Liveschalte zu Bill Gates bei Maischberger
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Liveschalte zu Bill Gates bei Maischberger

ARD

„Scheinheilig“: Maischberger-Gast geht Bayern-Boss Rummenigge an - dann spricht Bill Gates zu Corona

Bei Sandra Maischberger wurden die aktuellen Lockdown-Kritiker in die Zange genommen. Bill Gates sprach über seine Flug-Routinen und „Corona-Leugner“.

München - Exklusiv bei „maischberger. die woche“ gibt Bill Gates ein Interview im Ersten. Anlass ist sein neues Buch „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“, das Möglichkeiten zur Rettung der Umwelt aufzeigt. Für viele ist Gates eine Jahrhundertpersönlichkeit, ein Mann, der es aus eigener Kraft in sehr jungen Jahren zum reichsten Mann des Planeten schaffte und die Welt mit seiner Software prägte. Doch „Corona-Leugner“ sehen in ihm einen Weltverschwörer - Maischberger spricht den Microsoft-Gründer auch darauf an.

Aber zunächst geht der Blick noch mal auf die „Verlierer der Woche“ - eine ständige Rubrik in der Sendung. Und von denen scheint es diese Woche einige zu geben - vor allem im Fußball: Nationalspieler Thomas Müller bekommt als erster sein Fett weg. Das Bild, wie er, infiziert mit Corona, aus einem Privatflieger steigt, der in von Katar nach München brachte, wird eingeblendet. Die landesweite Empörung war groß, doch Ulrich Reitz von ntv und bekennender Fußball-Fan sowie Stadiongänger begegnet dem lakonisch: Die „Branche der Ambulanzflieger“ verdiene daran schließlich gut.

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Bill Gates - Microsoft-Gründer, Milliardär und Stiftungsgründer, zugeschaltet
  • Michael Kretschmer (CDU) - Ministerpräsident von Sachsen
  • Pinar Atalay - ARD-Moderatorin
  • Ulrich Reitz - ntv-Wirtschaftschef
  • Constanze von Bullion - Parlamentskorrespondentin der Süddeutschen Zeitung

Maischberger-Gast nennt Rummenigges Imfpvorschlag „scheinheilig“

Als nächstes wird die „Wutrede“ des FC-Bayern-Trainers Hansi Flick eingespielt, der Karl Lauterbach auf einer Pressekonferenz einen „sogenannten Experten“ nennt. Reitz ist jetzt weniger gnädig: „Es hat überrascht, dass er so austeilt.“ Und: „Wäre er der CEO eines Konzerns, würden da sicherlich Rücktrittsforderungen laut.“

Auch Fußballikone und Vorstandsvorsitzender der FC Bayern AG, Karl-Heinz Rummenigge, bekommt eins auf die Mütze, weil er eine bevorzugte Impfung von Fußballern vorgeschlagen hatte, um damit das Image des Impfens bei der Bevölkerung zu verbessern. „Scheinheilig“, kommentiert SZ-Redakteurin Constanze von Bullion, „als würden die Fußballer sich jetzt opfern“.

Nicht leicht hat es auch der erste Gast bei „maischberger. die woche“. Der Ministerpräsident von Sachsen Michael Kretschmer hatte im Interview gesagt, einen Osterurlaub werde es in diesem Jahr nicht geben - stornierte Buchungen im ganzen Land waren die Folge. „Ist das, was ich gesagt habe, denn falsch?“, fragt Kretschmer und beruft sich auf die Meinungsfreiheit. Und später: „Wir sind in einer Zeit, wo nicht viele Zwischentöne zugelassen werden.“ Oft würde den Menschen die reine Wahrheit aus Angst vor der Reaktion nicht mehr gesagt werden. „Das führt dazu, dass in Ländern wie Tschechien keine politischen Entscheidungen mehr getroffen werden“, bewertet der Ministerpräsident die Situation im Nachbarland.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer wird von Maischberger „gegrillt“

Die Sympathie der Anwesenden kann der Ministerpräsident damit nicht gewinnen. Als Maischberger deutlich macht, die Ankündigung sei das falsche politische Signal gewesen, ringt sich Kretschmer schließlich eine Entschuldigung ab: „Mir tut das leid, wenn ich durch diese Äußerungen Menschen die Hoffnung genommen habe.“ Maischberger wirkt besänftigt und bedankt sich lächelnd beim Ministerpräsidenten für das Gespräch.

