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Sozialminister Manfred Lucha

Bawü-Minister Lucha

Der grüne Bayer für Kretschmann

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Stuttgart – „Tatort“-Schauspieler, Sozialarbeiter, Politiker – der gebürtige Oberbayer Manfred Lucha hat eine hübsche Karriere hinter sich. Nun ist er Minister in Baden-Württemberg. Auftrag: die Gesellschaft zusammenhalten.

Manfred Lucha, den sie „Manne“ rufen, ist seit fünf Uhr wach. „Präsenile Bettflucht“, sagt der Grünen-Politiker und lacht. Aber Ausschlafen wäre gerade ohnehin nicht drin. Denn der gebürtige Oberbayer ist nun Minister in Baden-Württemberg, zuständig für Soziales und Integration. Der Terminkalender ist voll, für ein Interview bleibt der Morgen. Viertel vor acht, vor dem Hotel lärmt Stuttgart in den Tag. Lucha kommt in der Lobby schnell ins Erzählen.

Es ist eine ungewöhnliche Karriere, die der 55-Jährige hingelegt hat. Aufgewachsen in Hart an der Alz, Landkreis Altötting, nördlich des Chiemsees. Der Vater, geflohen aus dem Sudetenland, ist in der CSU, in der Gewerkschaft und im Kirchengemeinderat. Die älteren Brüder finden Willy Brandt gut, aber Manne gründet 1979 lieber mit ein paar Mitstreitern den Kreisverband der Grünen. Damals gab es die Partei nicht mal auf Bundesebene. Heute ist er als Minister in der ersten grün-schwarzen Koalition neben Staatssekretärin Theresa Schopper der zweite bayerische Export. „Es ist wie beim Fußball“, sagt Lucha. „Viele gute Sechzger spielen auch außerhalb Bayerns.“

Der Grund seines Aufbruchs? Das Oberbayern der 1970er-Jahre ist Lucha zu verstaubt, zu bigott. Der Schriftsteller Andreas Altmann hat ein bemerkenswertes Buch über seine Jugend in Altötting geschrieben, eine Abrechnung. „Ein bisschen Recht hat er schon“, sagt Lucha, der den Dialekt der Heimat behalten hat. Nach einer unglücklich verlaufenen Schulzeit und einer väterlich verordneten Ausbildung zum Chemiewerker verlässt er Bayern. Die Flucht endet als Zivi in Ravensburg. Noch immer lebt er mit seiner Frau in der größten Stadt Oberschwabens, unweit des Bodensees. Die beiden Kinder sind mittlerweile erwachsen und aus dem Haus.

Luchas Wahlkreis wird im März zum Symbol des politischen Umsturzes in Baden-Württemberg. Der Grüne gewinnt an seinem Geburtstag bei der Landtagswahl das Direktmandat gegen den CDU-Konkurrenten. Das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit. Die „taz“ notiert dazu: „Manne kam zu jedem Heckenfest, redete mit allen und saß bis zum Schluss dabei.“ Noch vor zehn Jahren, das hört man oft, hätten die Christdemokraten zur Wahl einen Besenstiel aufstellen können. „Da gibt es gewisse Parallelen zu meiner bayerischen Heimat“, sagt Lucha und lacht wieder.

Bei einem anderen Thema wird der Sozialminister ernst. „Was sich derzeit im Mittelmeer abspielt, kann niemanden kalt lassen.“ Und zur Rolle der CSU in der Flüchtlingskrise sagt Lucha: „Die Ausgrenzungs-Rhetorik ist manchmal nur schwer erträglich. Aber im operativen Arbeiten sind die Bayern vorbildlich gewesen. Gut schaffen, aber gschert daherreden – das passt irgendwie nicht zusammen.“

Lucha hat lange als Sozialarbeiter mit psychisch kranken Menschen gearbeitet, schaut noch heute ab und zu auf einen Kaffee in der Einrichtung in Friedrichshafen vorbei. Nun kommt ihm und seinen Mitarbeitern in Baden-Württemberg eine besondere Rolle zu. Auf dem Briefkopf steht „Ministerium für Soziales und Integration“. Regierungschef Winfried Kretschmann spricht lieber vom „Ministerium für den Zusammenhalt der Gesellschaft“. Und da gibt es ja viel zu tun in diesen Tagen. Was will Lucha am Ende der Legislatur erreicht haben? „Dass die Menschen, die zu uns gekommen sind, hier gut leben und die Gesellschaft bereichern.“ Wie zuversichtlich ist er? „Ich bin von Haus aus Optimist.“

Das sehen nicht alle in Baden-Württemberg so. Ein Teil der Zweifler hat im März die AfD gewählt, deren Vertreter nun im Stuttgarter Landtag sitzen. „Ich kämpfe jeden Tag dafür, dass kein Mensch aufgrund von Religion, Hautfarbe, Herkunft, Behinderungen oder sexueller Orientierung ausgeschlossen wird“, sagt Lucha. Und zu den rassistischen Äußerungen des Thüringer AfD-Manns Björn Höcke: „Das sind Granatenschläge gegen die Seele und gegen den Anstand.“

Bleibt die Sache mit der Schauspielerei. Lucha hat einige Male als Polizist im heuer eingestellten „Bodensee“-Tatort mitgespielt. Der befreundete Regisseur Jürgen Pretzinger hat dazu neulich im SWR-Fernsehen bemerkt: „Als Schauspieler war er furchtbar schlecht. Aber als Polizist war er so gut, dass er jederzeit Innenminister werden könnte.“

Dieses Amt hat zwar gerade der CDU-Landeschef Thomas Strobl inne. Aber auf seinem Posten als Gesellschaftsminister sieht sich Lucha ohnehin besser aufgehoben. Wie hat er selbst vor einiger Zeit gesagt? „Das Amt muss zum Manne kommen.“

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