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Marinechef-Eklat: Ex-Generalinspekteur Kujat deckt Schönbach den Rücken - „hätte versucht es zu verhindern“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, tritt als Aufsichtsratsvorsitzender von Heckler & Koch zurück. Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, tritt als Aufsichtsratsvorsitzender von Heckler & Koch zurück. Foto: Wolf von Dewitz/dpa © Wolf von Dewitz

Im Ukraine-Konflikt ernteten die Äußerungen des deutschen Marinechefs Schönbach harte Kritik. Ex-Generalinspekteur Kujat stellte sich nun hinter den Vizeadmiral.

München - Die Aussagen des deutschen Marinechefs Kay-Achim Schönbach zum Ukraine-Konflikt mit Russland wurden ihm zum Verhängnis und sorgten für mächtig Wirbel. Er redete die Bedrohung durch den russischen Truppenaufmarsch öffentlich klein und sprach zudem darüber, dass der russische Machthaber Wladimir Putin Respekt verdiene.

Schnell verbreitete sich das Video in den sozialen Medien und machte internationale Schlagzeilen. Besonders die Ukraine im Visier russischer Aggression reagierte empört. Dass sich Berlin weigert, Waffen an die ukrainische Armee zu liefern, bereitet in Beziehungen mit Kiew schon genug Probleme. Schönbachs Worte brachten das Fass aus der Perspektive Kiews jetzt vollständig zum Überlaufen. Der Marinechef musste zurücktreten. Rückendeckung erhielt er nun vom Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat.

Schönbach-Eklat: Ex-Generalinspekteur Kujat nimmt Vizeadmiral in Schutz - „schilderte Position der USA“

„Wenn ich noch im Amt wäre, hätte ich mich vor Admiral Schönbach gestellt, und ich hätte versucht, seine Entlassung zu verhindern - und zwar mit allen Mitteln“, sagte der ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur Harald Kujat gegenüber tagesschau24 und widersprach dem Umgang mit dem Fall.

Ihm zufolge entsprechen Vorwürfe des Dienstvergehens gegen Schönbach nicht der Wahrheit. „Ein Dienstvergehen hätte er begangen, wenn er gegen das Soldatengesetz verstoßen hätte und das Ansehen der Bundeswehr oder die Achtung und das Vertrauen, dass seine dienstliche Stellung erfordern, ernsthaft beeinträchtigt hätte“, unterstrich Kujat trotz der Aussagen von Schönbach, die als Verharmlosung der russischen Aggression wahrgenommen wurden.

Laut dem Ex-Generalinspekteur ist zwar die Kritik an der Art der Formulierungen Schönbachs gerade in einer „aufgeheizten Situation“ berechtigt, doch der jetzt Ex-Marinechef habe lediglich die US-Position und damit die des „engsten Verbündeten“ Deutschlands reflektiert. In Verbindung damit sieht Kujat kein Problem etwa bei Schönbachs Worten darüber, dass Putin die Ukraine nicht angreifen wolle, sondern nur „Respekt auf Augenhöhe“ anstrebe. Auch hier habe der Vizeadmiral geschildert, was die USA aktuell praktiziere.

Ukraine-Konflikt mit Russland: Ehemaliger Bundeswehr-Generalinspekteur hofft auf „vernünftiges Ergebnis“

Harald Kujat äußerte sich auch zu den jüngsten Spannungen mit Russland um die Ukraine. Mit Blick auf die Lage sprach er seine Hoffnung auf Deeskalation aus. „Es muss doch unser Interesse sein, zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen, zu deeskalieren und auch zu einer Entspannung zu kommen mit Russland und natürlich immer unter Berücksichtigung auch der Sicherheitsinteressen der Ukraine“, so der frühere Generalinspekteur. Dies sei „völlig klar“.

Anstatt immer über Krieg zu reden müsse darüber gesprochen werden, „wie ein Krieg verhindert werden kann“. „Will das wirklich jemand“, fragte er zu einem möglichen Krieg zwischen der Ukraine und Russland zur Kontrolle über die Krim. Schließlich habe sogar US-Präsident Joe Biden, so Kujat, militärische Mittel ausgeschlossen. In seinen Äußerungen hatte der ehemalige Marinechef Schönbach unter anderem gesagt, die Halbinsel Krim sei weg und werde nicht zurückkommen - ganz zum Schock der Ukraine.

Schönbach kriegt Rückendeckung von Kujat - Ex-Generalinspekteur offenbar Teil Kreml-naher Denkfabrik

Während Harald Kujat den ehemaligen Marinechef Kay-Achim Schönbach in Schutz nahm, schaltete sich der CDU-Politiker und Ex-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz mit einem kleinen, aber womöglich entscheidenden Hinweis zum Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr ein. „Kujat ist Aufsichtsrat des Jakunin-Instituts, einer Propaganda-Einrichtung des Kreml in Berlin“, kommentierte der ehemalige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages auf Twitter.

Was aber steckt nun hinter der als Jakunin-Institut bekannten Organisation für „Dialog der Zivilisationen“? Konkret handelt es sich dabei um eine Denkfabrik, die vom früheren russischen Eisenbahn-Chef und engen Putin-Vertrauten Wladimir Jakunin gegründet wurde. Finanziert wird das Institut laut Angabe der Pressesprecherin gegenüber der DW im Jahre 2018 hauptsächlich von Jakunin selbst und dem armenisch-russischen Geschäftsmann und Philanthrop Ruben Vardanian.

Der Name des Geschäftsmannes, der ebenfalls zum engen Kreis von Putin gehört, tauchte zuletzt 2019 bei einem gigantischen Geldwäsche-Skandal in Russland auf. Die damals von Vardanian geleitete Bank „Troika Dialog“ soll maßgeblich an einem großen Schema für Geldwäsche beteiligt gewesen sein, von dem wohl auch das Umfeld von Putin profitierte, wie die SZ zur Zeit des Skandals berichtete. (bb)

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