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Skurrile FDP-Grünen-Szene bei „Maischberger“: Viel Dissens - und dann eine Faust aufs Cannabis

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann (l.) und Claudia Roth zu Gast bei „maischberger. die woche“
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (l.) und Claudia Roth zu Gast bei „maischberger. die woche“ © Screenshot: ARD / maischberger. die Woche

FDP und Grüne? Könnte schwierig werden - das zeigt auch der „Maischberger“-Talk. Doch anderthalb Anknüpfungspunkte werden deutlich: Cannabis und Tempolimit.

Berlin - In ihren Selfies wirken FDP und Grüne schon sehr harmonisch - doch wie groß ist die Kooperationsbereitschaft der ungleichen Partner wirklich? Was wird mit Armin Laschet? Und: Schaffen es die Gewählten, bis Weihnachten eine neue Regierung zu bilden? Am Mittwoch Themen für Sandra Maischbergers Talk im Ersten.

Die Moderatorin erscheint zu ihrer ersten Sendung nach der Bundestagswahl in dezentem Grün und lässt offen, ob das dem Zufall oder ihrer persönlichen politischen Präferenz geschuldet ist. Unverhohlen zeigte die TV-Journalistin im Gespräch mit Grünen-Urgestein Claudia Roth und FDP-Vorständin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (am Vorabend bereits bei „Lanz“ zu Gast) dagegen ihre Skepsis, ob FDP und Grüne tatsächlich in Koalitionsverhandlungen auf einen gemeinsamen Nenner kommen können.

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

Als Experten: 

Rein optisch betrachtet liegen die beiden Politikerinnen tatsächlich weit auseinander: Sehr klassisch, mit zugeknöpftem Kragen und Jackett, zeigt sich Strack-Zimmermann. Roth trägt ein Minikleid mit Silberglanz, viel Schmuck und Turnschuhe.

Claudia Roth bei Maischberger: „Wir wollen eine progressive Regierung hinbekommen“

Die FDP-Politikerin ist sichtbar um Bindung bemüht, scherzt, schmeichelt und lächelt immer wieder in Richtung Roth. Die Grünen-Abgeordnete wirkt dagegen zunächst distanziert. Doch in einem Punkt sind sich beide bereits einig. Roth stellt klar, was auch der Twitter-Post ausdrücken sollte: „Wir zusammen sind stärker als die SPD, stärker als die CDU.“ Aber auch frischer, moderner als die traditionellen Volksparteien wolle man sein. Roth wiederholt, was ihre Parteichefin Annalena Baerbock Stunden zuvor betont hatte: „Wir wollen eine progressive Regierung hinbekommen.“ Und das sei angesichts der Herausforderungen, die „selten so groß gewesen sind“ wie heute, auch dringend notwendig.

Doch Maischberger traut dem Frieden nicht und klopft im Ja-Nein-Antwort-Modus die Grundsatzunterschiede ab. Zwei-Prozent-Nato-Beitrag? Roth: Nein, Strack-Zimmermann: Ja. Frauenquote im Bundestag und Gendern in Gesetzestexten? Roth: Ja, Strack-Zimmermann: Nein. Auch zu Tempolimit bei 130, Abschaffung der privaten Krankenversicherung, Mietendeckel, EU-Erweiterung in Richtung Türkei und Mindestlohn-Erhöhung auf zwölf Euro sind die Grünen für Pro, die FDP zeigt sich allein beim Tempolimit zu Kompromissen bereit. 

Strack-Zimmermann will so viel Disharmonie nicht stehen lassen. „Fragen Sie doch mal nach der Cannabis-Freigabe“, wirft sie Maischberger zu. Die tut das prompt und beide Politikerinnen antworten mit beherztem: Ja. Roth muss lachen, sagt in Richtung der FDP-Frau: „Der Punkt geht an dich.“ Und streckt ihr die geballte „Ghetto-Faust“ entgegen. Strack-Zimmermann schlägt lachend ein und erklärt, ihrer Partei gehe es zunächst um Vertrauen: „Das Persönliche soll die Basis geben für harte Verhandlungen, die es geben wird.“

Bei „maischberger. die woche“ glaubt kaum noch einer an eine Jamaika-Koalition

Ob eine Jamaika-Koalition mit der CDU auch denkbar wäre, fragt Maischberger Strack-Zimmermann und spart sich die Frage bei Roth. Die FDP-Frau nutzt die Fragestellung zur klaren Kritik am bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder: „Wenn ich sehe, dass Herr Söder Herrn Laschet wieder vor sich hertreibt, dann finde ich das bemerkenswert.“ Während sie Laschet als zuverlässigen Politiker erlebt habe, der zu seinem Wort stehe, sei Söder kein „Traum schlafloser Nächte“. Seine mangelnde Loyalität empfinde sie als unangenehm. Er trübe damit auch die Aussichten auf Schwarz-Grün-Gelb.

Welt-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld erklärt sich Söders Verhalten im anschließenden Experten-Talk als reinen Überlebenskampf: „Markus Söder möchte, glaube ich, nicht bei den Verlierern sein. Der hat demnächst auch Wahlen in Bayern zu gewinnen.“ Bundespolitisch sei es wohl Söders Ziel zu verhindern, dass Friedrich Merz bei der Erneuerung der CDU eine Rolle spielt. Rosenfeld fügt hinzu: „Vielleicht tut es der Union gut, jetzt mal in die Opposition zu gehen und die nächsten vier Jahre zu nutzen, sich neu zu finden.“

Söder bei „Maischberger“ hart in der Kritik - sogar CDU-Fraktionsvize stimmt ein

ARD-Kollegin Tina Hassel stimmt dem zu und ergänzt, für Armin Laschet sei Jamaika der „Last Exit“, der könne nur „ins Kanzleramt oder ins Nichts“. Bei den anderen CDUlern und den laufenden Scharmützeln gehe es um die Neuaufstellung der Partei und darum, wer letztendlich das Sagen hat. Eine Jamaika-Koalition würde Söders Rolle schwächen, so Hassel. „Da hat er sehr kühl nachgerechnet und gedacht: Nee, das ist nicht das, was ich will.“

Zu den Hintergründen in der CDU gibt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, Carsten Lindemann, in der nächsten Gesprächsrunde Auskunft. Auch er macht aus seiner Abneigung gegen den bayerischen Unions-Kollegen keinen Hehl: „Söder hat da keine berühmte Bilanz. Der tut ja so, als ob die CDU der kranke Teil war und die CSU der gesunde.“ Doch im Hinblick auf Corona oder auf die bayrischen Wahlergebnisse komme er selbst zu dem Schluss: „Große Sprüche“.

Ob es eine neue Regierung bereits vor Weihnachten geben wird, will Maischberger noch wissen. Die meisten der Gäste sind skeptisch. Roth plädiert für einen schnellstmöglichen Wechsel, die Probleme des Landes seien dringend. SPD-Mann Ralf Stegner bricht die Forderung noch plakativer herunter: „Frau Merkel sollte nicht mehr die Neujahrsansprache halten.“

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