Sandra Maischberger führt durch die Sendung
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Sandra Maischberger führt durch die Sendung

„Maischberger“

Lauterbachs schlimmes Szenario: „Kann sein, dass wir Mutationen haben, gegen die wir nicht mehr impfen können“

Die Umfragewerte sinken rapide. Der lange Lockdown scheint die Inzidenzwerte nicht ausreichend einzudämmen. Die Politik scheint ratlos. Was tun? 

  • Thema bei „maischberger. die woche“ erneut Corona: Verfolgt die Politik die richtige Strategie? Wie lange sind die Einschränkungen noch zumutbar?
  • Karl Lauterbach warnt vor Corona-Mutationen: „Damit hat niemand gerechnet.“
  • Habeck zu den Vorwürfen, seine Partei ginge auf Kuschelkurs zu Bundeskanzlerin Angela Merkel - das ist „blödsinnig“.

München - Claus Strunz ist bei „maischberger. die woche“ im Ersten mit harter Kanzlerin-Kritik kaum zu bremsen. Die Regierung suche derzeit ständig Sündenböcke, regt Strunz sich auf und führt aus: „Feierabend Biertrinker“ und „Strickgruppen“, „Skifahrer“ oder die „jungen Leute“. Das seien „Alles Sündenböcke, die davon ablenken, dass ja eigentlich einer in der Verantwortung steht: die Regierung“.

Der „Bild“-Journalist hinterfragt die Regierungsstrategie und spricht angesichts der aktuell sinkenden Umfragewerte (54 Prozent sind laut dimap unzufrieden) damit vermutlich manchem Deutschen aus der Seele: „Mir kommt die Politik so vor, als hätte man drei, vier Geisterfahrer und sperrt das gesamte Straßennetz in Deutschland“, sagt Strunz und singt das Mantra fehlender Schutzkonzepte für vulnerable Gruppen. Strunz: Statt ständig die „Dosis des Medikaments Lockdowns“ zu erhöhen, „könnte man ja auch irgendwann mal fragen, ob es das richtige Medikament ist“.

Die Kollegin vom öffentlich-rechtlichen Programm, Eva Schulz, wendet ein, dass Merkel ja oft das Richtige wollte, aber bei der Umsetzung in den Bund-Ländern-Konferenzen, gescheitert sei und sie „wenig zu sagen“ habe. Strunz lacht auf: „Das wird sie nicht gern hören. Die Kanzlerin, die wenig zu sagen hat.“

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) - Abgeordneter des Bundestages
  • Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) - Parteivorsitzender
  • Prof. Dr. Hendrik Streeck - Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn
  • Claus Strunz - Mitglied der „Bild“-Chefredaktion
  • Eva Schulz - Journalistin beim öffentlich-rechtlichen Social-Media-Kanal „funk“
  • Cherno Jobatey - Fernsehmoderator und Autor bei „Focus Online„

Lauterbach warnt bei Maischberger vor impfresistenten Corona-Mutationen

Soviel zur Suche nach einem Sündenbock - die Strunz einleitend selbst noch kritisiert hatte. Maischberger leitet über zu ihrem explosivsten Gesprächsduett - Lauterbach vs. Streeck - die Virologen sind seit der Corona-Krise wegen kontroverser Meinungen in den Schlagzeilen. Vor allem Streeck bekam in den letzten Wochen unter dem Hashtag #sterbenmitstreeck ordentlich sein Fett weg. Bei den Studio-Gästen schien eher Lauterbach den schlechteren Stand zu haben, sorgte mehrfach unfreiwillig für höhnische Lacher.

