Sandra Maischberger führt durch die Sendung
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Sandra Maischberger führt durch die Sendung

Nach Ausschreitungen in Washington

„Maischberger“: Moderator fürchtet um Bidens Leben - Augenzeuge schildert erschreckende Erlebnisse aus Kapitol

Die Kanzlerin nannte den Sturm auf das Kapitol in Washington „verstörend“. Wie gefährlich ist die Hass-Bewegung für die Demokratie? 

  • Eine Sondersendung „maischberger. die woche - Sturm auf das Kapitol“ zu den Ereignissen in Washington nach der Erstürmung des US-Parlamentes von Trump-Anhängern
  • ARD-Expertin kommentiert: „Schwärzester Tag in der US-Geschichte“
  • Der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschuss’ Norbert Röttgen: Die Demokratie ist weltweit bedroht.

Bei „maischberger. die woche“: Schwärzester Tag in der US-Geschichte

Der noch amtierende US-Präsident Donald Trump heizte am Mittwoch seine in Washington versammelte Anhängerschaft mit einer Rede ein - in direkter Folge stürmten Hunderte zum Kapitol, dem ehrwürdigen Parlamentsgebäude, und belagerten das wohl größte Symbol US-amerikanischer Demokratie. Stundenlang - zunächst ohne große Gegenwehr - blieb das Haus besetzt, es wurde geschossen, randaliert. Vier Menschen starben, 50 Festnahmen folgten. Trump wurden daraufhin seine Social-Media-Kanäle gesperrt, dennoch sprach er weiter ungehindert von Wahlbetrug.

Die Sondersendung „maischberger. die woche“ - zur ungewohnten Zeit, am Donnerstagabend, war zur aktuellen Lage kurzfristig angesetzt worden. Die Runde diskutierte u.a. über die Beschädigung der Demokratie und mögliche Folgen.

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

In der Experten-Runde:

  • Tina Hassel - Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios
  • Ansgar Graw - Herausgeber des Debattenmagazins „The European“
  • Ron Williams - Moderator, US-Bürger

Im Interview:

  • Majid Sattar - FAZ-Korrespondent, zugeschaltet aus Washington
  • Norbert Röttgen (CDU) - Vorsitzender Auswärtiger Ausschuss
  • Sudha David-Wilp - stellvertretende Direktorin des Berliner Büros des German Marshall Fund

Die langjährige US-Korrespondentin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Tina Hassel, bewertet den 5. Januar 2021 als den „schwärzesten Tag in der Geschichte der USA“. Mit dem Kapitol sei „etwas Heiliges, ein Tempel der Demokratie“ vom Mob „besudelt worden“, wo als Höhepunkt auch noch die US-Flagge durch eine Trump-Fahne ausgetauscht wurde. „Die Demokratie war im Stresstest“ - auch wenn am Ende die Sitzung fortgesetzt, der Wahlsieg von Joe Biden bestätigt worden sei. Auch Norbert Röttgen sagt später im Interview, er ist sich sicher, dass dieser Tag als trauriger Moment in die US-Geschichte eingehen wird.

Der Moderator Ron Williams vergleicht den massiven Polizeieinsatz bei den Protesten der Black-Lives-Matter-Bewegung mit der zurückhaltenden Staatsgewalt in der aktuellen Lage und zeigt sich verwundert. Er fürchte inzwischen sogar um das Leben der neuen Vizepräsidentin Kamala Harris und des zukünftigen Präsidenten Joe Biden.

Romney kritisierte seinen Republikaner-Kollegen im Capitol: „Das hast du nun davon!“

Zugeschaltet aus Washington wird FAZ-Korrespondent Majid Sattar, einer der wenigen Journalisten, die bei der Sitzung des Kongresses im Kapitol als Pressevertreter anwesend war und die Erstürmung live mitbekam. Er schildert seine Erlebnisse: Als Erstes sei Sitzungsleiter Mike Pence bei Seite genommen und herausgeholt worden, kurz drauf hätten schwer bewaffnete Polizisten den Saal gestürmt, gebrüllt und die Türen verbarrikadiert. Vier Stunden hätten die Evakuierten daraufhin in einem Tunnel unter dem Kapitol verharrt - bis die Lage oben wieder im Griff war und die Sitzung fortgesetzt werden konnte.

