Sandra Maischberger interviewt Jens Spahn
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Sandra Maischberger interviewt Jens Spahn

Keine Lockerungen bis Ostern? 

Maischberger: Spahn verweist bei aktuellen Todeszahlen auf Weihnachten - und gibt bittere Frühjahrsprognose

Maischberger: Statt Licht am Ende des Tunnels eine „Neverending Story“: Die Todeszahlen sinken nicht, die Impfungen laufen schleppend. Spahn steht Rede und Antwort.

  • Bei „maischberger. die woche“ steht Gesundheitsminister Jens Spahn Rede und Antwort zu den Problemen bei der Pandemiebekämpfung.
  • Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christian Hacke sieht den Sturm aufs Kapitol als Anfang einer sich radikalisierenden Bevölkerung in den USA.
  • Die Lockdown-Maßnahmen sollen verschärft werden.

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten in der in der Experten-Runde mit:

  • Urban Priol - Kabarettist
  • Melanie Amann - Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros
  • Robin Alexander - stellvertretender „Welt“-Chefredakteur

Im Interview:

  • Jens Spahn (CDU) - Bundesgesundheitsminister
  • Prof. Dr. Christian Hacke - Politikwissenschaftler vom Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Uni Bonn
  • Robin Kelly - demokratische US-Kongressabgeordnete, zugeschaltet aus Washington

Berlin - Bei den Infektions- und Todeszahlen liegt Deutschland in der Statistik inzwischen vor den USA und Italien. Bei „maischberger. die woche“ im Ersten geht es u.a. um die Frage: Ist der harte Lockdown unumgänglich? Gesundheitsminister Jens Spahn steht im Studio Rede und Antwort. Außerdem der Blick auf die USA: Wie gefährlich ist Trump in seinen letzten Tagen?

Ist Jens Spahn „Gewinner oder Verlierer der Woche“, will Moderatorin Sandra Maischberger von den Experten zum Auftakt der Talk-Runde wissen - getreu der Rubrik ihrer Sendung. Der Kabarettist Urban Priol fasst es süffisant zusammen: Spahn sei für ihn Gewinner und Verlierer gleichzeitig. Tolle Umfragewerte einerseits - zeitweilig liege der Minister vor der Kanzlerin. Aber dann dieser Spruch „Wir werden einander viel verzeihen müssen!“ Da habe er alle ins Kollektiv genommen. Eine richtige Entschuldigung sei das nicht gewesen.

Spahn-Kritik bei „maischberger. die woche“: Bemerkenswert, was sich die Abgeordneten bieten ließen

Melanie Amann, Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, vergleicht Spahn mit Arzneimittelwarnung: „Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Kleingedruckte …“ Der Minister sei ein Kommunikationsstratege, drücke sich „doppelbödig“ und „wolkig“ aus und umschiffe so konkrete Antworten. Auch der stellvertretende „Welt“-Chefredakteur Robin Alexander stellt klar: „Zwei große Fehler sind gemacht worden“: Keine Masken zu Beginn der Pandemie und Fehler bei der Impfstoff-Bestellung, aber Spahn lenke aktuell ab mit Parolen zum angeblichen „Impfnationalismus“. Alexander befindet, es sei schon „bemerkenswert“, was sich die Abgeordneten aktuell im Parlament bieten ließen.

Ist Spahn kanzlertauglich, will Maischberger dann noch wissen. Amman plaudert aus, dass der Gesundheitsminister hinter den Kulissen bereits das Terrain sondiere. Ihr Kollege Alexander stellt klar: Wenn Laschet die Wahl in NRW vergeigt, sei Spahn im Spiel - ambitioniert genug sei er.

Spahn beantwortert bei „maischberger. die woche“ auch die Kanzlerfrage

Kameraschwenk auf Spahn, der bereits locker nach hinten gelehnt im Studio-Sessel sitzt und die Kritik offenbar sportlich nimmt. Dass Amann mit ihrer Beschreibung nicht ganz daneben liegt, beweist Spahn in den kommenden Minuten ausdrucksvoll. 

