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Mit diesen Screenshots unterstellte der Twitter-Account „Dora zwitschert“ der ARD die Manipulation derer Artikel.

Empörung nach Tweet

Manipulation zugunsten von Angela Merkel? Das ist an Vorwürfen gegen die „Tagesschau“ dran

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Eine Twitter-Userin will eine Manipulation der ARD aufgedeckt haben. Recherchen zeigen ein eindeutiges Bild des Vorfalls.

München - Leistet die Tagesschau nun politische Schützenhilfe für Angela Merkel? Wie bild.de berichtet, behauptet dies zumindest der Twitter-Account „Dora zwitschert“. In einem Tweet montierte die Userin zwei Artikel-Screenshots nebeneinander. Die verknüpfte Behauptung: tagesschau.de habe eine Schlagzeile nachträglich geändert.

„Nachdem #Faktenfinder Patrick Gensing behauptet hat, der Begriff "Grenzöffnung" sei eine Erfindung von #AFD und CSU Politikern, überarbeitet die @tagesschau offenbar ihre Homepage. Hier die neue Version des Obama Artikels.“

Seit 2017 gibt es bei der ARD den „Faktenfinder“. Dieser soll gezielt Fake News entlarven und richtigstellen.

Der erste der abgebildeten Artikel stammt aus dem September 2016, der Titel ist rot unterstrichen: „Obama dankt Merkel für Grenzöffnung“. Im zweiten Artikel wurde die ebenfalls rot unterstrichene Zeile angeblich - so der Vorwurf - zu „Obama lobt Politik Deutschlands“ geändert. Der Tweet im Original:

Kommentare von rechtsgerichteten Nutzern ließen nicht lange auf sich warten. Ein User schreibt unter anderem:

„Scheint so, als wenn der Faktenerfinder von seinen Lügen eingeholt wird. Armselig, wie in einer augenscheinlich modernen Demokratie versucht wird, durch Propaganda die Wähler zu manipulieren. Die Medien verweisen diesbezüglich aber da doch gern auf andere Staaten. #GEZabschaffen“.

Ein weiterer User schreibt: „#Faktenfinder ist die neue Speerspitze des Propagandaministeriums für Fakenews-Verbreitung“. Viele weitere Kommentare gehen in dieselbe Richtung - teils in noch deutlich drastischerer Wortwahl.

Manipuliert die Tagesschau ihre alten Artikel?

Ist etwas dran an dem Vorwurf? Recherchen der Bild zeigten: Nein. Die Behauptung von „Dora zwitschert“ geht offenbar ins Leere. Tatsächlich wurden bei dem Tweet lediglich zwei unterschiedliche Artikel nebeneinander gesetzt, die bis auf das Thema nichts miteinander zu tun haben.

Sucht man den Artikel mit der Zeile „Obama dankt Merkel für Grenzöffnung“, erkennt man, dass der Artikel bereits seit September 2017 nicht mehr auf der Seite der Tagesschau zu finden ist. Das liegt an der Gesetzgebung und nicht etwa an der angeblichen Manipulation der Artikel. Entsprechend der Vorschriften des Telemediengesetzes müssen Meldungen auf tagesschau.de nach einem Jahr aus dem Netz gelöscht werden.

Da das Internet jedoch nichts vergisst, ist ein Verweis auf den Artikel auch heute noch über Google zu finden. Jedoch wird man über den angebotenen Link nicht auf den Artikel, sondern lediglich auf die Themenseite der Tagesschau zu Obama weitergeleitet.

Der rechte Artikel ist heute noch auf tagesschau.de verfügbar

Was ist aber nun mit dem zweiten Artikel aus dem Tweet von „Dora zwitschert“? Dabei handelt es sich um ein Video und nicht etwa um eine Meldung in Textform. Den Beitrag kann man auch heute noch auf der Homepage der Tagesschau finden. Der Artikel wurde im Jahr 2016 mit dem Titel „Obama lobt Politik Deutschlands“ hochgeladen und ist heute noch unter demselben Titel verfügbar. Das Video hingegen kann man nicht mehr anschauen.

Auf Nachfrage von bild.de erklärte eine Sprecherin der ARD zu den Vorwürfen: „Tagesschau.de hat den Artikel vom 21.9.2016 zu Barack Obama nicht überarbeitet. Diese Behauptung entbehrt schon alleine deshalb jeder Grundlage, da der Artikel ein Jahr nach seinem Erscheinen entsprechend den Vorschriften des Telemediengesetzes bei tageschau.de depubliziert wurde.“

Politisch korrigierende Überarbeitungen auf tagesschau.de, wie es „Dora zwitschert“ unterstellt, habe es im vorliegenden Fall zu keinem Zeitpunkt gegeben.

Sehr real ist hingegen ein Kommentar eines ARD-Journalisten, der am Montag Angela Merkels Rücktritt forderte. Auch zu diesem Fall hat sich die ARD mittlerweile geäußert.

Lesen Sie auch: Fake-News-Vorwurf: Seehofer sorgt sogar in den USA für Aufsehen - Parteifreunde warnen

tf

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