Sandra Maischberger führt durch die Sendung
+
Sandra Maischberger führt durch die Sendung

Wie nervös ist die Union?

Leitender Impf-Arzt in Köln nennt bei „Maischberger“ entscheidendes Politik-Problem und äußert „Entsetzen“

Lockerungen trotz steigender Inzidenzen, Maskenaffäre in der Union und geschlechtergerechte Sprache sind die wichtigsten Themen bei „maischberger. die woche“.

Berlin - Bei „maischberger. die woche“ diskutiert das Dreiergespann aus Kommentatoren zu Beginn die Maskenaffäre um die Bundestagsabgeordneten Georg Nüßlein und Nikolas Löbel von der Union. Die ist wegen der Affäre für Schauspieler Walter Sittler der „Verlierer der Woche”: “Jetzt holt sie das ein, was sie in 30 Jahren versäumt haben. Jetzt machen sie mit Aktionismus Transparenz und versuchen, den Schaden, die sie über Jahre angerichtet haben, zu lösen. Und das wird nicht funktionieren.”

Walter Sittler bei „maischberger. die woche“: “Raffgier-Attitüden” bei Nüßlein und Löbel

Der Herausgeber des Magazins „The European“, Ansgar Graw, ist zwar ebenfalls der Meinung, die CDU müsse als „Verlierer der Woche“ gelten, allerdings denkt er nicht, das Problem der „Raffgier“ sei auf die Wirtschaftsnähe der Union zurückzuführen. „Sollen wir überhaupt keine Partei mehr haben, die in irgendeiner Form am deutschen Mittelstand, an der deutschen Wirtschaft ist?“ Er sei „froh, dass wir noch ein paar wirtschaftsnahe Positionen in der Politik haben“.

Die Journalistin Katharina Hamberger, die sich für ihre Arbeit beim Deutschlandfunk regelmäßig mit der CDU/CSU beschäftigt, denkt indes nicht, dass es sich um ein spezifisches Problem der Union handele: „Das gab es ja bei anderen Parteien auch schon. Aber ich glaube, die Union muss sich schon die Frage stellen, ob sie ein Umfeld geschaffen hat, in dem Einzelne gesagt haben: Das ist schon in Ordnung, was ich da mache.“ Kurz vor den beiden Landtagswahlen am Wochenende in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sei die Spitze der Union „wahnsinnig nervös“.

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutieren mit:

  • Prof. Dr. Thorsten Lehr (Professor für klinische Pharmazie)
  • Dr. Jürgen Zastrow (leitender Impfarzt in Köln)
  • Petra Gerster („heute“-Moderatorin)
  • Nele Pollatschek (Schriftstellerin)
  • Walter Sittler (Schauspieler und Filmproduzent)
  • Katharina Hamberger (Journalistin)
  • Ansgar Graw („The European“-Herausgeber)

Ebenfalls nervös sind Virologen und Epidemiologen dieser Tage angesichts der bevorstehenden Lockerungen und Öffnungen – trotz steigender Inzidenzen. Eine dieser mahnenden Stimmen ist Prof. Dr. Thorsten Lehr, Professor für klinische Medizin an der Universität des Saarlandes. Sein Kredo ist eindeutig, er hätte sich „auf keinen Fall“ für Lockerungen ausgesprochen. Zwar sei es möglich, durch das breiter werdende Testangebot, vor allem durch die Antigen-Schnelltests, der Dunkelziffer bei Infektionen entgegenzuwirken. Doch dies erfordere auch eine hohe Eigenverantwortlichkeit der Einzelnen. Sein niederschmetternder Befund: „Wir kaufen uns mit den Lockerungen gewisse Todeszahlen.“

Jürgen Zastro bei „maischberger. die woche“: „Wir haben keinen Impfstoff verworfen“

