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Russischer Soldat gesteht Kriegsverbrechen: Mord an Zivilisten in der Ukraine

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Von: Bedrettin Bölükbasi, Katharina Haase, Stephanie Munk, Fabian Müller

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Fast 1000 ukrainische Kämpfer sollen sich laut Russland in Mariupol ergeben haben. Droht der Stadt eine brutale Besatzung durch Tschetschenen? Der News-Ticker.

Update vom 18. Mai, 15.45 Uhr: In der ukrainischen Hauptstadt hat der erste Kriegsverbrecherprozess gegen einen russischen Soldaten begonnen (siehe vorheriges Update). Weitere Entwicklungen finden Sie in diesem News-Ticker zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg.

Ukraine-News: Russischer Soldat gesteht Kriegsverbrechen: Mord an Zivilisten in der Ukraine

Update vom 18. Mai, 15.05 Uhr: Angeklagt ist ein 21-Jähriger - der sich gleich zum Auftakt als schuldig bekannte: In Kiew hat an diesem Mittwoch der erste Kriegsverbrecherprozess gegen einen russischen Soldaten begonnen. Wadim Schischimarin gab vor einem Bezirksgericht zu, einen unbewaffneten Zivilisten erschossen zu haben. Das teilten ukrainische Behörden mit.

Schischimarin wird vorgeworfen, am 28. Februar im nordukrainischen Dorf Tschupachiwka aus einem Auto heraus einen 62-Jährigen erschossen zu haben. Der 21-Jährige wollte den Angaben zufolge nach einem Angriff auf seinen Konvoi mit vier Kameraden fliehen, ihr Auto war gestohlen. Das Opfer war demnach mit seinem Fahrrad unterwegs. Der Staatsanwaltschaft zufolge schoss Schischimarin auf Befehl eines seiner Kameraden mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr auf den 62-Jährigen, da dieser Zeuge des Auto-Diebstahls geworden war.

Ukraine-News: Kriegsverbrecherprozess im Ukraine-Krieg: „Mir wurde befohlen zu schießen“

„Mir wurde befohlen zu schießen, ich habe einmal auf ihn geschossen. Er fiel hin, und wir sind weitergefahren“, hatte Schischimarin in einem Anfang Mai von den ukrainischen Behörden veröffentlichten Video erklärt. Darin sagte er auch, er sei in die Ukraine gekommen, um „seine Mutter finanziell zu unterstützen“.

Der Kreml erklärte am Mittwoch, er verfüge über keine Informationen zu dem Fall. Schischimarins Anwalt Viktor Owsiannikow bezeichnete den Prozess als Herausforderung: „Es gibt keine einschlägige Rechtspraxis oder Urteile zu solchen Fällen.“ Dem Soldaten aus dem sibirischen Irkutsk droht eine lebenslange Haftstrafe wegen Kriegsverbrechen und Mordes.

Ukraine-Krieg-News: Moskau kündigt Einführung neuer Laserwaffe an

Update vom 18. Mai, 14.49 Uhr: Neue Hochleistungslaser für Putins Armee? Russland bringt sie nach eigenen Angaben gerade auf den Weg. Man baue sie „praktisch schon serienreif“, erklärte der russische Vizeregierungschef Juri Borissow laut der Nachrichtenagentur Tass an diesem Mittwoch.

Nach Borissows Darstellung hat die neue Laserwaffe eine Reichweite von fünf Kilometern und kann Drohnen in dieser Höhe abschießen. Das neue System wurde demnach am Dienstag getestet und soll eine Drohne innerhalb von fünf Sekunden verbrannt haben. Nun werde es langsam in die Streitkräfte eingeführt. „Die ersten Prototypen werden schon eingesetzt“, sagte Borissow.

Der Laser soll Luftabwehrraketen ersetzen, die deutlich teurer in der Anschaffung sind. Überprüfbar waren die Angaben nicht. Es wurden bei Borrisows Pressekonferenz nahe Moskau auch keine Bilder gezeigt.

Ukraine-Krieg: Human Rights Watch stellt neuen Kriegsverbrechen-Bericht vo

Update vom 18. Mai, 14.19 Uhr: Human Rights Watch sieht russische Kriegsverbrechen in der Nordostukraine als erwiesen an. Die internationale Menschenrechtsorganisation fand nach eigenen Angaben an 17 Orten Belege. Die Vorwürfe der NGO:

Für den neuen Bericht wurden insgesamt 65 Überlebende, Familienmitglieder und andere Zeugen zwischen dem 10. April und dem 10. Mai befragt. Menschen seien wegen des Besitzes von funktionierenden Handys, alter Militäruniformen oder wegen des Verdachts, beim ukrainischen Militär gewesen zu sein, erschossen worden.

