Das Tor des Himmlischen Friedens mit einem Porträt des Diktators Mao Zedong
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Das Tor des Himmlischen Friedens mit einem Porträt des Diktators Mao Zedong

China: das Leben des „Großen Vorsitzenden“ Mao

Mao Zedong: Revolutionär, Diktator und Kultfigur

Mao Zedong: Leben, politische Karriere und kulturelle Bedeutung des kommunistischen Diktators.

Mao Zedong gehört zu einer Handvoll kommunistischer Aktivisten, die vor 100 Jahren eine kleine Parteizelle gründeten. Diese Partei regiert inzwischen seit gut 70 Jahren ganz China. Mao führte die Partei durch zwei Bürgerkriege und rief im Oktober 1949 in Peking die Volksrepublik China aus.

Die Kommunistische Partei Chinas residiert heute in einer abgeschotteten historischen Anlage namens Zhongnanhai direkt neben dem alten Kaiserpalast, der Verbotenen Stadt, in Peking. Schon Mao residierte in dem Komplex. Von dort aus ließ er eine kommunistische Gesellschaftsordnung errichten und trieb die Industrialisierung mit teils rabiaten Methoden wie dem katastrophalen „Großen Sprung nach vorn“ voran. Auch säuberte immer wieder die Parteispitze von politischen Gegnern und ließ diese rigoros verfolgen. In den sechziger Jahren fühlte sich Mao von innerparteilicher Kritik in die Enge getrieben und trat die „Große Proletarische Kulturrevolution“ los, die China für zehn Jahre ins Chaos stürzte. Erst nach Maos Tod im Jahr 1976 begab sich das Land unter seinen Nachfolgern auf einen Modernisierungspfad.

Mao wird für bis zu 80 Millionen Tote verantwortlich gemacht: Der „Große Sprung“ führte zu einer Hungersnot gewaltigen Ausmaßes, und auch während der Wirren der Kulturrevolution kamen viele Chinesen ums Leben. Trotz allem genießt Mao in China als Staatsgründer noch heute einen gewissen Kultstatus, denn er gilt nach einem Jahrhundert der Erniedrigungen durch ausländische Mächte als Begründer eines unabhängigen Chinas. Seit Anfang des Jahrtausends prangt Maos Gesicht auf jedem Geldschein. Es hat sich das Mantra durchgesetzt, Maos Taten seien „zu 70 Prozent gut, und zu 390 Prozent schlecht“ gewesen.

Mao Zedong – Kindheit und Jugend im chinesischen Kaiserreich

Mao Zedong wurde am 26.12.1893 in eine wohlhabende Bauernfamilie in Shaoshan in der zentralchinesischen Provinz Hunan hineingeboren. Seine Eltern bekamen insgesamt sieben Kinder; der kleine Zedong überlebte als eines von nur dreien. Mao besuchte als Jugendlicher viele verschiedene Schulen und machte dort mitunter Diskriminierungserfahrungen aufgrund seiner bäuerlichen Herkunft.

Maos Jugend fiel noch in die Zeit des Kaiserreichs, das erst mit der Abdankung des letzten Mandschu-Kaisers im Jahr 1911 endete. Das Kaiserreich war zu jener Zeit zutiefst zerrüttet. Die herrschende mandschurische Qing-Dynastie war korrupt und führungsunfähig; das Land und große Teile seiner Bewohner litten unter dramatischer Armut. Ausländische Mächte - darunter zunächst vor allem Großbritannien, später insbesondere Japan - stellten eine konstante Bedrohung für China dar. Mao entwickelte bald eine Abneigung gegen die Kaiserdynastie und schloss sich 1911 bereits im Alter von 18 Jahren einem Protestmarsch gegen die Kaiser an. Wenig später kam es schließlich zum Ende der Kaiserdynastie, und China wurde erstmals zur Republik.

Mao Zedong – Entwicklung hin zum Kommunismus

Aufgrund der dauernden Bedrohung Chinas durch kapitalistisch geprägte ausländische Staaten kamen manche chinesische Reformer und Revolutionäre in der frühen Republikzeit zu dem Schluss, nur eine kommunistische Gesellschaftsordnung könne die Probleme des Landes lösen. Zu ihnen gehörte auch Mao Zedong. Dieser hatte sich bereits zu Schulzeiten mit kommunistischer Literatur beschäftigt und war dabei unter anderem von seinem Lehrer Yang Changji (*21.04.1871, †1920) unterstützt worden.

Als Student organisierte und beteiligte sich Mao immer wieder an politischen Aktionen. Unter anderem gründete er eine kommunistisch geprägte Studentenzeitung, die so großes Aufsehen erregte, dass sie von der nationalistischen Regierung verboten wurde. Im Jahr 1921 gründete er mit einigen anderen Revolutionären schließlich die Kommunistische Partei Chinas.