Maischberger steigt mit einem Rückblick auf die aktuelle Lage ins Gespräch ein. Zu Wort kommt ein dritter Star-Virologe: Christian Drosten hatte am vergangenen Freitag vor bis zu 100.000 Infizierten pro Tag im Sommer gewarnt. Lauterbach gibt dem Horrorszenario Futter und setzt noch einen drauf: „Es kann eine neue Pandemie mit den aktuellen Mutanten aus England, Südafrika oder Brasilien geben.“ Ansteckender als das derzeit vorherrschende Coronavirus - und resistenter. Lauterbach erklärt: „Das Virus lernt besser, sich auszubreiten. Und damit war bisher nicht gerechnet worden.“ Und weiter: „Es kann sein, dass wir zum Schluss Mutationen haben, gegen die wir nicht mehr impfen können.“

Bei Maischberger treffen Lauterbach und Streeck zum Streitgespräch zusammen

Virologe Streeck hält dagegen, das Mutationen bei Viren absolut gängig seien: „Das ist evolution in the making, Charles Darwin wäre in höchster Freude.“ Und sei auch bei Corona absolut zu erwarten gewesen. Wünschenswert wäre es aber jetzt, so Streeck weiter, „statt mit dem Hammer mit dem Skalpell zu arbeiten“ und fordert mehr Untersuchungen über die Ausbreitung ein. Streeck: „Ich glaube, man kann gut mit dem Virus umgehen, wenn man vorsichtig ist.“ In seinem Institut hätte sich - trotz der Arbeit mit Erregern - noch nicht ein Mitarbeiter infiziert.

An welchem Punkt das Gesundheitssystem an seine Grenzen stoße, sei noch zu wenig erforscht, so Streeck. Der SPD-Gesundheitsexperte widerspricht: „1,1 Prozent der Infizierten sterben, 1000 pro Tag. Da ist mir ehrlich gesagt egal, wie viele Intensivbetten wir haben.“ Warum die Unterstützung für den Regierungskurs derzeit in der Bevölkerung abnehme, will Maischberger von Lauterbach wissen. Der schiebt den „Schwarzen Peter“ der EU-Kommission und dem vermasselten Einkauf von Impfstoffen zu. Und formuliert einen Satz, den Strunz anschließend zum Zitat des Abends kürt: „Die EU hat moralisch Recht, und AstraZeneca hat rechtlich Recht.“ Strunz: „Das sagt alles.“

Habeck-Kritik bei „maischberger. die woche“ wegen Kuschelkurs mit der Kanzlerin

Wechsel zu Habeck. Der soll sich wegen des Vorwurfs rechtfertigen, die Grünen würden auf Kuschelkurs zur CDU gehen. Als quasi Test, dass dem nicht so ist, soll Habeck - nach Aussagen zu Trump, Xi und Johnson - doch jetzt auch mal was über Merkel sagen. Habeck antwortet brav: „Frau Merkel versucht die Fäden in der Hand zu halten und würde sich wünschen, der Föderalismus würde besser funktionieren.“ Kritik sieht anders aus. Habeck kontert: Nur aus Prinzip „hott“ zu sagen, wenn die Regierung „hü“ sagt, sei „blödsinnig“, so Habeck, „darauf habe ich keinen Bock“.

Die Bedrohung sieht Habeck derzeit woanders: Emanzipation und Progress - „der Fortschritt“ - würden die Menschen überfordern und sogar für Hass sorgen. „Das ist ein Dilemma“, so Habeck und er prognostiziert: „Wir werden eine zweigeteilte Gesellschaft haben.“ Er warnt: „Wir müssen erkennen, dass wir in einer Zeit des Fundamentalismus leben.“ Es sei an der Zeit, die Gesellschaft neu zu denken. Habeck: „Nicht nur reparieren, sondern neu machen.“ Wie das gehen soll, lässt er offen …

Fazit des Maischberger-Talks

Dieser Talk hätte eine „Trigger“-Warnung zu Beginn verdient. Eine schlechte Nachricht folgte auf die nächste. Ratlose Regierung, eine Lockdown-Strategie die sich als wirkungslos erweist, fehlender Impfstoff, massiv ansteigende Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft und dann noch die Virus-Mutationen, gegen die jede Impfung machtlos ist. Es sieht düster aus an der Corona-Front. Gelacht wurde zwischendurch dennoch - wenn auch, wie es schien, als Methode gegen die Anspannung. (Bernd Pipo)

In Deutschland deutet sich die Verlängerung des Corona-Lockdowns trotz sinkender Covid-19-Fallzahlen an. In einer Kita in Baden-Württemberg kommt es zu einem Ausbruch der Mutation. Der News-Ticker.

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