Robert Habeck zu Gast im Studio bei Sandra Maischberger
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Robert Habeck zu Gast bei Sandra Maischberger

ARD Talk nach der Sommerpause

Habeck rutscht im Nachfrage-Hagel „Indianer-Ehrenwort“ raus - Gast bei „maischberger“ greift Fauxpas auf

Bei „maischberger. die woche“ ging es neben Corona auch um den Klimawandel und die Bundestagswahl - zu Gast waren Robert Habeck und Hape Kerkeling. 

Berlin - Sandra Maischberger meldet sich mit schweren Themen im Gepäck nach der Sommerpause zurück. Ein kleiner Lichtblick: Es sitzt wieder Live-Publikum im Studio - wenn auch mit Sicherheitsabstand gesetzt.

Im Fokus der Sendung steht u.a. der Klimawandel: Flutkatastrophe in Deutschland, verheerende Waldbrände in vielen Ländern Süd-Europas. Maischberger fragt im Laufe der Sendung Grünen-Co-Vorstand Robert Habeck: „Wann wird das Wetter wieder normal?“ Doch Habeck wiegelt ab: „Das wird nicht passieren.“ Der Parteichef prophezeit: „Es wird krasser werden.“ Habeck stellt klar: „Wir reden nicht mehr darüber, dass es keinen Klimawandel gibt - das ist ausgeschlossen. Wir reden einzig darüber, wie die Erderwärmung so abgebremst wird, dass wir Menschen uns anpassen können.“

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

In Einzelinterviews

  • Robert Habeck (Grüne) - Parteivorsitzender
  • Hape Kerkeling - Entertainer, Komiker und Bestsellerautor
  • Hubert Aiwanger (Freie Wähler) - Wirtschaftsminister von Bayern

In der Experten-Runde sitzen: 

  • Amelie Fried - Journalistin
  • Robin Alexander - stellv. Chefredakteur von Welt
  • Wolfram Weimer - Verleger des The European

Doch zunächst steht erneut das Coronavirus im Mittelpunkt der Diskussion. Hintergrund: In Deutschland gibt es zu wenig Impfungen und zu viele Impfskeptiker, um bis zum Herbst die gewünschte Herdenimmunität und damit das Ende der Pandemie-Ausnahmesituation zu erreichen. Zuletzt hat auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger öffentlich seine Bedenken zum Impfen zum Ausdruck gebracht und wird ins Studio geschaltet.

Aiwanger wiederholt seine Kritik live in der Sendung: „Jeder einzelne hat sein Freiheitsrecht, selber zu entscheiden, ob er sich impfen lässt oder nicht“, so der bayerische Wirtschaftsminister.

Sandra Maischbeger fragt Bayern-Vize Aiwanger: „Sind Sie ein Querdenker?“

Der Minister weiter: „Und wenn er hier bedrängt wird, und vor laufender Kamera gefragt wird, warum er nicht geimpft ist, dann geht das einfach zu weit und bringt Menschen unter Druck.“

„Sind Sie ein Querdenker?“, fragt Maischberger Aiwanger direkt. Der lacht: „Nein, das bin ich nicht. Und stellt klar, um was es ihm geht, nämlich „das Recht des Einzelnen auf seinen Körper“ zu respektieren. Der bislang umgeimpfte Minister versucht sich am Ende mit versöhnlichen Tönen: Er schließe eine Impfung zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus. Als Impfgegner wolle er nicht bezeichnet werden.

Unakzeptabel für einen Politiker, findet diese Haltung der Welt-Vize-Chefredakteur Robin Alexander, der Aiwanger zum „Verlierer der Woche“ erklärt. Die Abneigung vieler gegen die Impfung regt den Journalisten sichtlich auf. Der befürchtet mit dem Beginn der nächsten Welle im Herbst deswegen erneut massive Maßnahmen, Einschränkungen und vor allem Schulschließungen.

Alexander fragt in die Runde: „Warum sollen meine Kinder jetzt wieder zu Hause bleiben, weil sich Menschen nicht impfen lassen?“ Alexander spricht sich gegen eine Impfpflicht aus, fordert aber mehr Engagement von den Verantwortlichen: „Es muss darüber nachgedacht werden, wie wir die Zahlen hochtreiben!“

Journalistin bei „maischberger. die woche“: Corona-Impfung ist keine reine Privatentscheidung!

Die Journalistin Amelie Fried stimmt dem Kollegen zu und befindet, Impfen sei im Fall von Corona keine rein „private Entscheidung“ mehr. Es gehe nicht nur um Selbstverantwortung, sondern eben auch um Solidarität, so Fried. „Gerade wenn ich mir vorstelle, was Kinder in den vergangen anderthalb Jahren aushalten mussten und wie solidarisch sie mit uns Älteren und Alten waren, haben wir jetzt die Verpflichtung ihnen gegenüber solidarisch zu sein.“, gibt Fried zu bedenken.

Verleger Wolfram Weimer vermutet hinter den Aussagen des bayrischen Landespolitikers Wahlkampf-Taktik für die Bundestagswahl. Aiwanger versuche, „sein Profil zu schärfen“. Bei dem „Gepolter in Bayern“ ginge es auch um bundesdeutsche Machtpositionen, mutmaßt Weimer. 