Die Lieblingsstrategie des Ministers: Den Ball für die Misere an die Allgemeinheit zurückspielen, etwa.: „Es funktioniert nicht nur durch staatliches Handeln, es funktioniert nur, wenn alle mitmachen und mitmachen wollen“. Oder auch: Nicht die Politik sei der „Spielverderber“, sondern das Virus. Und: „Die Todeszahlen, die wir heute zu beklagen haben, haben etwas zu tun mit der Situation von vor zehn, vierzehn Tagen. Die haben was damit zu tun, wie wir Weihnachten verbracht haben!“.

Die aktuelle Impfstoff-Knappheit nennt der Minister „Anfangsknappheit“. Das Problem seien die fehlenden Zulassungen. Impfstoffe mit Notzulassung habe man zunächst abgelehnt, um das Vertrauen der Bevölkerung nicht aufs Spiel zu setzen. Keine einfache Rolle für Maischberger, die immer wieder versucht, Spahn auf den Zahn zu fühlen.

Klare Ansage von Spahn: Beschränkungen werden auch im Februar nicht aufgehoben

Einen Kritikpunkt lässt der Minister gelten. Hinsichtlich der neuen Corona-Variante gibt Spahn zu: In vielen Ländern Europas würde nicht ausreichend sequenziert - die Deutschen gehören dazu und er verspricht: „Wir ziehen jetzt sehr, sehr stark nach!“

Der Einführung einer Impfpflicht, die von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ins Spiel gebracht wurde, erteilt Spahn eine klare Absage, er habe im Bundestag sein Wort gegeben, dass es in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben wird!

Bleibt noch die Frage, ob der Lockdown verschärft wird. Die Runde ist sich einig: ja. Und auch Minister Spahn gibt zu: „Wir werden am 1. Februar nicht alle Beschränkungen aufheben können. Sie werden verlängert werden müssen!“

Maischberger kommt um die Kanzlerfrage nicht herum und stellt sie raffiniert: Wenn das im Sommer nicht klappt mit ausreichend Impfstoff, „was heißt das dann für Ihre Ambition aufs Kanzleramt?“, will sie wissen. Und Spahn antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Ich tue erst mal alles, dass es klappt“. Und lässt offen, ob er jetzt Impfstoff oder Kandidatur oder beides meint. Er ergänzt noch: Die CDU solle nach Merkel auf einen Mix von Kontinuität und Neustart setzen. Im Alter deutlich jünger als die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz - Laschet, Röttgen und Merz - meint Spahn mit Neustart vermutlich sich selbst.

Politik-Experte prognostiziert bei Maischberger: Sturm aufs Kapitol ist erst der Anfang

„Spiegel“-Frau Amann ist nach dem Abgang Spahns entrüstet: „Wir impfen später und weniger als andere Länder, wir haben zu wenig bestellt.“ Die Situation in den Altenheimen sei katastrophal, der späte Impfstart würde derzeit viele Menschenleben kosten. Dem ist nichts hinzuzufügen und Maischberger muss noch das andere Thema - USA - abhaken.

Aus Washington schildert die Abgeordnete Robin Kelly die Schreckmomente, die sie bei der Erstürmung des Kapitols live erlebte - in Angst um ihr Leben. Das Amtsenthebungsverfahren von Trump sei wichtig, um ihm eine zweite Amtszeit unmöglich zu machen. Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christian Hacke prognostiziert: Der Trumpismus wird bleiben. Der Sturm auf das Kapitol sei erst der Anfang. Und stellt klar: „Der Faschismus ist etwas, das in gewandelter Form, mit anderen Methoden durchaus wieder auftauchen kann!“

Fazit der Sendung von „maischberger. die woche“

Der Auftritt von Jens Spahn wirkt überfällig. Der Minister stellt sich kritischen Fragen, wenn auch mit einer Professionalität, die wenig neues Licht ins Geschehen bringt. Die Frage nach der Kanzlerkandidatur drängt für die CDU - viel Zeit bleibt nicht bis zur Bundestagswahl im September und die Sendung macht deutlich: Corona wird auch bei diesem Thema entscheidend sein. (Bernd Pipo)

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