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Täter festgenommen

Mann rammt mit Auto Absperrungen vor Moschee in Pariser Vorort

Im Pariser Vorort Créteil hat ein Mann versucht, mit seinem Auto die Sicherheitsabsperrungen vor einer Moschee zu durchbrechen. Nachdem ihm dies wiederholt misslungen sei, sei der Angreifer geflohen und später zu Hause festgenommen worden, so die Polizei.

Paris - Verletzt wurde niemand. Aus Ermittlerkreisen erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, der Mann habe bei seiner Festnahme verwirrt gewirkt.

Der Angreifer habe mit seinem Geländewagen mehrfach die Poller und Absperrungen vor der Moschee in Créteil, einem Ort im Südosten von Paris, gerammt, erklärte die Polizeipräfektur von Paris. Schließlich sei er mit seinem Auto mit hohem Tempo auf eine Verkehrsinsel gekracht und habe die Flucht ergriffen. Die Polizei habe ihn später "ohne Zwischenfall" in seinem Wohnhaus festgenommen. Die Wohnung wurde durchsucht, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.

Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlungskreisen erfuhr, machte der Mann "verwirrte Äußerungen mit Bezug auf Attentate", die in Frankreich seit 2015 von Dschihadisten begangen worden waren. Nach Angaben der Justizbehörden stand der Angreifer während seiner Tat nicht unter Alkoholeinfluss.

Von einer anderen Quelle in Ermittlungskreisen hieß es, bei dem Festgenommenen handele es sich um einen 43-jährigen Armenier. Er werde nun psychologisch untersucht. Der Täter war wegen eines kleineren Vergehens bereits polizeibekannt.

Frankreichs Innenminister Gérard Collomb erklärte, die "genauen Motive" des Täters müssten noch ermittelt werden. Der Pariser Polizeipräfekt Michel Delpuech kündigte an, "alles in die Wege" zu leiten, um die Beweggründe des Angreifers und seine strafrechtliche Verantwortung zu klären.

Der Leiter der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, nannte die Tat in Créteil eine "kriminelle Aggression" und einen "islamophoben Akt".

Auch der Französische Islamrat (CFCM) reagierte besorgt. "Was in Créteil passiert ist, scheint die Befürchtungen zu rechtfertigen, die ich nach der Attacke in der Nähe der Moschee von Finsbury Park in London geäußert hatte", sagte der Präsident der Nationalen Beobachtungsstelle gegen Islamophobie im Islamrat, Abdallah Zekri, der Nachrichtenagentur AFP. Er rief zu "mehr Wachsamkeit der Moschee-Verantwortlichen" auf und verlangte von den Sicherheitsbehörden einen besseren Schutz von Gebetsstätten.

Am 19. Juni war ein Mann in eine Menschenmenge nahe der Londoner Finsbury-Park-Moschee gefahren und hatte etwa ein Dutzend Menschen verletzt. Augenzeugen zufolge rief der 48-jährige Fahrer, er wolle "alle Muslime töten".

In Frankreich wurden bei islamistischen Anschlägen seit Anfang 2015 insgesamt 239 Menschen getötet. In dem Land herrscht weiter der Ausnahmezustand.

AFP

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