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Spezialeinheiten der GSG9 griffen am Dienstagmorgen zu.

Fünf Verdächtige festgenommen

De Maizière: Verhaftungen in Freital sind "Schlag gegen Rechtsterror"

Freital - Spezialeinheiten der Bundespolizei haben am Dienstag fünf mutmaßliche Mitglieder der Gruppe Freital festgenommen, der drei Sprengstoffanschläge zugerechnet werden.

Zudem durchsuchte ein Großaufgebot von Polizisten mehrere Wohnungen in Sachsen, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe weiter mitteilte. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich überzeugt, der Zugriff habe weitere mögliche Anschläge der Gruppe verhindert.

Laut Bundesanwaltschaft sitzen drei weitere mutmaßliche Mitglieder der als rechtsterroristisch eingestuften Gruppierung bereits in Untersuchungshaft. Der Gruppe soll im vergangenen Herbst zwei Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Freital sowie ein Anschlag auf ein Wohnprojekt in Dresden verübt haben. Bei einem der Anschläge hatten eine Bewohner Schnittwunden durch zersplittertes Fensterglas davongetragen.

"Zu schwereren oder gar tödlichen Verletzungen kam es nicht, weil sich die übrigen Bewohner noch rechtzeitig im Flur der Unterkunft in Sicherheit bringen konnten", erklärte die Bundesanwaltschaft. In welchem Umfang der Gruppe weitere Anschläge zuzurechnen seien, bleibe den weiteren Ermittlungen vorbehalten.

Innenminister: Razzia entscheidender Schlag gegen Terror von Rechts

An dem Einsatz am Dienstag waren insgesamt mehr als 200 Beamte des Bundeskriminalamts (BKA), der Bundespolizei und der sächsischen Polizei beteiligt. Die Festgenommenen sollen die Gruppe Freital spätestens im Juli vergangenen Jahres gegründet und ihr als Mitglieder angehört haben. Die Ermittler legen ihnen zudem eine Fülle weiterer Delikte zur Last, darunter Mordversuch, gefährliche Körperverletzung und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion.

De Maizière bezeichnete die Polizeiaktion als "entscheidenden Schlag gegen eine regionale rechtsterroristische Struktur". Durch den konzertierten Zugriff würden "weitere mögliche Anschläge dieser Gruppierung gegen Asylunterkünfte und politische Gegner verhindert", erklärte der Minister in Berlin.

"Neben der Aufdeckung der rechtsterroristischen Oldschool Society im letzten Jahr ist dies ein weiterer Erfolg für die Sicherheit in unserem Land", betonte de Maizière. Die mutmaßliche Neonazigruppe Oldschool Society war Anfang Mai vergangenen Jahres aufgeflogen. Ihre Mitglieder sollen einen Sprengstoffanschlag auf eine bewohnte Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Borna in Sachsen geplant haben.

Fünf Terrorverdächtige festgenommen

Bei den am Dienstag festgenommenen mutmaßlichen Rechtsterroristen handelt es sich laut Bundesanwaltschaft um den 18-jährigen Justin S., den 39-jährigen Rico K., die 27-jährige Maria K., den 25-jährigen Sebastian W. und den 26-jährigen Mike S. Sie sollen die Gruppe Freital zusammen mit drei bereits inhaftierten Verdächtigen gegründet haben - dem 27-jährigen Timo S., dem 24-jährigem Patrick F. und dem 29-jährigem Philipp W.

Timo S. und Patrick F. sollen Rädelsführer der Gruppe gewesen sein. Ziel der Gruppierung war es den Ermittlern zufolge, Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberunterkünfte und Wohnprojekte von politisch Andersdenkenden zu verüben.

Der Sprecher der SPD im zweiten NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags, Uli Grötsch, wertete die Festnahmen in Freital als Beleg, "dass ein schlagkräftiges Vorgehen der Sicherheitsbehörden der richtige Weg im Umgang mt Rechtsterroristen ist". Die Linken-Abgeordnete Martina Renner forderte, Polizei und BKA müssten "nun die Unterstützernetzwerke suchen, über die sich neonazistische Täter austauschen, Anschläge planen und Sprengstoff und Waffen beziehen".

AFP

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