Nach dem Ende des Spektakels habe es konfrontative Szenen gegeben, Journalisten machten den Trump loyal ergebenen Ted Cruz „mitverantwortlich“, der Republikaner Mitt Romney kritisierte ihn mit den Worten: „Das hast du nun davon!“.

Norbert Röttgen bei „maischberger. die woche“: Trump ist ein Narzisst

Norbert Röttgen macht in der folgenden Interviewrunde deutlich, dass für ihn die Charakterstörung von Trump das schwerwiegende Problem sei. Trump sei ein Narzisst, ein Mensch, bei dem sich alles nur um sich selbst drehe. Demokratie, Alliierte, Gegner oder Regeln würden für ihn nicht zählen, bestimmend sei nur das Vorankommen der eigenen Person. Der außenpolitische Experte der CDU: „Von dem US-Präsidenten ging ein Verhalten aus, dass man sonst nur von nicht organisierten Staaten kennt“.

Dass die Probleme der USA auch Auswirkungen auf die westliche Welt hätten, gab Röttgen offen zu. Der Anwärter für den CDU-Vorsitz stellt klar: Es gibt einen Systemwettbewerb in der Welt - vor allem mit China, das sich technologisch und wirtschaftlich der westlichen Welt überlegen sehe und auch große Erfolge verzeichne. Wenn in dieser Situation die USA, „die mächtigste Volkswirtschaft der Welt und die älteste Demokratie“ wanke, dann schwäche dies das gesamte demokratische System.

Umfrage bei „maischberger. die woche“: 45 Prozent der US-Republikaner hätten die Randale von Washington für gut befunden

Kritisiert wurde in der Runde unisono das Verhalten der Republikanischen Partei, die Trump aufgestellt und seine Wähler-Mobilisierung mit allen Mitteln verteidigt habe. Es werde darauf ankommen, ob die Republikaner in Zukunft diesen Weg weitergingen und auf „Trumpismus“ setzen, weil er ihnen Wählerstimmen liefere. Sandra Maischberger zitiert eine aktuelle Umfrage von YouGov, wonach 45 Prozent der US-Republikaner die Randale von Washington für gut befunden hätten.

Der Journalist und USA-Kenner Ansgar Graw weist darauf hin, dass es nicht nur dumme Menschen seien, die Trump folgten und nennt namentlich den Republikaner Ted Cruz, „einer der intelligentesten Politiker“, der schlichtweg seine Seele verkauft habe. Diese Politiker seien keine Dummköpfe, sondern Opportunisten der Macht.

Hassel untermauerte diese Aussagen bildlich: „Trumpismus“ sei wie eine Hydra. „Man kann den einen Kopf abschlagen, und es wachsen die nächsten nach.“ Alle Köpfe könne man nur erledigen, wenn es gelinge, „den Wählern von Trump echte Angebote zu machen.“

Röttgen bei „maischberger. die woche“: An die Demokratie zu glauben, ist eine Überlebensstrategie

Doch wie geht das? Die US-Politologin Sudha David-Wilp macht deutlich: „Das geht nur mit den Republikanern gemeinsam.“ Sie hoffe, dass der Sturm aufs Kapitol ein Weckruf für die Partei gewesen sein könnte.

Röttgen fasst zusammen: Die System-Feindschaft und der Hass, der sich auch in Deutschland bemerkbar macht, sei wie eine „Krankheit“. „Weiter an die Demokratie zu glauben“, sei aber nicht naiv, sondern „eine Überlebensfrage“.

Fazit der Sondersendung „maischberger. die woche“

Donald Trump ist an allem schuld? So einfach ist es leider nicht mehr. In der Sendung wurde versucht, das eigentliche Problem zu fassen und dabei entstand der Eindruck, dass es an allen Ecken brennt. Ist unsere Demokratie wirklich in Gefahr? Wer genau hinhörte, konnte die Antwort erfassen: Ja. Was nun zu tun sei? Dazu gab es aber leider lediglich Ideen.

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