Vor ihrem Abzug hätten russische Soldaten vor allem Männer teils willkürlich getötet. Es sei selbst auf spielende Kinder geschossen worden. Festgenommene mussten demnach auf engstem Raum in kalten Kellern teils ohne Nahrung ausharren. Eimer dienten als Toiletten. Die überlebenden Opfer beschrieben dabei Folter mit Elektroschockern und Scheinexekutionen.

„Die zahlreichen Gräueltaten“ seien „rechtswidrig und grausam“, sagte der Europa- und Zentralasien-Direktor der Organisation, Giorgi Gogia. Er forderte sofortige Untersuchungen und Gerichtsverfahren.

Ukraine-Krieg-News: Cousin von Putin-„Bluthund“ Kadyrow soll Herrschaft über Mariupol bekommen

Update vom 18. Mai, 11.54 Uhr: Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums hat Russland offenbar den Cousin des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrov, Adam Delimkhanow, als Befehlshaber in Mariupol eingesetzt. Kadyrow selbst gilt als brutaler Machthaber und Putin treu ergeben. Oft wird er wegen seiner berüchtigten Grausamkeit als Putins „Bluthund“ bezeichnet. Der ohnehin schon völlig zerstörten Stadt Mariupol könnte mit der Entsendung seines Cousins eine brutale Regentschaft drohen.

Nach einem Bericht von Bild gibt es Hinweise, dass Putin die Führung der belagerten Stadt sogar komplett den tschetschenischen Paramilitärs überlassen will. Darüber berichte die ukrainische Online-Zeitung Ukrainska Pravda  und berufe sich dabei auf Aussagen des Bürgermeister-Beraters von Mariupol, Petro Andriuschtschenko. Dieser habe via Telegram geschrieben, ihm sei von russischer Seite mitgeteilt worden, dass die neuen „Aufseher“ von Mariupol Tschetschenen sein sollen.

„Mariupol erwies sich als zu unfreundlich und nationalistisch. Um den Widerstand einzuschüchtern und zu unterdrücken, wird Mariupol an die Kadyrowisten übergeben. Einschließlich des Hafens und des Rechts zu plündern. Wir haben jetzt eine teilweise Bestätigung dafür erhalten“, schrieb Andriuschtschenko demnach auf Telegram.

Putin würde im Ukraine-Krieg auch vermehrt Kämpfer aus Tschetschenien einsetzen, um die Verluste bei den eigenen Truppen zu kompensieren, heißt es aus dem britischen Verteidigungsministerium. Sie bestünden wahrscheinlich sowohl aus Freiwilligen als auch aus Einheiten der Nationalgarde, die ansonsten zum Schutz der Herrschaft von Machthaber Kadyrow dienen (siehe auch Update vom 18. Mai, 9.18 Uhr).

Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow (r.) und sein Cousin Adam Delimkhanov
Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow (r.) und sein Cousin Adam Delimkhanov © Yelena Afonina/Imago

Update vom 18. Mai, 11.02 Uhr: Wie viele Kämpfer sich aktuell noch auf dem weitläufigen Werksgelände von Asowstal in Mariupol aufhalten, ist derzeit unklar. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge sollen es vor Beginn der Evakuierungsmission zwischen 1000 und 2500 gewesen sein. Die letzten Zivilisten waren bereits vor rund eineinhalb Wochen mit internationaler Hilfe in Sicherheit gebracht worden.

Russland nennt neue Asowstahl-Zahlen: Droht Ukraine-Soldaten nun „Nazi-Schauprozess“ in Moskau?

Update vom 18. Mai, 10.16 Uhr: In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol haben sich russischen Angaben zufolge seit Wochenbeginn 959 ukrainische Kämpfer aus dem belagerten Stahlwerk Azovstal ergeben. Unter ihnen seien 80 Verletzte, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch laut Agentur Interfax mit.

Von ukrainischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung für diese Zahl. Russlands Verteidigungsministerium veröffentlichte im Online-Dienst Telegram auch ein Video, das einige der sich ergebenden Männer und Frauen zeigen soll. Einige von ihnen liefen auf Krücken gestützt, trugen Verbände oder humpelten.

Die Ukraine hofft auf einen Austausch der ukrainischen Kämpfer aus dem Stahlwerk in Mariupol gegen russische Kriegsgefangene. Russlands Militär ließ einen solchen Schritt zunächst offen.