Nachdem Kretschmer von Maischberger „gegrillt“ wurde, raspelt die Moderatorin mit ihrem nächsten Gast geradezu Süßholz. Bill Gates wird, zugeschaltet aus Seattle, wärmstens begrüßt und Maischberger bereitet dem Exklusivgast eine Bühne zur Selbstdarstellung als Visionär, Corona-Warner, Kinder- und nun auch noch als Klimaretter.

Bill Gates kündigt eine neue, sicherere Atomenergietechnik an

Obwohl aufgezeichnet, fügt sich das Interview dann doch ganz gut in den aktuellen Anspruch der Sendung ein. Mit seinem Aufruf, zur Atomkraft zurückzukehren, um Energiesicherung und Klimaneutralität zu gewährleisten, hatte Gates die Tage für Schlagzeilen in Deutschland gesorgt - dem Land, das den Atomausstieg unter Angela Merkel beschlossen hat. 2022 soll das letzte Kernkraft hierzulande vom Netz gehen. Gates windet sich bei der Nachfrage von Maischberger, wie er das denn sehe. Die beiden kennen sich persönlich. Gates sagt dann aber doch, dass er den Atomausstieg bedaure und betont, dass die neue Technik, in die er investiert habe, eine neue, sehr viel sichere, schonendere sei als die herkömmliche. Der Multimilliardär: „Es gibt neue Konstruktionen, die nicht mehr in die Luft fliegen können.“ Er bitte darum, einen „offenen Geist zu bewahren“ und „offen zu bleiben gegenüber Konstruktionen, die ganz andere Sicherheitsstandards bieten als bisher“. Und macht damit natürlich neugierig.

Gegenüber Verschwörungstheorien ist Bill Gates ratlos

Doch jetzt wagt Maischberger auch bei Gates kritische Fragen: Wie er denn mit dem Widerspruch umgehe, sich für den Klimaschutz einzusetzen, aber dann ausschließlich im Privatjet zu reisen. Gates antwortet brav, dass er für „das Herunterfahren seines ökologischen Fußabdrucks“ zum einem ein Unternehmen gefördert habe, das CO2 aus der Luft holen könne und außerdem auf Biokraftstoff für seine Flugzeuge umgestiegen sei. Gates: „Der dreimal so viel kostet - das sind jetzt sieben Millionen Dollar zusätzlich im Jahr.“ Sieben Millionen um mit gutem Gewissen zu fliegen? In den Ohren vieler Menschen, die gerade vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, klingt das vermutlich wie Hohn. Was Gates Verschwörungstheoretikern entgegne, will Maischberger noch wissen. Gates nüchtern: „Einige sind so abgedreht, dass es schwer ist, sich zu fragen, wie man überhaupt darauf antworten soll.“

Zum Schluss noch mal die Frage aller Fragen: Wann haben wir die Pandemie überstanden? Gates ist sicher: „Die reichen Länder werden 2021 mit dem Impfen durch sein, in den ärmeren Regionen werde es ein Jahr länger dauern.“ Und fügt nachdenklich an, dass er sich darüber ärgere, das seine TED-Ansprache 2015 nicht überzeugender gewirkt habe – er hatte dort bereits vor einer Pandemie gewarnt und einen Maßnahmenkatalog vorgelegt. Gates: „Es ist wirklich traurig. Denn wenn die richtigen Schritte unternommen worden wären, dann hätten wir nur zehn Prozent der Todesfälle und des wirtschaftlichen Schadens, den wir jetzt haben.“

Fazit des „maischberger. die woche“-Talks

Ein Interview mit der Ausnahmepersönlichkeit Bill Gates ist immer ein TV-Highlight. Der Mann versteht es, das Neue verständlich zu machen. Ein wenig verzweifelt wirkte dagegen der Rest der Sendung, so viel Kritik und gleichzeitig so viel Sendezeit für etwas, das man eigentlich doof findet? Widersprüchlich oder auch unglaubwürdig.

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