Markus Söder zu Gast bei „Maischberger“ am 09. Juni 2021.
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Markus Söder zu Gast bei „Maischberger“ am 09. Juni 2021.

ARD-Talk zum Maskenskandal

Söder verteidigt Spahn bei „Maischberger” - und bringt Heil-Rücktritt ins Spiel

Olaf Scholz und Markus Söder diskutieren bei „maischberger. die woche” unter anderem den Maskenskandal um Jens Spahn.

„maischberger. die woche“ analysiert zum Einstieg in die Sendung das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt. Talkmasterin Sandra Maischberger stellt ihrer Kommentatorenrunde zu Beginn die Frage, ob Olaf Scholz (SPD) angesichts eines einstelligen Wahlergebnisses eine echte Chance auf die Kanzlerschaft habe. Die beiden Journalistinnen Melanie Amann und Dagmar Rosenfeld halten es für „unrealistisch“, der ehemalige Sportschau-Moderator Gerhard Delling meint: „Es gibt immer Szenarien.“

Sachsen-Anhalt sei Dank: Gute Stimmung in der Union, keine weiteren Spitzen von Söder Richtung Laschet

Wie ein solches aussehen könnte, skizziert Melanie Amann: „Es gibt zum Beispiel das Szenario, dass Frau Baerbock und die Grünen noch mal richtig abschmieren. (…) Dann kann Herr Scholz vielleicht noch durchstarten.“ Einig ist sich die Runde darin, dass der eindeutige Gewinner der Wahl der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ist. Delling findet es „erfrischend, dass da einer klare Ansagen macht und man ihm das auch so abnimmt“, Rosenfeld hält fest: „Laschet ist kein Hindernis gewesen.“

Der anschließend per Video aus München zugeschaltete Ministerpräsident Bayerns, Markus Söder (CSU), schließt sich dieser Einschätzung an: „Es ist so, dass Reiner Haseloff diese Wahl gewonnen hat. Genau wie Herr Delling das gesagt hat – mit einem sehr klaren Kurs. Er ist ja vor einem knappen halben Jahr ein sehr großes Risiko eingegangen, indem er klar Schiff gemacht hat in seiner Regierung, in seinem Landesverband, sogar seinen Landesvorsitzenden zum Rücktritt gedrängt hat, um eine Brandmauer gegen die AfD klar zu formulieren.“ Der Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt stärke die Position der gesamten Union: „Für die CDU, für Armin Laschet für uns alle gibt das Rückenwind.“

Jens Spahn im Kreuzfeuer der Kritik - Söder glaubt, „dass diese Vorwürfe so nicht stimmen“

Talkmasterin Maischberger möchte daraufhin wissen, weshalb Söder eine Juniorpartnerschaft mit den Grünen ausschließt, sollten diese die meisten Stimmen bei der Bundestagswahl erhalten. Dessen Sicht: „Ich glaube in dem Moment, wenn die Grünen klar vor der Union liegen, wäre das ein klares Signal eines grundlegenden politischen Wechsels. Und dann müsste sich die Union auch erneuern, das ist für mich selbstverständlich.“ Könnte es für die Union nach der Wahl also nach 16 Jahren in die Opposition gehen? „Es wird knapper als manche glauben“, schätzt Söder die Situation ein.

Als Maischberger Söder zum großen Aufreger der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verschickten, aber teilweise nicht geprüften Atemschutzmasken befragt, wird besonders deutlich, dass sich die Politiker des Landes derzeit im Wahlkampfmodus befinden – Söder: „Mein Eindruck ist, dass diese Vorwürfe so nicht stimmen.“ Und weiter: „Sollten die Vorwürfe nicht stimmen. Sollte also die SPD etwas gefordert und Hubertus Heil etwas gesagt haben, was möglicherweise nicht die Wahrheit ist, dann stellt sich die umgekehrte Frage. Dann müsste diskutiert werden, ob Hubertus Heil noch im Amt bleiben kann.“

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Olaf Scholz (SPD) - Politiker
  • Markus Söder (CSU) - Politiker
  • Prof. Hendrik Streeck – Virologe
  • Gerhard Delling – Sportmoderator
  • Dagmar Rosenfeld – Journalistin
  • Melanie Amann – Journalistin

