Sandra Maischberger
+
Sandra Maischberger führt durch die Sendung

„Corona ist nicht das Killervirus“

Maischberger-Talk nach Merkels Corona-Beschlüssen: Streeck knöpft sich Söder vor - „Macht Angst“

Bei „Maischberger“ ging es um die aktuelle Corona-Debatte der Länder und um einen möglichen Ausgang im US-Wahlkampf.

„maischberger. die Woche“ - die Gäste

  • Manuela Schwesig (SPD) - Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern wurde zugeschaltet
  • Hendrik Streeck - Direktor des Institutes für Virologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn
  • Mary L. Trump - Psychiaterin, Nichte von Donald Trump, wurde zugeschaltet aus Massachusetts
  • Stephan Bierling - Politikwissenschaftler
  • Vince Ebert - Physiker und wissenschaftlicher Kabarettist
  • Cerstin Gammelin - stv. Leiterin des Hauptstadtbüros der „Süddeutschen Zeitung“
  • Susanne Gaschke - Autorin „Die Welt“

„Maischberger“ - Angst habe in der Politik nichts zu suchen

Das Reizwort „Beherbergungsverbot“ bestimmt zu Beginn die Debatte. Die Länderchefs hatten mit Kanzlerin Angela Merkel bis eine Stunde vor der Sendung unter anderem über dieses Thema getagt - ohne abschließendes Ergebnis.

Kritik an den derzeitigen Regelungen der Länder gibt es von der Journalistin und ehemaligen Kieler SPD-Oberbürgermeisterin, Susanne Gaschke: „Wenn da einer oben allein in seinem Hotelbett liegt, ist das verboten. Aber unten essen und feiern mit zehn Leuten – das ist erlaubt!“ Das verstehe kein Mensch. Sie störe auch „die apokalyptische Rhetorik“, es sei „fünf vor zwölf“ - „Angst ist einfach kein guter politischer Ratgeber“.

„Maischberger“ in der ARD - ein zweiter Lockdown nicht mehr friedlich?

Dem stimmte der wissenschaftliche Kabarettist Vince Ebert zu: „Es wird suggeriert, es gebe wissenschaftliche Erkenntnisse und die Politik habe keinen Handlungsspielraum.“ Einem zweiten Lockdown sehe er mit sehr gemischten Gefühlen entgegen: „Der würde nicht mehr so friedlich ablaufen.“ Er warnt vor immensem Unmut und auch Panik, die in der Bevölkerung vorhanden sein.

„Maischberger“ - Schwesig schiebt Berlin den Schwarzen Peter zu

Die zugeschaltete Manuela Schwesig ist bemüht, ihr Konzept des eingeschränkten Reisens anzupreisen. Seit dem Corona-Ausbruch habe ihr Bundesland fünf Millionen Touristen beherbergt - und dennoch niedrige Fallzahlen aufzuweisen. Dennoch sei sie für Einschränkungen im innerdeutschen Reiseverkehr und für Quarantäneauflagen in den Hotelerie-Betrieben.

Den Schwarzen Peter gibt Schwesig an Risiko-Länder wie Berlin weiter, die es ihrer Ansicht nach versäumt hatten, die Bevölkerung rechtzeitig über die Folgen steigender Fallzahlen aufzuklären. Sie müssten nun dafür Sorge tragen, dass Reiseverkehr aus und in das Berliner Stadtgebiet eingeschränkt werde. Ein Vorschlag, der bei der Bund-Länder-Konferenz allerdings kaum Anhänger fand.

Sandra Maischberger im Gespräch mit Susanne Gaschke und Vince Ebert

„Sandra Maischberger“ - Streek: Corona ist kein „Killervirus“

Hendrik Streeck, Professor für Virologie an der Universität Bonn, betont im Studio nochmal, für ihn sei ein differenzierter Blick auf die Pandemie entscheidend. „Wenn wir einen Ausbruch in einem Altenheim haben, und 50 Bewohner müssen ins Krankenhaus – dann haben wir ein Problem. Wenn wir 150 junge Raver mit Neuinfektionen und milden Symptomen haben, dann nicht.“

Maischberger verweist auf die Gefahr, dass ein Raver als Pfleger in einem Altenheim für Ansteckung sorgen könnte. Dem entgegnet Streeck, es müsse mehr darüber diskutiert werden, wie Risikopatienten besser geschützt werden können. Der Virologe nennt dafür konkrete Ideen: Die neuen Antigen-Schnelltests sollten den Pflege-Berufen vorbehalten werden, in Altenheimen könnten die Übertragungswege der Senioren zudem eingeschränkt werden.

Nach seinen Heinsberg-Studien gehe er von einer Corona-Sterblichkeitsrate von 0,37 Prozent aus. Das Virus sei natürlich gefährlich, aber „nicht das Killervirus, wie wir das anfangs gedacht hatten“. Zwar seien auch Studien im Umlauf, die von einer Sterblichkeit von einem Prozent ausgehen, das halte er aber für zu hoch gegriffen. Auch er lehnt Söders Rhethorik ab. „Die bringen nicht viel. Die machen eher Angst.“

„maischberger. die Woche“ - macht Trump die USA zur Diktatur?

Den zweiten Schwerpunkt des Abends bildet der Blick auf den Endspurt im US-Präsidentschaftswahlkampf – dort wird am 3. November gewählt. Maischberger will wissen: Schafft Trump eine zweite Amtszeit?

Während die Kommentatoren skeptisch sind, ob Biden gewinnt, gibt sich der Politologe Stephan Bierling überzeugt: Trump sei in den Umfragen weiter zurückgefallen, die Demokraten sind derzeit enorm mobilisiert: „Sie wollen Trump auf alle Fälle weghaben.“ Der Wählerzuspruch sei riesig, die Umfragewerte für Biden stabil. Ähnlich hatte er sich zuvor bereits in einem ausführlichen Interview geäußert.

Aus den USA zugeschaltet wird Trumps Nichte Mary L. Trump. Zu der schnellen Genesung des Präsidenten sagt die Tochter seines älteren, verstorbenen Bruders Fred, Krankheit sei in der Trump-Familie immer als Schwäche ausgelegt worden, quasi ein Charakterfehler. So sei Trump sozialisiert worden und so verhalte er sich nun. Sie warnt: Vier weitere Jahre Trump würden die USA zu einer Diktatur machen.

Bierling gibt ihr recht: „Trump hat ein undemokratisches Verhältnis zu Wahlen. Er versteht nichts von der Verfassung und er besitzt einen autoritären Instinkt“ - etwas, das in der Demokratie keinen Platz habe. Tatsächlich sehen so einige Experten die wichtigste Wahl der Geschichte der USA nahen.

Maischberger-Fazit

Guter Mix aus Fachkompetenz und Bürgersinn. Dennoch: Trübe Aussichten, so scheint die Bilanz der Sendung. Ein möglicher zweiter Lockdown und eine mögliche weitere Amtszeit von Donald Trump. Optimismus verbreitete die Sendung nicht.

Auch interessant

Kommentare