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Unangenehme Szene in der ARD: Maischberger-Gast lästert über Söder und merkt nicht, dass der anwesend ist 

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„Maischberger“: Beißenherz lästert über Söder und merkt nicht, dass der anwesend ist 
„Maischberger“: Beisenherz lästert über Söder und merkt nicht, dass der anwesend ist.  © Screenshot ARD-Mediathek

Maischberger rückt Söder im Interview mit Fragen zu Corona und Laschet auf den Pelz. Und Beisenherz ledert gegen den CSU-Chef.

Nachdem Armin Laschet in der Talk-Sendung „Maischberger. Die Woche“ zu Gast war und offen seine Enttäuschung über das Verhalten von Markus Söder zur Sprache brachte, bekam nun Markus Söder die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge klarzustellen.

Laschet hatte Anfang Oktober bei Maischberger über seine Anrufe und Bitten an Söder berichtet: „Markus, lass es!“ Nun kam der Konter prompt von Söder: Es sei „eine Stilfrage“ aus „vertraulichen Telefonaten“ Dinge öffentlich auszuplaudern, spielt Söder im Polit-Talk im Ersten den Ball zurück. Der bayerische Ministerpräsident stellt noch einmal klar, wo für ihn das Kernproblem bestand: Nicht die Seitenhiebe sondern die „Kandidatenentscheidung“ hätte sowohl „in der Bevölkerung und vor allem an der Basis der CDU“ zu „großer Verunsicherung“ geführt.

Dass er die Union im Stich gelassen habe, wie Maischberger Söder vorwirft, lässt der CSU-Chef nicht gelten. Die Kampagne gegen den „Linksrutsch“ habe man gemeinsam gemacht - und damit noch größeren Schaden von der CDU abgewendet. Söder erklärt abschließend: „Auch wenn Armin Laschet und ich jeden Tag geschunkelt hätten“ habe er „das Gefühl“, dass ein „Großteil der Deutschen“ bereit „für eine andere Option und eine andere Idee“ gewesen sei, sprich den politischen Wechsel.

Die Stimmung der Studiogäste ist gegenüber Söder distanzierter als bei Armin Laschet

Die Stimmung im Studio ist deutlich distanzierter als beim wohlwollenden Talk mit Laschet: Statt einem freundlichem Entree, wie beim gescheiterten CDU-Kanzlerkandidaten, erklärt Experten-Gast Micky Beisenherz Söder wegen der steigenden Corona-Zahlen im Freistaat zum „Verlierer der Woche“ und lässt ordentlich vom Leder. Weil ein „Söder nicht versagen kann“, so der Kommentator, hieße es aus München schlichtweg: „Die ganzen Wissenschaftler haben‘s alle net kommen sehn.“ Dafür räche sich nun das „Anti-Armin-Laschet-Boostern“, so Beisenherz schadenfroh, weil Söder demnächst Erzfeind „Friedrich Merz die Stirn als CDU-Parteivorsitzender“ bieten werde. 

„Sie wissen, dass uns Markus Söder schon zugeschaltet ist?!“, bremst die Talkmasterin den Experten aus und schaltet nach München, doch Söder wischt den Kommentator gekonnt mit einem Nebensatz zur Seite: „Er mag mich ja“, behauptet der CSU-Chef in Richtung Beisenherz und setzt dann streng hinzu: Die Lage sei viel zu „ernst“ als darüber Witze zu machen.

„Maischberger. Die Woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

Als Experten: 

Doch jetzt ist Maischberger an der Reihe und die fühlt Söder auf den Zahn. Sie zählt die Untätigkeiten in Bayern auf, wirft Söder die höchsten Inzidenzen Deutschlands in dessen Landkreisen vor die Füße.

Söder wettert gegen Impfverweigerer und wirft „Reichsbürger“ und „Esoteriker“ in einen Topf

Söder weicht aus und verweist auf andere. Schuldiger Nr. 1: „Unser Freund Jens Spahn“. Der habe als „Chef der gesamten Behörden im Gesundheitsbereich“ doch als erster das „Ende der epidemischen Lage ausgerufen“. Zweiter Schuldiger: AfD-treue „Impfgegner“, „Reichsbürger“, „Querdenker“ und „Esoteriker“, die sich den Corona-Vakzinen prinzipiell verweigern. Söder betont: niedrige Impfquoten und hohe Inzidenzen hingen „natürlich zusammen“.