Zu befürchten ist, dass Russland die gefangengenommenen Kämpfer mit dem Tode bestraft. Dahingehende Aussagen aus der russischen Duma lassen aufhorchen: Der Vorsitzende des russischen Unterhauses, Wjatscheslaw Wolodin, forderte beispielsweise, dass „Nazi-Kriminelle“ nicht für Gefangenenaustausche infrage kommen sollten. „Nazi-Verbrecher unterliegen keinem Austausch. Das sind Kriegsverbrecher, und wir müssen alles dafür tun, sie vor Gericht zu bringen.“

Im Nachrichtensender ntv sagte der Moskau-Korrespondent des Senders, Rainer Munz, man müsse „mit dem Schlimmsten rechnen, was passieren könnte.“ Es sei möglich, dass Putins Regierung das auch international teils mit großer Skepsis beäugte Asow-Regiment zur Terrororganisation erklärte und eine Art „Nazi-Schauprozess“ veranstalte. Moskau hat die Verteidiger des Asow-Stahlwerks wiederholt als Nazis bezeichnet.

Briten sehen „erhebliche Probleme“ bei Putins Armee im Ukraine-Krieg: Hilfstruppen und Mariupol-Frust

Update vom 18. Mai, 9.18 Uhr: Die russische Armee hat britischen Erkenntnissen zufolge im Ukraine-Krieg große Probleme beim Nachschub und der Truppenverstärkung. Russland müsse viele Hilfstruppen einsetzen, um den ukrainischen Widerstand zu brechen - darunter tausende Kämpfer aus der autonomen Teilrepublik Tschetschenien, teilte das Verteidigungsministerium in London am Mittwoch mit. „Der Kampfeinsatz so unterschiedlichen Personals zeigt die erheblichen Ressourcenprobleme Russlands in der Ukraine und trägt wahrscheinlich zu einem uneinheitlichen Kommando bei, das die russischen Operationen weiterhin behindert.“

Obwohl russische Truppen die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol mehr als zehn Wochen eingekreist hatten, habe heftiger ukrainischer Widerstand eine vollständige russische Kontrolle verhindert. Dies habe zu Frust und hohen Verlusten der russischen Truppen geführt, hieß es unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Das Stahlwerk der eroberten Hafenstadt Mariupol ist zum Sinnbild des Widerstands geworden.

Die tschetschenischen Kräfte würden vornehmlich um die umkämpfte Hafenstadt Mariupol sowie im ostukrainischen Gebiet Luhansk eingesetzt. Sie bestünden wahrscheinlich sowohl aus Freiwilligen als auch aus Einheiten der Nationalgarde, die ansonsten zum Schutz der Herrschaft von Machthaber Ramsan Kadyrow dienen.

Ukraine-Krieg: Lage in Mariupol bleibt unklar - 260 Soldaten aus Stahlwerk in russischer Gefangenschaft

Update vom 18. Mai, 6.19 Uhr: Nach der Evakuierung von gut 260 ukrainischen Soldaten aus dem Asow-Stahlwerk in Mariupol bleibt die Lage der verbliebenen Verteidiger der Stadt in der riesigen Industrieanlage unklar. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in der Nacht zum Mittwoch, in die Anstrengungen zu ihrer Rettung seien einflussreiche internationale Vermittler eingeschaltet. Im Osten der Ukraine gehen die Kämpfe weiter, in anderen Regionen gibt es russische Luftangriffe.

Die gut 260 Soldaten, die das Azovstal-Werk in der Nacht zum Dienstag verließen, begaben sich dabei in russische Gefangenschaft. Kiew hofft auf einen späteren Austausch gegen russische Kriegsgefangene, Russlands Militär ließ einen solchen Schritt zunächst offen. Moskau veröffentlichte ein Video, das die Gefangennahme der Ukrainer, medizinische Behandlung sowie den Abtransport von Verletzten zeigen soll. Gut 50 der Soldaten sollen schwer verwundet sein.

Russischer Vize-Regierungschef im besetzen Gebiet Cherson -Anbindung an Russland geplant

Russland zeigt sich entschlossen, das besetzte Gebiet Cherson in der Südukraine an sich zu binden. Die Region um die Hafenstadt werde einen „würdigen Platz in unserer russischen Familie“ einnehmen, sagte Russlands Vize-Regierungschef Marat Chusnullin bei einem Besuch in Cherson am Dienstag. Man werde künftig zusammenleben und -arbeiten, zitierte ihn die russische Staatsagentur Ria Nowosti. Die ukrainische Regierung zeigt sich dagegen überzeugt, dass eine Russifizierung des Gebiets Cherson scheitern werde.

In dem zwischen russischen und ukrainischen Truppen umkämpften Gebiet Donezk sind am Dienstag nach Behördenangaben sieben Zivilisten getötet worden. Sechs weitere seien verletzt worden, teilte der ukrainische Militärgouverneur Pawlo Kyrylenko beim Nachrichtendienst Telegram mit. Er warf russischen Truppen vor, die Menschen getötet zu haben. Selenskyj zählte Raketenangriffe und Bombardements in den Gebieten Lwiw, Sumy, Chernihiv und Luhansk auf. Das russische Militär wolle damit die Misserfolge im Osten und Süden kompensieren.