Mao Zedong – Kommunisten und Nationalisten nach 1911

Der große Antagonist der Kommunisten in jener Zeit war die nationalistische Partei Kuomintang (KMT). Unter Sun Yat-sen hatte die KMT auf das Ende der Kaiserdynastie gedrängt; sie stellte die erste republikanische Regierung Chinas. Allerdings konnte auch die KMT das Land nie vollständig einen, unter anderem verfolgten so genannte Warlords im Norden des Landes ihre eigene Agenda. In jener Zeit arbeiteten KMT und Kommunisten immer wieder zusammen in ihrem Wunsch, eine funktionsfähige Republik aufzubauen.

Unter Suns Nachfolger Chiang Kai-shek (*31.10.1887, †1975) aber rückte die KMT nach rechts. Dadurch nahmen die Konflikte mit den Kommunisten zu. Innerhalb des Bündnissystems zwischen Kuomintang und KPCh kam es zu Machtkämpfen, die immer öfter auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führten. Die KMT stellte damals die Regierung in der Stadt Nanjing, und Chiang ließ immer mehr Kommunisten verfolgen, inhaftieren und ermorden.

Mao Zedong – Chinesischer Bürgerkrieg und Langer Marsch

Im Jahr 1927 brach infolgedessen schließlich Bürgerkrieg zwischen beiden Parteien aus. Die Kommunisten gründeten einen bewaffneten Arm, um ihre Kämpfer militärisch zu organisieren. Der Konflikt sollte insgesamt über 20 Jahre andauern und weitreichende Folgen für China haben. Die KMT bekämpfte die Kommunisten, deren Kämpfer sich immer wieder neu gruppieren mussten und schließlich weitgehend aus den Städten zurückzogen.

Einen Höhepunkt des Krieges stellte der sogenannte „Lange Marsch“ dar, ein Fluchtmarsch der Kommunisten aus dem Hügelgebiet Jinggangshan nach Yanan in den kargen Norden des Landes. Über zwei Jahre ab 1934 wanderten die Kommunisten mit ihren Kämpfern durch unwegsames Gelände Westchinas, immer wieder unter Attacken der KMT-Armee. Der Lange Marsch forderte Tausende Todesopfer forderte. Obwohl von den anfangs aufgebrochenen rund 100.000 Menschen nur etwa ein Zehntel überlebte, galt der „Lange Marsch“ später als Grundlage für einen Heldenmythos um Mao. Mao setzte sich während des Marsches in einem Konflikt um die richtige Taktik endgültig an die Spitze der Partei.

Mao Zedong – politischer Aufstieg

Im Jahre 1937 kam es zu einem erneuten Bündnis zwischen der KPCh und der Kuomintang. Grund dafür war der japanische Angriff auf China, der das gesamte Land bedrohte. Der gemeinsame Feind überspielte für eine Zeitlang die Konflikte zwischen den Parteien. Mao Zedong baute indessen seine Machtposition innerhalb der KPCh immer weiter aus und wurde schließlich offiziell zum Parteivorsitzenden gewählt.

Nach den US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945 brach die japanische Militäroperation zusammen. Tokio kapitulierte und zog sich vollständig aus China zurück. Die militärischen Auseinandersetzungen mit Japan hatten die Nationalisten so stark geschwächt, dass die Kommunisten im danach wieder aufflammenden Bürgerkrieg die Oberhand gewannen. Sie hatten während des Krieges gegen Japan eine Guerilla in ländlichen Regionen aufgebaut, die sie nun gegen die KMT-Armee einsetzten.

Als klar wurde, dass die Kommunisten den Bürgerkrieg gewinnen würden, floh Chiang Kai-shek mit den verbliebenen KMT-Truppen auf die Insel Taiwan. Dort gründete er die Republik China, die er bis zu seinem Tod mit harter Hand regierte. Auf dem Festland gründete Mao Zedong am 01.10.1949 die kommunistische Volksrepublik China.

Mao Zedong – Politische Maßnahmen und Kampagnen

Mao Zedong ergriff nach der Machtübernahme zahlreiche politische Maßnahmen zur kommunistischen Neuordnung von Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei setzte er immer wieder auf Kampagnen und einen revolutionären Politikstil - der teilweise katastrophale Folgen hatte.

  • Bodenreform (1949-1952)
  • Hundert-Blumen-Bewegung (1956-1957)
  • Der Große Sprung nach vorn (1959-1962)
  • Kulturrevolution (1966-1976)

Mit der Bodenreform verteilten die Kommunisten den Landbesitz neu - mit dem Ziel, das Land reicher Grundbesitzer an kleine Bauern zu geben. Reiche Landbesitzer wurden zwangsenteignet und ihr Landbesitz den armen Bauern übergeben. Es war eine grundsätzlich soziale Idee, die jedoch in der Umsetzung zu Gewaltakten und Todesopfern in der Bevölkerung führte. Denn Mao Zedong schürte den Hass der benachteiligten Kleinbauern gegen die Landbesitzer und forderte sie dazu auf, sich, wenn nötig, auch gewaltsam Landbesitz zu verschaffen. Vielfach wurden einstige Großgrundbesitzer dabei von armen Bauern umgebracht. Später wurde sämtliches Land verstaatlicht; alle Bauern wurden in Volkskommunen zusammengefasst, die sie gemeinsam als Arbeiter bewirtschafteten.

