Union-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist am 2. Juni 2021 zu Gast bei „Maischberger“.
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Union-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist am 2. Juni 2021 zu Gast bei „Maischberger“.

ARD-Sendung zu Werteunion

Maischberger legt sich mit Laschet an: „Zu weich“? Beim Thema AfD platzt CDU-Chef der Kragen - „Dämlichkeit“

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Sandra Maischberger bohrt bei Armin Laschet vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ordentlich nach. Dann wird das Gespräch immer angespannter.

Berlin - Bei „Maischberger“ legte die Moderatorin Armin Laschet die Daumenschrauben an: Der Union-Kanzlerkandidat sollte sich vor der anstehenden Landtagswahl in Sachen-Anhalt zum kochenden Streit um die konservative Werteunion positionieren. Brisant ist das Thema durch den neu gewählten AfD-nahen Werteunions-Chef Max Otte. Der Druck auf Laschet ist groß und Sandra Maischberger will es an dem Abend genau wissen: Wo verläuft in Sachsen-Anhalt die Außengrenze zwischen CDU und der rechtspopulistischen Partei AfD?

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil fand dazu bereits vor der Sendung deutliche Worte in Richtung Laschet: „Herr Laschet ist zu schwach, um die Rechtsverschiebung der CDU aufzuhalten.“ Dies sei kein gutes Signal vor der Sachsen-Anhalt-Wahl, „vor der immer mehr Kräfte in der Landes-CDU für eine Zusammenarbeit mit der AfD werben“. Und auch die bei Maischberger anwesende taz-Journalistin und Autorin Ulrike Herrmann hat zur politischen Ausrichtung der Werteunion eine klare Meinung: „Das ist faktisch jetzt ein AfD-Verein, auch wenn die alle behaupten, wir sind CDU-Mitglieder und finden es wichtig, dass die CDU einen konservativen Flügel hat.“ Die CDU müsse sich klar von der Werteunion abgrenzen.

„Maischberger. Die Woche“ auf ARD: Moderatorin hakt bei Union-Kanzlerkandidat Armin Laschet nach

Beim Einzel-Interview fühlt die Moderatorin Laschet mit einem „Stimmt – Stimmt nicht“-Spiel aufs Zahnfleisch. „Zu weich, zu liberal, zu rheinisch“, haut Maischberger raus, Laschet befindet: „Drei gute Qualitäten. Rheinisch ist gut, liberal ist gut ...“ Dann schreitet auch schon Maischberger ein. Aber auch weich?, fragt die Moderatorin direkt nach. „Weich ist nicht gut“, wiegelt Laschet eilig ab. „Dieses Klischee haben, glaube ich, einige in den letzten Wochen gelernt, dass es falsch ist.“

Dann geht es auch schon zum eigentlich heißen Eisen des Abends über. „Herr Laschet ist zu schwach, die Rechtsverschiebung in der CDU aufzuhalten“, setzt Maischberger das Skalpell an. Erster Schnitt, und der sitzt. Laschet reagiert energisch: „Das glaube ich nicht. Die wird aufgehalten, Die wird’s nicht geben.“ Und fügt hinzu: „Ich glaube, dass die CDU immer stark war, wenn sie wirklich alle Strömungen hatte. christlich-soziale, konservative und liberale.“ An der „Achse“ selbst, das habe seine Wahl auf dem Bundesparteitag gezeigt, werde nichts verschoben.

Neuer Werteunions-Chef Max Otte: Armin Laschet zwischen Freiheit des „Unsinns“ und „Dämlichkeit“-Argument

Maischberger setzt zum zweiten Schnitt an, um zur Position Armin Laschets durchzudringen: Es geht um Werteunions-Chef Otte, höchst umstritten und ein Dorn im Fleisch der CDU. „Die Werteunion ist eine Vereinigung, die sich gründet außerhalb der CDU, institutionell, organisatorisch nicht mit der CDU verbunden“, stellt der Kanzlerkandidat klar. „Und Wenn ein CDU-Mitglied da die Hand der AfD reichen würde, wäre das ein Grund, ihn aus der CDU zu entfernen!“ Für Maischberger ein gutes Stichwort: „Sie haben bezüglich Herr Otte gesagt, wenn er die Linie überschreitet, kann er nicht in der CDU bleiben. Dann wollen wir doch mal sehen, wo Ihre Linie ist“, so die Talkmeisterin. Und kramt eine Szene von einer Querdenker-Demo im April 2021 hervor, auf der Otte vor einer Diktatur warnt. „Eine solche Aussage ist Unsinn, und Unsinn ist kein Parteiausschlussgrund“, so Laschet und erinnert an SPD-Schreck Sarrazin.

