Geständnis zu Nebeneinkünften

„Katastrophe“: Baerbock bekommt volle Breitseite - dann kitzelt Maischberger aus ihr die Wahrheit heraus

Maischberger hakt in ihrem Talk bei Baerbock zu den nachgemeldeten Nebeneinkünften nach. Aber auch zur Sicherheitspolitik und Habeck muss sie sich äußern.

Köln - Moderatorin Sandra Maischberger hat sich für ihren Talk im Ersten viel auf den Zettel gepackt: Zuerst nimmt sie die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ins politische Kreuzverhör. Dann lässt sie Karl Lauterbach als ewigen Corona-Mahner auf die resolute Stargeigerin Anne-Sophie Mutter treffen, die nicht mit herber Kritik an der Corona-Politik spart. Außerdem: düstere Prognosen zur Lage in Belarus und den ukrainischen Kriegsregionen.

Unternehmer wettert beim „Maischberger“-Talk gegen Baerbock: „Katastrophe“

Bevor Baerbock die Studio-Bühne betreten darf, gibt es ordentlich Grünen-Schelte von Investor und Gründer Frank Thelen. Nach „intensiver Auseinandersetzung“ mit dem Wahlprogramm der Grünen sei Thelen zu dem Schluss gekommen: „inkompetent“. Eine grüne Kanzlerin sei eine „Katastrophe“. Seine Kritik: „Es bräuchte vor allem neue Technologien und kompetente Antworten - also: Wie genau setzen wir das um?“ Zu der alles entscheidenden Frage, wie wir weiterhin mit viel Energie leben können, aber ohne Emissionen, fehle es bei den Grünen an klaren Konzepten. Thelen: „Wir wollen ja nicht zurück in die Höhle gehen.“ Eine „Verbotspartei“ sei keine Alternative.

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

Im Gespräch:

  • Annalena Baerbock (Grüne) - Kanzlerkandidatin
  • Karl Lauterbach (SPD) - Bundestagsabgeordneter
  • Anne-Sophie Mutter - Violinistin

In der Experten-Runde: 

  • Udo Lielischkies - ehemaliger Leiter des ARD-Studios in Moskau
  • Frank Thelen - Gründer und Investor
  • Cerstin Gammelin - Hauptstadt-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung

Nun ist das Wort bei Baerbock. Zunächst wirft Maischberger der Grünen-Politikerin die zu spät gemeldeten Nebeneinkünfte - in Höhe von 25.000 Euro - vor die Füße. Baerbock gibt sich einsichtig: „Das war ein blödes Versäumnis.“ Und: „Ich habe mich tierisch geärgert.“

Baerbock gibt bei Maischberger zu, sich das Weihnachtsgeld selbst genehmigt zu haben

Aber Maischberger reicht das nicht. Das Weihnachtsgeld habe der Bundesvorstand der Grünen beschlossen, zu dem auch Baerbock zähle. Maischberger: „Sie haben sich das Weihnachtsgeld also selber genehmigt.“ „Ja“, gibt die Grünen-Chefin zu, die seit 2013 im Bundestag sitzt und sich rechtfertigt mit den Worten: „Weil wir, anders als andere, den Parteivorsitzenden, die auch im Bundestag sind, kein Gehalt zahlen. Wir nehmen auch keine Einnahmen von Dritten ein.“

Maischberger wechselt zum nächsten Thema: der CO2-Preis. Baerbock kündigt an, gegen das Drängen der Grünen-Basis bei einem CO2-Preis von 60 statt 120 Euro pro Tonne zu bleiben: „Ich komme selbst vom Dorf, ich weiß, wie es ist, wenn man pendelt. Menschen mit kleinem Einkommen dürfen dort nicht übermäßig belastet werden.“ „Und wie steht es mit dem Ausbau von Autobahnen?“, hakt Maischberger nach. Baerbock erklärt, alle Straßenprojekte müssten auf den Prüfstand, eine Verkehrswende sei unabdingbar.

Anschließend geht es um Außen- und Sicherheitspolitik, Stichwort „Flüchtlingskrise“ und Grenzschutz. Die Grünen-Chefin plädiert für eine weiche Haltung zur Einwanderung: „Grenzen müssen immer durchlässig sein, ansonsten hätten wir eine Festung Europa und genau das will ich nicht.“

Baerbock vergleicht bei „maischberger. die woche“ Politik mit einem Fahrrad: „Wenn man nicht tritt, kippt es um“

Bei Wladimir Putin und den Ereignissen in Ost-Europa zeigt Baerbock dagegen harte Kante, vor allem im Hinblick auf Nord Stream 2: „Diese Pipeline konterkariert sämtliche Sanktionen der EU und ist deswegen alles andere als eine strikte Außenpolitik“, regt sie sich auf. Baerbock weiter: „Daher halte ich sie für sehr falsch und würde das dem Kreml auch sehr klar sagen.“ In diesem Zusammenhang verweist sie auch auf die ebenfalls ablehnende Haltung der USA zur Gas-Pipeline.

