Django Asül teilte beim Maibockanstick erwartungsgemäß aus.

"Söder nimmt andere im Schwitzkasten mit"

Maibockanstich: Django Asül filetiert die Staatsregierung

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München - Mit viel Spannung war die Maibockrede von Django Asül erwartet worden. Am Mittwoch nahm der Kabarettist dann die Staatsregierung fein seziert auseinander.

Was war das für ein Ärger, als neulich am Nockherberg die CSU-Damen beleidigt wurden. Beim Maibock macht es Django Asül weit eleganter, aber mindestens so hundsgemein. „Auf die Frage ,Nennen Sie eine bayerische Ministerin‘ antworten 27 Prozent mit der Gegenfrage: Dürfen Frauen in Bayern Minister werden? 34 Prozent antworten: Uschi Glas! Und 39 Prozent meinen: Anton Hofreiter!“

Nichts mit „Kellerprimeln“, keine Beleidigungen – fast schon elegant derbleckt der niederbayerische Kabarettist gestern Abend Bayerns Politik. Der Seehofer habe ihm emsig Stoff geliefert, sagte Asül vor dem Auftritt im Hofbräu. Vor allem aber waren es Seehofers Kronprinzen. Asül hat viel Zeitung gelesen und knöpft sie sich präzise vor. Die neue, etwas machtbewusstere Art von Ilse Aigner zum Beispiel: „Oha! Das ist nicht mehr die zögerliche Aigner von früher. Das ist schon Hillary Clinton mit einem Schuss Klosterfrau Melissengeist!“ Oder über Markus Söder: „Er entspricht dem Typus Politiker, der andere gern mitnimmt. Wenn auch nur im Schwitzkasten.“

Asül: "Herrmann ist der Vorsitzende vom Roberto-Blanco-Fanclub"

Asüls Pointen sind manchmal so verwinkelt, dass nur die Polit-Nerds im Saal mitkommen. Plump aber sind sie nie. Selbst Innenminister Joachim Herrmann, „der Vorsitzende vom Roberto-Blanco-Fanclub“, kriegt nur einen Streifschuss ab. Über Angela Merkel erzählt er, ihr Credo sei: „Links von der CDU darf es keine Partei geben.“ Na gut, manchmal darf ein Kalauer sein, über das Bundesamt für Migration zum Beispiel, das BAMF: „BAMF kannten wir bislang nur als Geräusch, wenn man besoffen mit dem Kopf gegen eine Straßenlaterne donnert.“ Und über den Rücktritt des Behördenchefs damals (den Namen kennt heute eh keiner mehr): „Er hat einfach eingesehen: Den Job, großflächig Chaos zu stiften, beherrscht die Kanzlerin besser.“

Eine freche Rede hält auch Söder selbst. Er ist der Hausherr in der Staatsbrauerei. Ihn stellt der Maibock vor eine nüchterne Abwägung, seit er mal in seiner Ansprache das halbe Kabinett veralbert hatte: Sind zehn Minuten Spaß mit dem Publikum ein halbes Jahr Ärger mit Seehofer wert? Oder besser ein fades Grußwort und keinen Ärger? Der drohende Stress mit Seehofer, der über eigene Witze laut und über andere selten lacht, ist Söder diesmal erkennbar wurscht. Er stellt seine ganze Rede auf den Machtkampf mit dem Chef ab.

Auch Markus Söder teilt beim Maibock-Anstich aus

Söder verspottet Seehofers Ansage, die Nachfolge-Frage liege „im Gefrierschrank“. „Horst mag es lieber kalt, ich lieber heiß. Manche nennen uns auch Frozen-Horst und Burning-Markus.“ Dabei habe Seehofer doch „alle zu Kronprinzen gemacht, ich glaube sogar den Hausmeister der Staatskanzlei“. Über sich sagt Söder, er habe als Finanzminister viel gelernt: „Schade, dass ich damit ab 2018 nichts mehr anfangen kann.“ Schon zu JU-Zeiten habe Aigner gefunden, er, Söder, müsse die Nummer 1 sein: „Ilse – bleib bei Deiner Meinung.“ Böse ist auch Söders Ansage an die liebe Ilse, vielleicht reiße der Kontakt ja auch nach 2018 nicht ab.

Über die Opposition äußert sich der Maibock-Gastgeber übrigens eher grob. Vor allem trifft es die Grünen, und schon wieder den Herrn Hofreiter: Er und Margarate Bause sähen aus „wie ein veganischer Wolpertinger und ein elektrisierter Wellensittich“. Beide aber sind nicht da und deshalb auch nicht beleidigt.

Das Publikum beklatscht Söder und feiert Asül. „Lächeln, auch wenn’s weh tut“, hat SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher ausgegeben, er hält sich dran. Staatskanzleichef Marcel Huber, praktisch Stellvertreter der abwesenden Parteifreunde Seehofer und Aigner, schreibt jedenfalls auch nach Söders Rede keine Eil-SMS an den Chef. „Die Grenze zwischen verletzend und langweilig ist schmal.“ Sie sei nicht verfehlt worden. Und, mit Blick auf den Nockherberg: „Das war hier Längen besser.“

Christian Deutschländer

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