US-Expertin warnt vor „Putsch“

Expertin stellt bei „Maischberger“ beunruhigende Trump-These - Gabriel hält dagegen: „Wir müssen jetzt mal ...“

Bei „maischberger. die woche“ kommentiert Sigmar Gabriel ein mögliches Nachspiel Trumps. Dieter Hallervorden kritisiert hingegen die Corona-Maßnahmen für die Kulturszene.

  • Die US-Expertin Sandra Navidi irritiert die Maischberger-Runde am Mittwoch mit der These eines möglichen Putsch-Versuchs von Donald Trump.
  • Sigmar Gabriel hält die USA-Forderung nach mehr militärischer Eigenverantwortung der EU für richtig.
  • Hallervorden kritisiert: Warum dürfen Kirchen in der Corona-Pandemie öffnen, aber Theater nicht?

„maischberger. die woche“: Das sind die Gäste

  • Sigmar Gabriel (SPD) - ehemaliger Außenminister
  • Dieter Hallervorden - Schauspieler, Kabarettist, Theaterbetreiber (aus Berlin zugeschaltet)
  • Markus Peichl - Medienmacher, Kunsthändler

Als Kommentatoren waren geladen:

  • Sandra Navidi - US-Expertin und Unternehmensberaterin
  • Christina Berndt - SZ-Wissenschaftsjournalistin
  • Nikolaus Blome - Ressortleiter Politik der Mediengruppe RTL Deutschland

Sandra Maischberger grüßt am 11. November aus Köln und weist auf die - coronabedingt - leeren Straßen vor dem WDR-Studio hin. In der Stadt wurden Karnevalsfeste untersagt. Auch um Corona wird es in der Sendung gehen, aber zunächst wandert der Blick Richtung USA. Maischberger will wissen: Geht jetzt - nach der Abwahl Donald Trumps - endlich wieder alles seinen normalen Gang?

„maischberger“-Talk: US-Expertin Navidi warnt vor möglichem Putsch

Die Gäste sind sich uneins. Nach Ansicht der US- und Finanzexpertin Sandra Navidi hatte Donald Trump immer geplant, ein autokratisches System a là Putin zu etablieren. Das wolle er auch in seiner jetzigen Lage weiterführen: „Was hat der Mann zu verlieren?“

Doch würde Trump wirklich versuchen, sich mithilfe des Militärs im Amt zu halten? Sogar einen Staatsstreich anzetteln? RTL-Politik-Chef Nikolaus Blome zweifelt und auch Navidi rückt doch wieder etwas von ihrer Aussage ab: Nicht mehr im Amt drohten Trump diverse Strafprozesse, sie schätzt seine Schulden auf eine Milliarde Dollar ein, allein bei der Deutschen Bank stehe er mit 400 Millionen in der Kreide. Sie befürchtet, Trump könnte sich vielleicht auch einfach selbst begnadigen.

Blome bei „maischberger“: Trump so schnell wie möglich vergessen - und Deckel drauf!

Blome besänftigt: Derzeit kämpfen die Republikaner noch um Sitze im Senat und so lange werden sie nicht aufgeben. „Eine Begnadigung“, wendet Blome ein, wäre „juristisch sicher heikel“, aber „ein langes Verfahren gegen Trump“ kein gutes Signal für das gespaltene Land. Für die „Heilung“ wäre es besser, zu sagen: „So schnell wie möglich vergessen und Deckel drauf“. Ex-Außenminister Sigmar Gabriel stimmt dem zu: „Wir müssen jetzt mal langsam aufhören, über Donald Trump zu sprechen.“

Die Frage, die ihn umtreibt, sei: „Wie hat er es eigentlich geschafft, beim zweiten Mal wieder die Hälfte der Stimmen zu bekommen?“ Die Ursache sieht er in einer sich polarisierenden US-Gesellschaft. Menschen, die sich nicht mehr als politische Widersacher gegenüberstünden - sondern als Feinde.

Gabriel bei „maischberger“: Deutschland sollte Polen und das Baltikum militärisch unterstützen

Der Ex-Außenminister, der in den USA mit Republikaner-Wählern vor Ort gesprochen hat, findet es falsch, alle Trump-Anhänger für Rechtsradikale zu halten. Gabriel: „Es sind Menschen, die das Gefühl haben, dass sich in Washington niemand für sie interessiert.“ Und das sei nicht ganz falsch. Außerdem gebe es viele Menschen, die schlichtweg Angst um ihren Arbeitsplatz und ihre Existenz hätten.

Die US-Forderung nach mehr militärischer Eigenleistung der EU findet Gabriel nachvollziehbar: „Die USA und Europa sind in etwa gleich große Volkswirtschaften. Wieso sollten die USA 70 Prozent der EU-Verteidigungsausgaben tragen?“ Gabriel regt an, einen Teil der deutschen Militärmittel in die Verteidigungsfähigkeit Polens und des Baltikums zu investieren.

Hallervorden stellt klar: „Ich bin kein Corona-Leugner“

Dann geht der Blick auf die Corona-Pandemie. Schauspieler, Kabarettist und Theater-Betreiber Dieter Hallervorden ist aus Berlin zugeschaltet. Der 82-Jährige hat einen gerichtlichen Eilantrag eingereicht, möchte trotz angeordneter Schließung sein „Schlosspark Theater“ wieder öffnen dürfen.

„Ich bin kein Corona-Leugner“, stellt Hallervorden aus der Schalte klar. Wer jetzt Hetze erwarte, solle abschalten. Hallervorden wies aber auf eine Unverhältnismäßigkeit hin, die in seinen Augen herrsche: Kultur sei ein Grundrecht, genau wie Religion.

Hallervorden bei „maischberger“: „Wollen die das Geld drucken, oder was?!“

Die Unterstützung vom Staat sieht er skeptisch. Für sein Kabarett die „Wühlmäuse“ habe er 85.000 Euro erhalten - das sei aber wenig für einen Theaterbetrieb. Ihm sei schleierhaft, woher das Geld in Zukunft kommen soll: „Wollen die das drucken, oder was?!“

Am Schluss der Sendung gibt es noch einen kurzen Ausblick zum Thema Impfstoff. Die Zwischenanalyse sei gut, analysiert Christina Berndt, laut der Studie mit 40.000 Probanden gebe es keine wesentlichen Nebenwirkungen und 90 Prozent der Geimpften seien geschützt gewesen. Aber: „Es wird noch Monate dauern, bis der Impfstoff einsatzbereit ist.“ Und es müsse geklärt werden, wer geimpft werden darf - für alle werde es nicht reichen.

Hallervorden - selbst aufgrund seines Alters Risikopatient - würde sich impfen lassen. Angst hat er - ungeimpft - aber auch keine: „Ich habe den zweiten Weltkrieg überstanden und diese Pandemie wird auch schadlos an mir vorbei gehen.“

Fazit:

Viel Zündstoff hatte „maischberger. die Woche“ am Mittwoch nicht zu bieten. Es war eher eine ruhige und sachliche Aufarbeitung der Ereignisse der vergangenen Woche. Daran konnte auch der ansonsten recht streitlustige Nikolaus Blome nichts ändern. Aufkeimende Auseinandersetzungen wurden von Sandra Maischberger galant wegmoderiert. Nur als Hallervorden die dramatische Lage seiner Zunft noch einmal erläuterte, wurde es emotional. Sein Appell, sich der Wichtigkeit der Kunst bewusst zu werden, ging unter die Haut.

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD / maischberger. die woche

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