Vorsichtiger drückt sich Baerboch beim Thema Ukraine aus. Sie argumentiert diplomatisch, wenn sie sagt, das Kiew gemäß der OSZE-Vereinbarungen auch in den Krisengebieten arbeiten können muss. Wenn nötig mit Hilfe der EU. Dazu gehöre es, auch militärisch nutzbares Material zur Luftabwehr und bei der Minenräumung zu senden.

Wie sei denn derzeit die Stimmung beim Spitzen-Duo Habeck/Baerbock? Maischberger schiebt in ihrem Talk noch ein paar Worte hinterher: „Man hat das Gefühl, sie sind der dominante Part.“ Und: „Ist das die Rücksichtslosigkeit, die man braucht, um den anderen vom Kanzlerkandidatentum abzuhalten?“ Außerdem will sie wissen: „Haben Sie die Frauenkarte gezogen?“ Baerbock ignoriert solche Provokationen und Fragen weitgehend und wiederholt stattdessen ihr seit der Bekanntgabe der Kandidatur besungenes Mantra: Man habe das gemeinsam beschlossen. Vertrauliches bleibt vertraulich. Und fügt später noch an anderer Stelle hinzu: Gesellschaft und Politik seien wie ein Fahrrad: „Wenn man nicht tritt, kippt es um!“

Erzwungenes Geständnis aus dem Gefängnis in Weißrussland: Wie bei Stalin

Maischberger richtet nun den Fokus auf Belarus. Der ehemalige Moskau-Korrespondent Udo Lielischkies stellt klar: „Die Erklärung von Lukaschenko ist völlig unglaubwürdig.“ Die Hamas, der Machthaber Alexander Lukaschenko die angebliche Bombendrohung untergeschoben hatte, weswegen die Maschine der Ryanair zur Landung in Belarus gezwungen wurde, habe dementiert. Die erpresste Stellungnahme des inhaftierten jungen Journalisten sei „gruselig“ und erinnere ihn an „Schauprozesse unter Stalin“.

Lielischkies: „Ihm droht nichts Gutes, das ist völlig klar.“ Es gebe über 400 Fälle von Folter. Der Journalist: „Es ist ein ziemlich brutaler Staat.“ SZ-Korrespondentin Cerstin Gammelin ergänzt daraufhin, dass die EU in der Situation relativ machtlos sei. „Sie steht vor dem Dilemma, den Journalisten frei zu bekommen, aber will auch nicht das ganze Land in Geiselhaft nehmen.“ Sanktionen würden in erster Linie die Bevölkerung treffen, die dadurch noch mehr isoliert werden würde. 

Lauterbach fordert beim Maischberger-Talk Impfung für Kinder ab zwölf Jahren

Im letzten Themenblock der Sendung treffen Karl Lauterbach und Anne-Sophie Mutter aufeinander. Die Star-Geigerin zeigt kein Verständnis für das andauernde Verbot von Klassikkonzerten. Mutter verweist auf Studien, die das Ansteckungsrisiko im Konzertsaal mit nur 0,5 Prozent berechnen. „Viel weniger als im Supermarkt“, klagt die berühmte Musikerin. „16 Mal niedriger als im Großraumbüro.“ Die Geigerin ist empört: „Es gibt keine wissenschaftlich haltbare Begründung dafür, dass uns das Grundrecht auf Kunstausübung seit 14 Monaten genommen wird.“

Lauterbach spricht sich für die Impfung von Kindern ab zwölf Jahren aus. In dem Alter gebe die Impfung einen hundertprozentigen Schutz vor der Erkrankung und einen neunzigprozentigen gegen Ansteckung, führt der SPD-Politiker an. Es hätte so gut wie keine Nebenwirkungen gegeben. „Die Ergebnisse hätten nicht besser sein können“, so Lauterbach. Ein Mitglied der Ständigen Impfkommission äußerte sich zuletzt gegenüber einer allgemeinen Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche äußert skeptisch.

Fazit des „maischberger. die woche“-Talks

Bisschen schwer lag die nächtliche Talk-Sendung im Magen. Viele Probleme - wenig Lösungen. Doch immerhin spannende Neuigkeiten in der Causa Baerbock.

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD/maischberger DIE WOCHE

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