Streit um K-Frage

Kanzler-Streit bei „Maischberger“: CSU-Vize Bär mit brisantem Detail aus Geheim-Sitzung - CDU-Frau platzt der Kragen

Bei „maischberger. die woche“ wurde sich vor laufender Kamera ordentlich gezofft. CDU-Abgeordnete Güler und CSU-Vize-Parteichefin Bär gerieten aneinander. 

Berlin Beim „maischberger. die woche“-Talk im Ersten ging es heiß her. Dabei ließen die stellvertretende CSU-Parteivorsitzende Dorothee Bär - „Team Söder“, kommentierte Maischberger - und die CDU-Abgeordnete Serap Güler – „Team Laschet“ - die Fetzen fliegen.

Einen Talk-Rückzieher hatte zuvor der bayerische CSU-Herausforderer Markus Söder gemacht, der sich eigentlich zur Sendung angekündigt hatte. Er hätte in der „Früh abgesagt“, so Sandra Maischberger.

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Dorothee Bär (CSU) - stellv. CSU-Parteivorsitzende
  • Serap Güler (CDU) - Mitglied des Bundesvorstands und NRW-Staatssekretärin für Integration, zugeschaltet
  • Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) - Gesundheitspolitiker
  • Dr. Lisa Federle - Tübinger Notfallmedizinerin

In der aktuellen Expertenrunde saßen: 

  • Anja Kohl - ARD-Börsenexpertin
  • Cerstin Gammelin - stellv. Leiterin „SZ“-Hauptstadtbüro
  • Wolfram Weimer - „Cicero“-Kolumnist

Das erste Wort hat CDU-Politikerin Serap Güler, die sich über den Alleingang Söders empört, „nachdem das Präsidium und der gesamte Bundesvorstand der CDU sich für Armin Laschet ausgesprochen haben.“ Dorothee Bär kontert: „Wir bekommen wahnsinnig viel Unterstützung aus der Bundestagsfraktion“ - und meint mit „Wir“ die Söder-Fans in der Union. Die könne man, so Bär, bei der kommenden und „ganz, ganz wichtigen schicksalhaften Wahl“ nicht einfach ignorieren und „nicht nur in einem kleinen Hinterzimmer“ entscheiden.

Ein Satz, der Güler auf die Palme bringt. Sie wettert: „Ich finde es ehrlich gesagt als Bundesvorstandsmitglied einen Affront, dieses Gremium als Hinterzimmer abzutun.“ In dem Bundesvorstand der CDU säße die komplette Bandbreite der Partei - von Basis bis Funktionäre. „Wenn das nicht die breite Mehrheit der CDU ist, dann weiß ich nicht, was sie ist“, wettert Güler scharf.

Dorothee Bär sorgt bei Maischberger mit TV-Quoten-Vergleich für Verwunderung

Bär zieht die Trumpfkarte: Umfragewerte. Markus Söder liegt deutlich vor Armin Laschet. Bär formuliert angriffslustig: „Sie können den Wählerwillen nicht ignorieren!“ Doch das lässt Maischberger nicht so stehen: „Umfragen sind für Sie schon der Wählerwille?“, hakt die Moderatorin nach und Bär kommt ins Straucheln: „Sie schauen doch auch auf die Quote.“ Maischberger zieht die Augenbrauen hoch: „Das können sie doch nicht vergleichen.“ „Umfragen sind wichtig, weil die Bürger kundtun, wem sie unser Land anvertrauen wollen“, fällt der CSU-Partei-Vize da noch ein.

Dann fängt Bär an zu pokern. In der Fraktionssitzung hätten sehr viele CDU-Abgeordnete durchklingen lassen, dass sie für Söder seien, behauptet sie. Doch diese Aussage in Bezug auf die Wortmeldung in der vierstündigen Bundestagsdebatte lässt CDU-Kollegin Güler nicht stehen: „66 Abgeordnete von 245“, rückt die Politikerin aus NRW die Darstellung zurecht, „und auch die waren nicht alle einer Meinung.“ „SZ“-Journalistin Gammelin stellt später klar: „Es waren ja von den 66 Abgeordneten, die sich gemeldet haben, 44 für Söder und der Rest für Laschet.“

„SZ“-Journalistin hält Unions-Streit für „Sternstunde der Demokratie“

Ist es eigentlich gesunde Demokratie, wenn gestritten wird, oder ein Zeichen für Instabilität einer Partei, will Maischberger dann abschließend von ihrer Experten-Runde wissen. Und hakt auch bei Dorothee Bär nochmal nach: „Ist es Markus Söder eigentlich egal, dass er mit dem, was gerade passiert, einen Parteivorsitzenden Armin Laschet demontiert?“ Bär kontert: „Mich interessiert, dass wir es schaffen, nach 16 Jahren Angela Merkel auch wieder eine Bundestagswahl zu gewinnen.“ „Koste es, was es wolle?“, kommentiert Maischberger als Steilvorlage für Güler, die noch ergänzt: „Ich glaube, dass wir einen guten Wahlkampf führen, wenn wir uns schnell einigen, und zwar, ohne dass die kleinere Schwester meint, die größere übertrumpfen zu wollen.“

Maischberger-Expertin Anja Kohl zeigt sich anschließend sichtlich geschafft: „Es erschöpft einen ja, einer Selbstzermürbung einer Partei derart zuzusehen“. „SZ“-Gammelin sieht es positiver: „Wenn 245 Abgeordnete über vier Stunden diskutieren, ist das eigentlich eine Sternstunde der Demokratie.“ Und Wolfram Weimer findet: „Wahrscheinlich braucht die Union beides: den Schäferhund und den Leitwolf.“ Wer wer ist, lässt er offen.

Lauterbach warnt bei „maischberger. die woche“ vor Triage-Situation

„Demokratisch streiten“ dürfen im Anschluss des Union-Zoffs dann auch nochmal Lauterbach und Federle über die Frage: Scharfer Lockdown - hop oder top? Wenig überraschend warnte Lauterbach eindringlich: „Die Notbremse, die wir jetzt beschließen wollen, wird wahrscheinlich nicht ausreichen. Wir sind vor einer massiven dritten Welle!“ In Köln könnte nicht mehr gewährleistet werden, jeden Patienten optimal zu versorgen. In zwei, drei Wochen würde sich die Situation dramatisch zuspitzen.

Ärztin Federle hält dagegen - auch wenn sie zugeben muss, dass ihr momentaner Modellversuch in Tübingen mit kontrollierten Selbsttests und Freiheiten zu viele Menschen aus anderen Regionen anlocke. Der psychischen Gesundheit sei das dienlich.

Fazit des „maischberger“-Talks

In der Sendung flogen die Fetzen und die Zuschauer*innen bekamen eine Ahnung, was wohl momentan hinter den Kulissen bei der Union abgeht. Inhaltlich blieb die Sendung aber dünn. Hier wurden Positionen bezogen, teilweise Behauptungen ins Feld geführt. Um Faktenlage ging es - wenn überhaupt - nur ganz am Rande.

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD/maischberger. DIE WOCHE

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