Maischberger-Talk

Lauterbach mit düsterer Corona-Prognose bei „Maischberger“ – die macht ihm heftige Vorwürfe

Welche Risiken und Maßnahmen kommen auf uns zu? Maischberger fühlt bei Karl Lauterbach vor – und ihm wegen falscher Prognosen auf den Zahn.

Beim Maischberger-Talk geht es neben Bahnstreit und der Lage in Afghanistan vor allem um die aktuelle Corona-Lage. Klar ist nach der aktuellen Bund-Länder-Konferenz bislang nur: Ab 11. Oktober sind die Bürgertestungen nicht mehr umsonst.

Aber werden Geimpfte in Zukunft mehr Rechte bekommen als Ungeimpfte? Welche Rolle soll künftig der Inzidenzwert bei der Bewertung der Corona-Lage spielen? Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kann im Gespräch mit Sandra Maischberger einiges aufklären. Doch dann kommt die Moderatorin überraschend mit ein paar kritischen Fragen zu seiner Person und Lauterbach ins Stottern.

Doch zunächst geht es in der Sendung wieder um die Verlierer und Gewinner der Woche. Erster Diskussionspunkt ist der aktuelle Bahnstreit. Die leitende RND-Redakteurin Kristina Dunz befindet: Der Machtkampf zwischen der kleineren Gewerkschaft GDL, die nun streikt, und der großen EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft), käme zum falschen Zeitpunkt. Der geforderte Corona-Zuschlag sei allerdings prinzipiell gerechtfertigt, erklärt Dunz. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Bahn-Manager ihre Boni trotz Krise und Umsatzverlust der DB ausgezahlt bekommen hätten.

Chernos Jobatay kommentiert dagegen lakonisch: „Mir ist schon klar, man kann eine Eisdiele nicht im Winter bestreiken, aber hallo, wir haben Corona!“. Die vollbesetzten Züge seien nicht das richtige Bild, das nun vermittelt werde.

Bild-Vize-Chef prognostiziert bei Maischberger neue Flüchtlingswelle aus Afghanistan

Der stellvertretende Chef-Redakteur der Bild-Zeitung, Paul Ronzheimer, kritisiert den übereilt wirkenden Bundeswehr-Rückzug aus Afghanistan. Und das fehlende Sicherheitskonzept für inländische Mitarbeiter, die nun beim Vorrücken der Taliban in Lebensgefahr geraten würden. Für Ronzheimer wiederholen sich aktuell die Fehler der Flüchtlingskrise von 2015, als sich die Staatengemeinschaft aus den Konflikten in Syrien raushielt: „Möglicherweise erleben wir in diesem Moment, dass eine neue Flüchtlingswelle beginnt.“

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Karl Lauterbach (SPD) - Gesundheitspolitiker
  • Janine Wissler (Die Linke) - Vize-Parteivorsitzende
  • Christian Lindner (FDP) - Parteivorsitzender

Im Experten-Team: 

  • Cherno Jobatey - TV-Moderator
  • Kristina Dunz - stellv. Leiterin im Parlamentsbüro RND
  • Paul Ronzheimer - stellv. Bild-Chefredakteur

Maischberger leitet über zum nächsten Thema: Corona. Sie fragt in Bezug auf die Beschlüsse der Kanzlerin mit den Länderchefs in die Runde: „Hat irgendjemand verstanden, was nun auf uns zukommen wird?“,

Für Journalistin Kristina Dunz ist die Entscheidung eine deutliche „Vorwarnung für Ungeimpfte“. Noch gilt der Test als Alternative zu den anderen beiden Nachweisen, Impfung und Genesung, doch das werde nicht bestehen bleiben, prognostiziert Dunz. Paul Ronzheimer macht das wütend. Er rüffelt die „Impfpflicht durch die Hintertür“ und echauffiert sich: „Ich finde es ein Riesenproblem, wie mit den Bürgern umgegangen wird, wie mit uns gesprochen wird.“

Lauterbach stellt im Maischberger-Talk klar: Es wird keine Herdenimmunität mehr geben

Kalt Lauterbach soll nun Klarheit schaffen. Der SPD-Gesundheitsexperte verteidigt ein Festhalten am Inzidenzwert als einzig verwertbares Instrumentarium für die Politik. Die aktuellen Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz bewertet Lauterbach als „gute Beschlüsse“ und gibt zunächst Entwarnung: die derzeitigen dramatischen Prognosen des Robert-Koch-Instituts halte er für überzogen. Er sehe aber die 2G- statt der 3G-Regel für Innenraumveranstaltungen im Winter für wahrscheinlich an. 2G hieße „geimpft“ oder „genesen“, „getestet“ reiche dann nicht mehr aus.

