchzend sein. Aber ich bin mir sicher: Luise Kinseher hat keinerlei Problem damit, dass es in Bayern nicht nur Minister, sondern auch Ministerinnen gibt. Und Luise wird sicher nicht am Nockherberg aufhören, nur weil sich irgendwer aus welchem Grund auch immer aufgeregt hat. Ich habe bei meiner allersten Starkbierrede 2007 Söder auch relativ hart angepackt. Das war der Grundstein für seine Karriere als Finanzminister. Und jetzt ist er schon seit Jahren mein Vorredner beim Maibock. Wenn ich so überlege: Eine Finanzministerin wäre auch mal was.

Seit Jahren kommt Seehofer nicht mehr zum Maibock. Jetzt, wo er bis 2023 oder 2028 weitermacht – Hoffnung, dass er sich doch mal anmeldet?

Asül: Wir sehen uns bei anderen Anlässen. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass der Horst einsieht: Der Maibock ist in den Händen von Söder und mir so gut aufgehoben, dass sein Besuch keinen Mehrwert bringen würde. Seine Absenz ist also ein großes Kompliment.

Die ganze Rede vom Maibockanstich 2016 können Sie hier sehen:

Das Bayerische Fernsehen strahlt den Auftritt um 21 Uhr aus.

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