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Manfred Weber ist der Gewinner des CSU-Parteitags - Freudentaumel sieht allerdings anders aus.

Vize-Wahl beim CSU-Parteitag

Manfred Weber: Der Erste unter den Zweiten

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München - Beim CSU-Parteitag wird Manfred Weber mit über 90 Prozent zum Vize gewählt. Ein sehr gutes Ergebnis. Jubeln will der 43-Jährige dennoch nicht.

Der Gewinner des Parteitags eilt nicht im Freudentaumel über die Flure. Eher still wirkt Manfred Weber, besorgt. Eine „seltsame Stimmung“ herrsche hier, analysiert er. Jeder spüre den enormen Druck, der in der Flüchtlingskrise auf allen Politikern laste. Der nachdenkliche Herr Weber, 43 Jahre jung, gönnt sich keinen langen Moment des Jubels – dabei hätte er Gründe dafür.

Mit 90,8 Prozent haben die Delegierten den Niederbayern zum CSU-Vize gewählt. Es ist das beste Ergebnis in Reihe eins der Partei, und das an einem Tag, an dem per Wahlzettel viele offfene Rechnungen beglichen werden. Seehofer erhält weniger, die anderen Stellvertreter viel weniger. Selbst die beliebte, emotionale Landtagspräsidentin Barbara Stamm wird mit 85 Prozent abgespeist, gefolgt von Christian Schmidt (83), Angelika Niebler (80) und Kurt Gribl (79). Webers Resultat ragt da heraus, der gut vernetzte Europaabgeordnete ist nun eine Art „erster Stellvertreter“ Seehofers.

Seehofer will lieber Weber als Söder

Dem Chef taugt das. Seehofer erwägt ernstlich, Weber 2017 als seinen Nachfolger im Parteivorsitz zu installieren. Noch klingt das als eine sehr ferne Variante, derzeit ist dem Noch-Regenten aber alles recht, was nicht Markus Söder heißt. Weber weiß das, er stellt sich und sein Umfeld bereits darauf ein.

Auf Parteitagen, die wie diesmal weit von Wahlterminen entfernt liegen, herrscht weniger Disziplin, interne Ergebnisse fallen ehrlicher aus. Deshalb lohnt auch der Blick auf andere Promi-Resultate: Im Block werden unter anderem Bezirksvorsitzende in den CSU-Vorstand gewählt. Hier führt der Mittelfranke Joachim Herrmann (592 Stimmen) vor Hans-Peter Friedrich (545, Oberfranken) und dem Oberpfälzer Albert Füracker (537). Nur im Mittelfeld: Oberbayern-Chefin Ilse Aigner (516) und der Nürnberger Markus Söder (513). Das ist auch für Aigner nicht berauschend, bei der Wahl vor zwei Jahren war sie noch die Stimmenkönigin.

Viele Oberbayern haben schlechte Resultate

Ohnehin fällt auf, wie viele Oberbayern diesmal schlechte Resultate erhalten, obwohl dieser Bezirk die meisten Delegierten stellt. Unter die Beisitzer schaffen es nur fünf: die Rosenheimer Gabriele Bauer und Daniela Ludwig, Landrat Siegfried Walch sowie die Innenpolitiker Stephan Mayer und Florian Herrmann.

Fürs persönliche Lebensglück dürfte es wenig förderlich sein, jeden zweiten Montag im Parteivorstand länglichen Ausführungen zu lauschen – für Prestige und Karriere ist es aber wichtig. Bitter ist deshalb, dass unter den gescheiterten Kandidaten fast nur Münchner und Oberbayern sind: der Verteidigungspolitiker Florian Hahn, Landtags-Fraktionsvize Kerstin Schreyer-Stäblein, sogar der bundesweit aktive Vertriebenen-Präsident Bernd Fabritius. Die strategischen Allianzen, die Bezirkschefin Aigner mit Niederbayern, Schwaben und teils Oberpfälzern suchte, sind in geheimer Wahl nicht alle tragfähig. „Darüber wird zu reden sein“, raunt einer der Abgeordneten, die eher missmutig nach Ende des Parteitags zusammenstehen. Aigner zeigt sich insgesamt zufrieden.

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