Und dann überrascht Lauterbach mit einer neuen Hiobs-Botschaft: „Die Delta-Variante ist so ansteckend, dass wir niemals eine Herdenimmunität erreichen werden“, so der Gesundheitsexperte. Die neue Virus-Entwicklung habe das Ansteckrisiko im Vergleich zur Alpha-Variante vertausendfacht, so der Experte.

Konkret bedeute dies: „Derjenige, der geimpft ist und sich angesteckt hat, ist genauso gefährlich wie ein Ungeimpfter.“ Lauterbach macht es noch dramatischer: In den nächsten anderthalb Jahren werde es nur noch zwei Gruppen geben: Die Genesenen und Geimpften - alle anderen werden sich infizieren. Zudem komme, dass der Impfschutz im Laufe der Zeit nachlasse.

Lauterbach wird von Maischberger streng kritisiert: Sie machen den Leuten Angst!

Maischberger dankt dem Gesundheitsexperten Lauterbach - und nimmt sich dann den Politiker Lauterbach zur Brust, der in der kommenden Bundestagswahl erneut kandidiert. Er habe oft Falschaussagen gemacht, diese dann nicht ausreichend wieder richtiggestellt, befindet die Moderatorin und nennt zwei Beispiele: Unter anderem habe Lauterbach das Durchschnittsalter der Intensivpatienten mit 48 Jahren weit unter dem tatsächlichen Wert angegeben und behauptet, ein Prozent aller Kinder würde an Covid-19 erkranken. Maischberger streng: „Sie sind auch Politiker, wenn sie sich irren, fällt das ins Gewicht.“

Lauterbach erklärt, dass er vieles im Nachgang wieder klarstellen würde. Maischberger lässt das nicht gelten: „Aber bis Sie das klarstellen, haben die Leute Angst.“ Und fragt nach: „Kann es sein, dass sie zu viel twittern? Zu vorschnell sind?“ Lauterbach will das nicht gelten lassen: „Ich lese viele Studien“, erklärt er, aber nicht alle würden sich im Nachgang als richtig erweisen. Im Fall des Altersdurchschnitt auf der Intensivstation kommt Lauterbach bei der Erklärung ins Stottern, gibt zu, bei den Zahlen hätte es sich um vorschnelle Schätzungen gehandelt.

Ob er warne, damit wir alle Angst bekommen und vorsichtiger sind, will Maischberger noch wissen. Aber da wiegelt Lauterbach deutlich ab: „Nein, sowas machen wir nicht!“ Maischberger resümiert: „Ich halte fest: Nicht alles was sie sagen, ist in Stein gemeißelt.“

Linken-Vize-Chefin Wissler will in Deutschland „demokratischen Sozialismus“ einführen

Im dritten Teil der Maischberger-Sendung geht es um Wahlkampf. Zum ersten Debatten-Duell vor der Bundestagswahl treten bei Maischberger Linke-Vize-Chefin Janine Wissler und FDP-Chef Christian Linder zum Schlagabtausch an.

Keiner der beiden macht einen Hehl aus der Abneigung gegenüber dem politischen Kontrahenten. Maischberger fragt spitz: „Könnten Sie sich eine gemeinsame Koalition vorstellen?“ Lindner sagt klar: „Nein“. Wissler verpackt die Abfuhr mit Wortwitz: „In diesem Leben wohl nicht“.

Maischberger klopft mit einem Fragenkatalog Grundsatzfragen ab. Lindner ist für kostenlose Corona-Tests, gegen das Gendern von Gesetzestexten, für mehr Wohnungsbau durch vereinfachte Bauverfahren und für Steuererleichterungen für den Mittelstand, aber für Steuererhöhung vor allem bei den großen Digital-Konzernen.

Wissler outet sich als „demokratische Sozialistin“ und lässt offen, was sie sich genau darunter vorstellt. Die Linken-Vize befürwortet dagegen das grundsätzliche Gendern, ist für die Abschaffung des Verfassungsschutzes und die Enteignung von Immobilienkonzernen. Außerdem strebt sie die „friedliche Revolution“ an, da „der Reichtum auf dieser Welt ungerecht verteilt“ sei. Steuerentlastungen soll es für alle unter einem Monatsgehalt von 6500 Euro geben, außerdem soll die Vermögenssteuer wieder eingeführt werden. 

Fazit des „maischberger. die woche“-Talks

Rasanter Talk. Vor allem die Experten-Runde, allen voran Bild-Vize Paul Ronzheimer, wirkte aufgeregt. Er fiel vor allem der Kollegin immer wieder ins Wort, argumentierte oft mehr „gefühlt“ als faktenorientiert. Zivilisiert stritten dagegen Wissler und Lindner und gaben Einblick in ihre unterschiedlichen Standpunkte. Im Interview mit Karl Lauterbach konfrontierte Sandra Maischberger den Gesundheitsexperten mit sachlicher Kritik, die angemessen wirkte.

Rubriklistenbild: © ARD/maischberger DIE WOCHE

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