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Mariupol-Tunnelkomplex wird zur Festung - und zum Problem für Russland

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Von: Linus Prien

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Die letzten ukrainischen Truppen in Mariupol haben sich in Tunneln in einem Industriekomplex verschanzt. Die russischen Truppen haben Probleme mit der Eroberung dieser Gebiete.

Mariupol - Russland versucht weiterhin, das südostukrainische Mariupol einzunehmen. Russische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile weite Teile der Stadt. Einige der verbleibenden ukrainischen Kämpfer haben sich offenbar in den weitläufigen Industriegebieten verschanzt: Russische Stellen haben die Asow-Stahlwerke als wichtigste verbleibende Bastion der ukrainischen Streitkräfte ausgemacht. Das Terrain bietet vorteilhafte Bedingungen für die ukrainischen Truppen. Berichten zufolge könnten prorussische Einheiten jedoch zu extremen Mitteln übergehen.

Ukraine-Krieg: Ukrainischer Gouverneur spricht von 20.000 Toten in Mariupol

Die Stadt wird seit den ersten Tagen des eskalierten Ukraine-Konflikts heftig beschossen und belagert. Russische Truppen hatten unter anderem eine Kinderklinik und ein Theater, in dem Menschen Schutz suchten, zerstört. Mittlerweile scheint die Eroberung Mariupols durch die Angreifer unausweichlich.

Die verbliebenen ukrainischen Streitkräfte leisten jedoch weiter erbitterten Widerstand. Der ukrainische Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, sprach am Dienstag von 20.000 bis 22.000 Toten in Mariupol. Die Lage sei jedoch schwer zu überblicken. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Ukraine-Krieg: „Eine Stadt in der Stadt“ in Mariupol

Der Industriekomplex ist von Eisenbahnschienen, Lagerhäusern, Koksöfen und Schornsteinen geprägt. Dies stellt einen Vorteil für die ukrainischen Verteidiger dar. Das Terrain bietet zahlreiche Möglichkeiten für Hinterhalte und ermöglicht es mit seinen Tunneln, sich an vielen Orte zu verschanzen. Zudem sind Bombardements und Satellitenüberwachung weitestgehend nutzlos. Der deutsche Sender ntv berichtete, dass die unterirdischen Gänge bis zu 30 Meter tief gelegen sein sollen und sich angeblich über mehr als 20 Kilometer erstrecken: „Es ist eine Stadt in der Stadt, und es gibt mehrere unterirdische Ebenen aus der Sowjetzeit“, sagte der Vertreter der in Mariupol kämpfenden pro-russischen Separatisten, Eduard Bassurin.

Ukraine-Krieg: Die Gefahren der Tunnel

Doch der Rückzug in die Tunnel birgt auch seine Nachteile mit sich. Die Versorgungslage für die ukrainischen Truppen ist wahrscheinlich sehr schlecht. Zudem wird entsprechende Ausrüstung, wie Nachtsichtgeräte, nicht ausreichend vorhanden sein. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass Tunnel einstürzen. Die Kommunikation nach Außen ist dazu äußerst eingeschränkt.

Zwar würden die Verteidiger einen immensen Vorteil haben, sollten russische Truppen tatsächlich in die Tunnel eindringen. Die russischen Soldaten könnten jedoch auch zu anderen Mitteln greifen.

Eine Möglichkeit wäre es, die Tunnel zu fluten. Eine andere Möglichkeit, über die bereits in den vergangenen Tagen berichtet und spekuliert wurde, wäre der Einsatz von chemischen Waffen. Der prorussische Separatist Eduard Bassurin sprach unlängst davon, dass der Einsatz „chemischer Truppen“ eine Möglichkeit darstellen würde. Einen Einsatz von Chemiewaffen stritt er jedoch ab. Die USA und Großbritannien untersuchen derzeit die Sachlage. (lp/AFP)

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