Doch Maischberger hat noch mehr in der Hinterhand. Weiter geht es zu einem polarisierenden Tweet Ottes, den er nach der Ermordung des Kasseler CDU-Regierungspräsidenten Walter Lübcke absetzte. „Es sieht alles so aus, dass der Mörder ein minderbemittelter Einzeltäter war, aber die Medien hetzen schon jetzt gegen die ‚rechte Szene‘“, tweetete der neue Werteunions-Chef damals. Rote Linie überschritten?, will Maischberger wissen. Laschet versucht zunächst, die Situation zu entkräften: „ist Jahre her..:“, „hat er ja gelöscht...“; doch die Moderatorin lässt ihn nicht davonkommen. Der CDU-Politiker wirkt genervt und lenkt ein: „Es ist ein Tweet, der zu schnell mit zu wenig Verstand geschrieben worden ist und der deshalb zu Recht gelöscht worden ist.“

„Maischberger“ auf ZDF - Laschet platzt bei Werteunion-Debatte heraus: „Es ist eine Dämlichkeit“

Doch vorbei ist die brenzlige Situation damit nicht. „Sie sehen darin keine rechte Gesinnung, die Sie stören könnte?“, geht es bei „Maischberger“ weiter. „Es ist eine Dämlichkeit“, platzt Laschet heraus. Die Journalistin hakt nach, es gebe ja auch „rechte Dämlichkeiten“. Der dritte Schnitt mit dem Skalpell, der CDU-Politiker reagiert: „Ich kenne in Nordrhein-Westfalen persönlich kein einziges Mitglied der Werte-Union. Auch die Konservativen bei uns wollen mit dieser Truppe nix zu tun haben! Insofern finde ich es überbewertet. Aber wir können gerne die Sendung über die Werteunion machen!“, stichelt Laschet gegen Maischberger und deklariert die Werteunion zu „dieser Truppe“, mit der man ja eigentlich gar nichts zu tun habe - und die bundespolitisch keine Rolle spiele. Maischberger führt jedoch „4000 CDU-Mitglieder“ an, die Teil der Werteunion seien. Da poltert der CDU-Parteivorsitzende „Sie glauben der Werte-Union, das ist der Unterschied zwischen uns beiden.“

Doch warum habe dann Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Friedrich Merz ein Grußwort einst an die Werteunion gerichtet, macht Maischberger unermüdlich weiter. Laschet verweist erst einmal, wie zuvor bei dem Tweet Ottes, auf die zeitliche Dimension: „Das ist drei, vier Jahre her“, gibt er sich scheinbar genervt. „Sie werden Jens Spahn und Friedrich Merz jetzt nicht auch noch zu Rechtsradikalen erklären.“ Und schiebt hinterher: „Heute würde kein Friedrich Merz und kein Jens Spahn ein Grußwort an diese Gruppe schicken!“

Angespanntes Gespräch zwischen Laschet und Maischberger auf ARD - AfD Problem aller Demokrat:innen

„Wieviel Prozent darf die AfD haben, damit Sie zufrieden sind“, fragt Maischberger in der Debatte um die Abgrenzung zur AfD in Sachsen-Anhalt Armin Laschet. „Das ist nett formuliert. Als wäre die Frage, ob die AfD auf Platz 1 oder auf Platz 2 (bei der anstehenden Sachsen-Anhalt-Wahl) liegt, mein Problem, oder das Problem der CDU.“ , reagiert Laschet unwirsch. Das sei vielmehr ein Problem für die Demokratie in Deutschland. Die Moderatorin, die zuvor stets lächelnd auf die Reaktionen des CDU-Chefs reagierte, muss zum ersten Mal hörbar ausatmen. „Ufff“, kommt es von ihr.

„Ich bin zufrieden, wenn Reiner Haseloff Ministerpräsident wird und wir auf Platz eins liegen“, sagt Laschet weiter. „Ich wäre im Interesse der Demokratie froh, wenn auch Sie zufrieden wären, wenn die AfD nicht auf Platz 1 liegt!“, holt er zur Spitze gegen die ARD-Moderatorin aus. „Ich habe das überhaupt nicht zu beurteilen“, führt Maischberger an, „weil, ich bin kein kämpfender Wahlkämpfer in Sachsen-Anhalt und ich bin nicht Teil der CDU.“ Ein angespanntes Gespräch zwischen Union-Kanzlerkandidat Armin Laschet und Sandra Maischberger, dass schlussendlich in Argumenten endete, bei denen die Moderatorin nur noch schnaufen konnte. (aka)

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