Dass Grünen-Chef Robert Habeck die Aussagen Aiwangers nicht gut findet, überrascht den Zuschauer nicht. Als Maischberger ihn auffordert, auch kritische Aussagen gegenüber seiner Spitzenkandidatin Annalena Baerbock zu machen, reagiert Habeck allerdings ungemütlich. Er gesteht dann aber doch ein, dass die Frage des Geschlechts Baerbocks - die „Frauenkarte“, wie Habeck den Umstand mit angezeigten Anführungszeichen nennt - bei der Entscheidung mit ein Faktor war. Und befindet, die Fehler seiner Parteikollegin hätten einen „Knacks“ im Vertrauen der Wähler verursacht. Habeck verspricht: „Wir werden alle Chancen nutzen, das wieder aufzubauen.“

Habeck sagt „Indianer-Ehrenwort“ - Gast greift es auf und echauffiert sich über die Betrachtung von Kleinigkeiten im Wahlkampf

An einer Stelle spricht Maischberger Habeck auf das geplante Energiegeld der Grünen an - jährlich sollen wegen Preiserhöhungen für den Klimaschutz 75 Euro zurück an die Bürger gehen. „Wie kommen die auf mein Konto? Bekommt jeder Bundesbürger am Ende des Jahres einen Scheck?“, will die Moderatorin wissen. Das sei nicht ganz so trivial, erklärt Habeck. Er setzt auf eine digitale Lösung. Und mitten im Nachfrage-Hagel von Maischberger sagt er an einer Stelle „Das Geld geht zurück - großes Indianer-Ehrenwort“ und hebt dabei kurz die Hand zum Schwur.

In dieser Situation fällt es gar nicht weiter auf, doch als nach dem Gespräch mit Habeck Maischberger mit ihren anderen Gästen den Wahlkampf und den Auftritt von CDU-Chef Armin Laschet in den Hochwassergebieten bespricht, greift Verleger Weimer die Szene auf: „Mich irritiert diese Fixierung auf Kleinigkeiten. Das wäre so, wie wenn ich jetzt sagen würde: ‚Nach dieser Sendung hat der Herr Habeck seinen Wahlkampf vermasselt, weil er vorhin Indianer gesagt hat.‘ Er sagte in Ihrem Gespräch ‚Indianer-Ehrenwort, die Entlastung kommt‘“, paraphrasiert er. „Wir wissen, die Grünen sind sprachsensibel und sprachpolizeilich unterwegs, da darfst du Indianer eigentlich nicht sagen. Nun hat er es gesagt und da würde ein Skandal draus. Das ist doch lächerlich!“ Zur Erklärung: Das Bezeichnung „Indianer“ empfinden viele Angehörige indigener Stämme als problematisch oder kränkend. Die Assoziationen sind mit Klischees bedeckt, der Begriff stammt aus der Zeit des Kolonialismus. Bei den Grünen gab es wegen des Wortes schon früher Streit.

Hape Kerkeling spricht im Maischberger-Talk Katzen heilende Wirkung zu

Für frischen Wind sorgt der Auftritt von Hape Kerkeling, der zum Start seiner TV-Rückkehr auch noch ein Buch über die psycho-heilenden Kräfte von Katzen („Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich“) geschrieben hat. Er selber habe es nach dem Selbstmord seiner Mutter erleben dürfen: „Ich bekam diesen Kater und konnte meine Trauer auch gut ausleben.“ Hunde würden gehorchen, Katzen nicht. Doch genau dieser Umstand mache die Tiere so besonders, so der Entertainer: „Katzen helfen uns bessere Menschen zu werden!“ Inzwischen sei die siebte Katze in Folge bei ihm in Obhut.

Auf das Anfangsthema angesprochen, positioniert sich Kerkeling klar: Er sei geimpft, so der Komiker ernst. Es sei doch ein Segen, dass so schnell ein Wirkstoff entwickelt worden sei. Wer sage, es gibt diese Pandemie nicht, vertrete keine Meinung, kommentiert Kerkeling lakonisch, „sondern ist einfach nur verrückt!“

Zu Karl Lauterbach sagt Kerkeling: „Wenn ich sein Medienberater wäre, dann würde ich sagen: ‚Weniger ist vielleicht mehr.’ Und: Er braucht eine neue Frisur! Seit die Fliege weg ist, gucke ich auf die Frisur.“ Im Umgang mit der Diskussion zu den Kommentaren Aiwangers empfiehlt der Entertainer: „Den sollte man vielleicht mehr komisch finden, statt ernst zu nehmen.“

Wen er denn im Herbst wählen würde, will Maischberger von Kerkeling wissen. Der gibt zu, sich erst in der Kabine zu entscheiden: „Man wird ja jeden Tag neu überrascht …“

Fazit des „maischberger. die woche“-Talks

Viel Diskussionsstoff in der Expertenrunde. Ein Robert Habeck mit ernsten Warnungen, der sich schwer tat, seine Regierungsvisionen überzeugend darzulegen. Ein erfrischender Hape Kerkeling, der wieder einmal unter Beweis stellen konnte, dass nicht nur Katzen beruhigende Kraft besitzen, sondern vor allem Humor. 

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