Söder-Schuldiger Nr. 3: die Stiko. Fakt sei, die „Impfdurchbrüche sind unterschätzt worden“, so der CSU-Mann und weist daraufhin, dass die Impfkommission das Boostern noch im Spätsommer nur in Altenheimen bei Personen über 70 empfohlen habe.

Markus Söder spricht sich bei Maischberger für einen Lockdown für Ungeimpfte aus

Maischberger hat den Beifall auf ihrer Seite, als sie Söder den Spiegel vorhält: „Franz Beckenbauer konnte aus jeder Niederlage einen Sieg machen. Bei Ihnen ist das ähnlich: Sie machen nie was falsch, es waren immer die anderen!“ Söder bellt zurück: „Ich habe nicht gesagt, dass wir alles richtig gemacht haben, aber Sie haben gesagt, wir machen alles falsch!“

Maischberger wendet sich nun den Fakten zu, klopft bei Söder ab, was in Bayern auf die Menschen zukommen wird. Lockdown für Ungeimpfte? Söder ist dafür: „Kontaktbeschränkungen sind die einzige Möglichkeit, die wir derzeit haben!“. Impfpflicht? Söder - der zunächst den Mangel an einer Impfpflicht kritisiert - spricht sich dann doch für eine „partielle Impfpflicht“ - sprich für das Gesundheitswesen und in Schulen und Kitas - aus. Weihnachtsmarkt und Stadion-Events? Söder: „Weihnachtsmarkt - wenn nur mit Maske und ohne Alkohol.“ Im Stadion müsse es „Obergrenzen“ geben, für Besucher und Spieler solle 2G gelten. 3G am Arbeitsplatz? Söder: „Ja. Bei Verweigerung Homeoffice“.

Schlagersänger Roland Kaiser berichtet bei Maischberger über seine Jugend als Waise in Armut

Zum Ende spricht Roland Kaiser aus, was viele schon lange ahnen: Im Schlager steckt sehr viel Ulk. Sein erster Hit „Santa Maria“ habe ursprünglich vom Kolumbus-Flaggschiff und der Entdeckung Amerikas gehandelt - doch der Produzent winkte ab: „Das mit dem Schiff kann nicht funktionieren…“ In einer Nacht habe Kaiser dann „übertrieben“ wie er konnte und seinen Hit in einer Nacht zur Schnulzen-Ballade umgedichtet. „Wieviel Alkohol hatten Sie dabei intus?“, will Maischberger wissen. „Eine Flasche Wein“, gibt der Schlagerstar spontan zu.

Fast schon andächtig lässt Maischberger ein Bild von 2002 einblenden: Der damalige SPD-Generalsekretär überreicht Roland Kaiser ein SPD-Parteibuch. Kaiser erzählt von seiner Kindheit in Armut. Sohn einer vermeintlichen Prostituierten, aufgewachsen bei einer einfachen Putzfrau, seiner Pflegemutter im Berliner Wedding: Einzimmer-Haushalt, Kohleofen, kein Bad. Kaiser ist dennoch dankbar: „Sie hat mich mit tollen Werten ausgestattet, sie hat mich geliebt.“ Als die Mutter starb, lebte Kaiser eine Zeitlang im Heim. Die SPD sei die „politische Heimat“ dieser Frau gewesen, so Kaiser und so sei seine Nähe zu den Sozialdemokraten gewachsen. Maischberger: „Welches Lied würden Sie zur Amtseinführung von Olaf Scholz singen?“ Kaiser mehrdeutig - mit den Lachern auf seiner Seite: „Warum hast Du nicht ‚Nein’ gesagt?“

Fazit des „Maischberger. Die Woche“-Talks

Straffes Söder-Update, das dem Ministerpräsidenten vermutlich trotz aller Kritik am Ende mehr Pluspunkte brachte als zu Beginn erwartet. Außerdem interessante Einblick in das Leben von Roland Kaiser, die den Schlagerbarden in einem ganz neuen Licht erschienen ließen. (Verena Schulemann)

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