Mit der Hundert-Blumen-Bewegung forderte Mao die chinesische Bevölkerung dazu aufforderte, politische Meinungen frei zu äußern und Kritik am politischen System zu üben. Als jedoch immer mehr kritische Stimmen gegen Mao selbst und die Partei laut wurden, verwandelte die Initiative sich schnell in die so genannte „Anti-Rechtsabweichler-Kampagne“. Wer sich kritisch gegenüber Mao geäußert hatte, wurde nun zum „Rechtsabweichler“ abgestempelt, von der Regierung verfolgt, inhaftiert, in Arbeitslager verschleppt oder ermordet.

Der „Große Sprung nach Vorn“ war eine Kampagne zur Industrialisierung Chinas. Statt Landwirtschaft zu betreiben, sollten die chinesischen Bauern von 1959 an nur noch Stahl produzieren und das Land somit wettbewerbsfähig mit den anderen Industrieländern der Welt machen. Unter anderem wollte Mao schnellstmöglich die Sowjetunion überholen. Dieser Versuch, einen industriellen Aufschwung zu erzwingen, scheiterte jedoch kläglich. Aufgrund der Arbeit in der Stahlverarbeitung konnten die Bauern ihre Felder nicht mehr genügend bewirtschaften, was schlussendlich zur größten Hungersnot der Menschheitsgeschichte führte. Die Anzahl der Todesopfer wird heute auf bis zu 45 Millionen Menschen geschätzt.

Inmitten dieser Katastrophe legte die Regierungsämter nieder, und Liu Shaoqi (*24.11.1898, †1969) wurde Staatspräsident. Mao hatte jedoch weiterhin die Führung der Kommunistischen Partei Chinas inne und damit großen Einfluss auf das politische Geschehen. In den sechziger Jahren trat er die „Große Proletarische Kulturrevolution“ los, um Kritiker innerhalb der Partei loszuwerden. Diese führte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten und zu einem beispiellosen Chaos. Schulen und Universitäten schlossen, denn Jugendliche wurden zur Arbeit aufs Land geschickt - oder terrorisierten als „Rote Garden“ im Auftrag Maos das Land. Kinder denunzierten ihre Eltern, Nachbarn einander, verschiedene Gruppen Roter Garden lieferten sich gewaltsame Gefechte.

Mao stellte sich in den Wirren gegen den von ihm selbst ernannten Liu, der schließlich in Haft Selbstmord beging. Auch der dann als Kronprinz auserkorene Lin Biao starb bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz. Maos Ehefrau Jiang Qing scharte drei Extremisten um sich, die als so genannte „Vierbande“ immer wieder neue radikale Kampagnen anstießen. Erst mit Maos Tod 1976 und der Inhaftierung der „Viererbande“ beruhigte sich die Lage.

Mao Zedong – Ehefrauen, Kinder und Vermächtnis

Mao Zedong war viermal verheiratet und bekam mit seinen letzten drei Ehefrauen insgesamt zehn Kinder. Viele davon überlebten das Kindesalter nicht, wurden von politischen Gegnern verschleppt oder sind verschollen. Mao soll zudem zahlreiche außereheliche Verhältnisse gehabt haben, aus denen vermutlich weitere Kinder hervorgingen. Berichten zufolge verhielt er sich ähnlich seinen Frauen und Kindern gegenüber gefühlskalt und rücksichtslos.

Am 9. September 1976 starb Mao Zedong im Alter von 82 Jahren. Seine letzten Jahre verbrachte er bereits als schwerkranker Mann. Die Todesursache war fortgeschrittener Muskelschwund. Nach Maos Tod beendete die Partei die Kulturrevolution. Seine Nachfolger - allen voran der Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping - starteten eine Öffnung zum Ausland und eine auf Regeln und Institutionen basierende Regierung. Eine politische Liberalisierung aber lehnten alle Parteichefs seit Mao ab.

Also regiert auch heute noch die KPCh das Land. Mao auch heute noch einen Sonderstatus in China und wird mitunter noch immer als Heldenfigur verehrt. Sein Porträt hängt bis heute am Tor des Himmlischen Friedens vor der Verboteten Stadt und ziert sämtliche Geldscheine. Seit seinem Tod sind zahlreiche Bücher mit Zitaten und Schriften des Diktators erschienen.

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