+
Proteste in Manila gegen Präsident Duterte.

Nach Verhaftung von Gegnerin

Proteste gegen blutige Drogenpolitik von philippinischem Staatschef Duterte

Manila - Seit seinem Amtsantritt vergangenen Juni sind tausende Menschen umgebracht worden. Jetzt wurde seine heftigste Kritikerin verhaftet. Auf den Philippinen haben deshalb tausende gegen Präsident Duterte demonstriert.

Nach der Verhaftung der philippinischen Senatorin Leila de Lima sind mehr als tausend Menschen gegen die blutige Anti-Drogen-Politik von Präsident Rodrigo Duterte auf die Straße gegangen. Die Demonstranten versammelten sich am Samstag vor dem Polizeipräsidium in der Hauptstadt Manila, wo die prominenteste Kritikerin von Duterte seit Freitag in Haft sitzt.

Gegen de Lima war am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden. Ihr wird vorgeworfen, als Justizministerin unter Ex-Präsident Benigno Aquino in einen Drogenhändlerring verwickelt gewesen zu sein. De Lima ist eine entschiedene Gegnerin von Dutertes Anti-Drogen-Politik. Ihr Umfeld geht davon aus, dass sie mit erfundenen Vorwürfen zum Schweigen gebracht werden soll.

Mehrere tausend Tote seit Juni

Duterte sorgt wegen seines harten Vorgehens gegen Drogenkriminelle immer wieder für Entsetzen. Nach seinem Amtsantritt im Juni 2016 hatte er einen unbarmherzigen "Krieg" gegen die Drogenkriminalität angeordnet. Seitdem wurden in den Philippinen mehr als 6500 Menschen getötet, viele von ihnen wurden Opfer sogenannter "außergerichtlicher Tötungen". Inzwischen wurden die Drogen-Einheiten - zumindest offiziell - aufgelöst.

Die Demonstranten warnten bei ihren Protesten, die am 31. Jahrestag der Revolution gegen den Diktator Ferdinand Marcos stattfanden, auch vor einem Rückfall in die Diktatur. "Wir warnen unser Volk vor der Gefahr durch den aufkommenden Faschismus", sagte Bonifacio Ilagan, der eine der Protestaktionen vor dem Polizeipräsidium anführte. Dutertes Feldzug gegen die Drogenkriminalität führe bereits zu einer "Kultur der Straflosigkeit", sagte der Schriftsteller, der während der Marcos-Diktatur in den 70er Jahren in Polizeihaft gefoltert worden war.

Polizei unterbindet weitere Proteste

Die Polizei hat Proteste mit Wasserwerfern unterbunden.

Am Heldenfriedhof in Manila, wo Marcos im November fast drei Jahrzehnte nach seinem Tod beigesetzt worden war, gab es eine weitere Demonstration. "Exhumiert ihn", riefen die Marcos-Gegner, die von der Polizei am Eingangstor des Friedhofs gestoppt wurden. Eine weitere Protestaktion gegen die Anti-Drogen-Politik wurde ebenfalls von der Polizei unterbunden. Wie auf Fernsehbildern zu sehen war, wurden die rund hundert Demonstranten mit Wasserwerfern auseinander getrieben.

Im Laufe des Tages wurden noch weitere Demonstrationen von Gegnern und Anhängern Dutertes erwartet. Bei einer weiteren Protestveranstaltung gegen die Verhaftung de Limas wurden tausende Teilnehmer erwartet.

afp

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Guttenberg wünscht sich das Ende der Großen Koalition
Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich gegen eine erneute Große Koalition ausgesprochen. Am liebsten würde er mit der FDP koalieren, …
Guttenberg wünscht sich das Ende der Großen Koalition
Ruhani weist Trumps Kritik am Atomabkommen scharf zurück
Das Atomabkommen mit dem Iran dominiert den zweiten Tag der Generaldebatte der UN-Vollversammlung. Der Pakt gilt als historisch. Der Iran warnt die USA. Auch Deutschland …
Ruhani weist Trumps Kritik am Atomabkommen scharf zurück
Le Pen demontiert ihren Stellvertreter
Im Führungsstreit bei Frankreichs rechtspopulistischer Front National (FN) greift Parteichefin Marine Le Pen gegen ihren Stellvertreter Florian Philippot durch.
Le Pen demontiert ihren Stellvertreter
Umstrittenes Interview mit Putin-Sender: Gabriel erneuert AfD-Nazi-Vergleich
Wenige Tage vor der Wahl hat Sigmar Gabriel  ein Interview mit einem sehr umstrittenen Medium geführt. Bereits vor der Ausstrahlung hatte sich der Außenminister dazu …
Umstrittenes Interview mit Putin-Sender: Gabriel erneuert AfD-Nazi-Vergleich

Kommentare