Während auf der Bühne der Bundespolitik also die Köpfe der politischen Gegner gefordert werden, ist sich Melanie Amann vom Spiegel, der die Geschichte veröffentlicht hat, sicher: „Der Vorwurf unserer Geschichte steht nach wie vor. An dieser Geschichte halten wir fest.“ Schriftverkehr dokumentiere das Geschehen, am Ende habe Spahn die Masken in der nationalen Notfallreserve unterbringen und das Verfallsdatum abwarten wollen. Für Amann handelt es sich deswegen um einen Skandal, der beide Regierungsparteien betreffe: „Wenn die nächste Pandemie anrollt, haben wir eine angebliche Notreserve wo aber Masken liegen, die nicht ausreichend getestet wurden und die womöglich Mist sind.“

Olaf Scholz glaubt bei „maischberger. die woche“ an seine Kanzler-Chance: „Ich glaube, dass wir das gemeinsam schaffen können“

Anschließend findet sich der sozialdemokratische Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) im Studio ein und nutzt die rund 20 Minuten seiner Anwesenheit, um die Punkte und Botschaften vorzutragen, die er sich offenbar für die Sendung vorgenommen hat. Talkmasterin Maischberger kann ihren Frust über die vielen nicht beantworteten Fragen gegen Ende des Interviews nur schwer kaschieren. So erklärt Scholz, was die SPD während der letzten Regierungsjahre alles geleistet habe, von der Fleischindustrie über die Grundrente bis zu den Löhnen in der Altenpflege.

Beim Wirecard-Skandal weist der Finanzminister jede Verantwortung von sich, vielmehr habe er diesen zum Anlass genommen, Gesetzeslücken zu schließen: „Ich habe das Richtige getan in der Situation, wo dieser Skandal aufgekommen ist. Und ja, das ist eine ganz entschiedene Leistung, weil die meisten anderen hätten sich wahrscheinlich damit beschäftigt zu sagen: Lasst uns mal abwarten, wir gucken mal was passiert. Ich habe von vornherein mit aller Kraft alle Informationen gesammelt und mit großer Kraft dafür gesorgt, dass wir jetzt diese Reform beschließen können, auf die ich sehr stolz bin.“ Mit scharfer Kritik an Spahn hält Scholz sich indes zurück: „Hier ist Aufklärung notwendig und das ist der Punkt, an dem wir uns jetzt befinden.“

Impfungen, Hygienekonzepte, Maßnahmen testen: Virologe Streeck hat wenig Bedenken wegen Fans im Stadion

Der Virologe Prof. Hendrik Streeck äußert sich gegen Ende von „maischberger. die woche“ zur aktuellen Corona-Lage. Dass bei der anstehenden Fußball-Europameisterschaft 14.000 Fans ins Münchener Stadion dürfen, ist für ihn kein Problem: „Ich hatte schon im letzten Sommer dafür plädiert, dass wir Hygienekonzepte ausprobieren müssen, dass wir testen müssen, was funktioniert und was nicht funktioniert. Wir wissen schlicht und ergreifend nicht, ob solche Ideen, wie 14.000 Menschen im Stadion beim Fußballspiel zu haben, ob das zu einem Infektionsgeschehen beiträgt oder nicht. Und das Virus wird ja auch im Herbst und im nächsten Sommer nicht weg sein, sondern wir müssen ja lernen, was gute Konzepte sind, wie sie funktionieren. Und dafür bietet sich der Sommer an.“ Sein einziger Wunsch dabei: „Dass man so etwas auch wissenschaftlich begleitet.“

„maischberger. die woche“ - Das Fazit der Sendung

„maischberger. die woche“ steht am Mittwochabend im Zeichen des Bundestagswahlkampfs. Mit Markus Söder (CSU) und Olaf Scholz (SPD) sind auch zwei Schwergewichte der deutschen Politiklandschaft zu Gast – allerdings bleiben beide in ihren Interviews blass. Der Virologe Prof. Hendrik Streeck liefert außerdem seine Einschätzung zur Gefahr der sich aktuell in Europa ausweitenden Delta-Variante und versichert: „Die Impfstoffe wirken auch genauso gegen die Delta-Variante.“ Die Kommentatorenrunde freut sich zum Abschluss der Sendung auf die anstehende Fußball-EM – auch mit Zuschauern: „Es ist richtig, den Weg in die Normalität zu wagen“, meint etwa Dagmar Rosenfeld.

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