Land in Afrika kommt nicht zur Ruhe

Putsch in Mali: Regierungschef während Telefonat mit Reporter verhaftet - Militärkreise sprechen von Rücktritt

  • Momir Takac
    VonMomir Takac
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In Mali werden Präsident und Regierungschef vom Militär verhaftet und abgesetzt. Aus Paris kommen scharfe Worte. Nun scheint die abgesetzte Spitze der Übergangsregierung zurückgetreten.

Update vom 26. Mai, 15.15 Uhr: Im westafrikanischen Krisenstaat Mali ist die vor zwei Tagen abgesetzte Spitze der Übergangsregierung nach Angaben aus dem Militär zurückgetreten. Präsident Bah N‘Daw und Regierungschef Moctar Ouane hätten am Mittwoch ihren Rücktritt erklärt, sagte ein Vertrauter des einflussreichen Armee-Obersts Assimi Goïta laut AFP. Es liefen derzeit Gespräche über die Freilassung der beiden und über „die Bildung einer neuen Regierung“.

Damit dürfte sich der zweite Putsch innerhalb von neun Monaten in Mali vollziehen. N‘Daw und Ouane waren am Montag festgenommen worden, nachdem sie die Regierung umgebildet hatten (siehe Erstmeldung). Goïta, der den Rang eines Vizepräsidenten der Übergangsregierung innehat, warf ihnen vor, ihn bei der Regierungsumbildung übergangen zu haben.

Mali: Frankreich droht mit Sanktionen

Update vom 25. Mai, 19.35 Uhr: Frankreich hat nach der Festnahme der Staatsführung im westafrikanischen Mali mit Sanktionen gedroht. Es handle sich um einen „Staatsstreich“, schrieb Präsident Emmanuel Macron am Dienstag auf Twitter. „Das ist inakzeptabel. Wir sind bereit, gezielte Sanktionen gegen die Protagonisten zu ergreifen.“

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian kündigte an, den Fall vor den UN-Sicherheitsrat bringen zu wollen. „Frankreich verdammt mit der größten Entschlossenheit diesen Gewaltstreich“, sagte er in einer Aktuellen Stunde der französischen Nationalversammlung.

Putsch in Mali: Regierungschef telefoniert mit Reporter - plötzlich ist die Leitung tot

Erstmeldung vom 25. Mai, 16.40 Uhr

Bamako - Mali ist von Kriegen und Krisen schwer gebeutelt. Das Land im Nordwesten Afrikas schien nach dem letzten Putsch im August 2020 in ruhigeres Fahrwasser zu kommen – doch weit gefehlt.

Mali könnte in den nächsten Konflikt schlittern. Denn Vizepräsident Assimi Goita, Anführer des Militärputsches im vergangenen Jahr, ließ in der Nacht zu Dienstag zunächst Übergangspräsident Bah N‘Daw und Ministerpräsident Moctar Ouane von Soldaten festnehmen und enthob sie anschließend ihrer Ämter. Goita verkündete die Maßnahme am Dienstag über den staatlichen Radiosender ORTM und versprach Neuwahlen im kommenden Jahr.  

Mali: Regierungschef Ouane während Telefonat mit Reporter von Soldaten verhaftet

Nur wenige Stunden vor der Verhaftung hatte die Übergangsregierung per Dekret ein neues Kabinett bestimmt. Die Festnahme erfolgte offenbar, während Regierungschef Ouane mit einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP telefonierte. Wie tagesschau.de berichtet, sagte Ouane noch, dass Soldaten kämen, „um ihn zu holen“. Dann brach die Leitung ab. Der Ministerpräsident und Präsident N’Daw wurden offenbar in ein Militärcamp 15 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Bamako verbracht, wo Islamisten 2017 ein Luxus-Hotel angegriffen und zwei Menschen getötet hatten.

Auslöser des Putschversuchs war offenbar eine Benachteiligung führender Militärs bei der Regierungsumbildung. Zwar erhielt das Militär zahlreiche wichtige Ministerien, zwei hochrangige Offiziere gingen jedoch leer aus. Sadio Camara verlor seinen Posten als Verteidigungsminister, Modibo Koné das Amt des Sicherheitsministers. Beide waren Mitglieder der inzwischen aufgelösten Militärjunta, die im August 2020 den damaligen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta gestürzt hatte.

Putschversuch in Mali: Internationale Gemeinschaft besorgt über Entwicklungen

Die internationale Gemeinschaft reagierte prompt auf die Entwicklungen in Mali. UN-Generalsekretär António Guterres forderte die sofortige Freilassung der Inhaftierten. „Wir verurteilen, was in den vergangenen Stunden in Mali passiert ist“, sagte Charles Michel, Präsident des Europäischen Rats, nach Beratungen der Staats- und Regierungschef beim EU-Gipfel in Brüssel.

Es bleibt zu hoffen, dass in Mali die Lage nach den neuerlichen Vorfällen nicht so eskaliert, wie in Myanmar, nachdem Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ebenfalls vom Militär festgesetzt und entmachtet worden war. (mt)

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