Der leitende Impfarzt der Stadt Köln, Dr. Jürgen Zastrow, formuliert seine Bedenken zwar weniger drastisch, adressiert seine Kritik dafür direkt an die verantwortlichen Politiker: „Das Problem ist, dass das, was an Impfstoff fehlt, versucht wird, durch politischen Aktionismus auszugleichen. Das heißt, wir kriegen Regelungen und Erlasse, die uns nicht immer besonders hilfreich erscheinen.“ Auch dass Hausärzte bislang nicht in das Impfgeschehen involviert sind, löst bei Zastrow „großes Entsetzen“ aus. Um selbst möglichst effizient zu sein, habe er sämtliche ihm zur Verfügung stehende Impfstoffe verbraucht – auch entgegen bestehender Vorschriften: „Entscheidend ist doch nur, dass möglichst viel Impfstoff in möglichst viele Arme kommt.“

Ansgar Graw bei „maischberger. die woche“: „Die schwerste Belastungsprobe seit Lady Di“

Im abschließenden Block der Kommentatoren diskutieren Graw, Hamberger und Sittler über das Interview des Herzogenpaares Sussex mit Oprah Winfrey. Wie substanziell die Rassismusvorwürfe gegen das britische Königshaus sind, darüber will sich das Trio allerdings kein Urteil anmaßen: „Das können wir von hier aus schwer beurteilen“, fasst Hamberger zusammen. Graw hält das Vorgehen von Harry und Meghan für „unprofessionell“, seine Meinung: “Entweder ich nenne Ross und Reiter oder ich behalte es für mich.“ Stattdessen habe das Paar durch die Äußerungen im Interview die gesamte Familie diskreditiert. „Sie ist ja kein kleines Mädchen, das sich irgendwie in den Palast verirrt hat“, findet Graw. Einig sind sich die Kommentatoren auch darin, dass der Abschied von Joachim Löw als deutscher Fußball-Bundestrainer keinen Tag zu früh kommt. Sittlers Meinung: „Er hätte es viel früher machen müssen.“

Petra Gerster bei „maischberger. die woche“: „Die Mehrheit der Zuschauerinnen lehnt es ab“

Weil am Montag Weltfrauentag war, diskutiert Talkmasterin Maischberger zum Abschluss der Sendung mit „heute“-Moderatorin Petra Gerster und Schriftstellerin Nele Pollatschek das Genderthema. In den ZDF-Nachrichtensendungen wird, angestoßen von Claus Kleber, seit gut einem halben Jahr gegendert. Bei vielen Zuschauern rufe das Thema negative Emotionen hervor, berichtet Gerster. Ein Zuschauer habe ihr geschrieben, er hätte ihr immer vertraut, „aber jetzt sprechen Sie eine andere Sprache“. Das habe sie beeindruckt. Gerster halte die Praxis des Genderns aber für wichtig, schließlich würden dadurch „Frauen, aber auch andere Gruppen, nichtbinäre beispielsweise, sichtbar“.

Nele Pollatschek bei „maischberger. die woche“: „Ich bin Schriftsteller, das ist mein Beruf“

Eine noch etwas radikalere Position, die sich der Mehrheit der Zuschauer jedoch kaum erschlossen haben dürfte, vertritt Nele Pollatschek. Sie findet nicht, dass ihr Geschlecht bei ihrer beruflichen Tätigkeit etwas zu suchen habe und macht sich für eine generische Form der Sprache stark, um „möglichst wenig zu gendern, möglichst wenig Geschlecht anzuzeigen“. Sie plädiert für eine generell-generische Form, um „möglichst wenig zu verletzen“.

„maischberger. die woche“ - das Fazit

Die Vielzahl der Themen führt bei „maischberger. die woche“ zu einer gewissen Unübersichtlichkeit. Zwischen Maskenaffäre, Meghan, Harry und Joachim Löw berichten Pandemie-Experten, zum Abschluss gehen die Emotionen beim Thema geschlechtergerechte Sprache hoch. Zu pointierten Ergebnissen kommt es daher selten. Immerhin Kölns Chef-Impfarzt Dr. Zastrow sorgt für einen Lacher, als er sich über die Versäumnisse bei der Beschaffung von Impfstoffen echauffiert: „Wir haben keinen Impfstoff. Das macht doch nichts, dafür haben wir neue Regelungen.“

Auch interessant

Kommentare