Update vom 17. Mai, 21.25 Uhr: Russische Behörden in zwei Regionen haben am Dienstag im Ukraine-Krieg Beschuss von ukrainischem Territorium aus gemeldet. Im Gebiet Belgorod sei eine Person in einem Dorf leicht verletzt worden, sagte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow der Nachrichtenagentur Tass zufolge. Im Gebiet Kursk sei ein Grenzposten beschossen worden. Nach ersten Erkenntnissen sei niemand zu Schaden gekommen, teilte der Kursker Gouverneur Roman Starowoit mit. Der Grenzposten sei seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine bereits zum vierten Mal beschossen worden, hieß es.

Russland berichtete bereits wiederholt von Angriffen aus der Ukraine in Grenzgebieten, unter anderem auf Mineralöl-Infrastruktur. Ukrainische Behörden wollten damals weder bestätigen noch dementieren, dass ihr Militär hinter den Attacken stecke.

Ukraine-Krieg: EU-Außenbeauftragter berichtet von „Weltrekord bei Verlusten“ in russischer Armee

Update vom 17. Mai, 20.42 Uhr: Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben russische Soldaten vor der Großstadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes zurückdrängen können. Der Generalstab teilte in seinem Lagebericht mit: „Nahe der Ortschaft Syrotyne haben die russischen Eroberer Verluste erlitten und sich zurückgezogen.“

Auch in der Region Luhansk habe es militärische Erfolge gegeben. Der Gouverneur Serhij Hajdaj sprach zwar davon, dass mehrere Häuser in Girske und Solotoje durch Artilleriebeschuss zerstört worden seien, die Russen sich aber von dort hätten zurückziehen müssen. „Die Verluste des Feindes sind hoch“, schrieb Hajdaj in seinem Telegram-Kanal. Die Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Die russische Seite berichtet unterdessen von zahlreichen Raketenangriffen auf verschiedene Landesteile der Ukraine. Ziele seien ukrainische Reservisten und ausländische Militärtechnik gewesen, Waffenlieferungen aus den USA und Europa seien dabei zerstört worden, so ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. In den vergangenen 24 Stunden seien mehr als 470 ukrainische Kämpfer getötet worden. Auch diese Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Derweil berichtet der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell von „beeindruckenden Verlusten“ der russischen Armee. „Wenn es stimmt, dass Russland seit Beginn des Krieges 15 Prozent seiner Truppen verloren hat, ist das ein Weltrekord bei Verlusten für eine Armee bei einem Einmarsch in ein Land“, so Borrell nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel. Er wage es nicht, eine Hypothese darüber aufzustellen, wie lange Russland solche Verluste verkraften könne.

Scheitert Gefangenenaustausch? Russischer Unterhändler fordert Todesstrafe für Asow-Kämpfer

Update vom 17. Mai, 16.28 Uhr: Die ukrainische Regierung plant einen Austausch gefangen genommener Soldaten. Darunter sollen sich auch die rund 260 Soldaten aus dem Stahlwerk Asowstal befinden. Mehr als 50 von ihnen, teils schwer verwundet, sind in der Zwischenzeit nach russischen Angaben nach Nowoasowsk, etwa 40 Kilometer östlich von Mariupol, gebracht worden. Dort sollen ihre Wunden behandelt werden. 200 weitere Kämpfer waren nach Oleniwka gebracht worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in seiner täglichen Videoansprache unterdessen, die Ukraine brauche ihre Helden lebend zurück. Doch die russische Seite geht allem Anschein nach nicht auf die Pläne ein. Es gibt Berichte über ein Verbot eines Gefangenenaustauschs, sogar über Todesstrafe wird in dem Land offen debattiert.

Der Sprecher des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, verkündete während einer Sitzung des Parlaments, die ukrainischen „Nazi-Verbrecher“ sollten nicht gegen gefangene Russen ausgetauscht werden, ein entsprechender Beschluss solle vorbereitet werden. Wolodin wurde in der Folge noch deutlicher: „Das sind Kriegsverbrecher und wir müssen alles tun, um sie vor Gericht zu stellen.“

Der russische Unterhändler Leonid Slutski soll derweil die Todesstrafe für die ukrainischen Gefangenen gefordert haben. Die Asow-Kämpfer hätten kein Recht auf Leben, so Slutski. „Sie verdienen es nicht zu leben angesichts der monströsen Menschenrechtsverbrechen, die sie begangen haben und die sie weiterhin an unseren Gefangenen begehen“, so der Unterhändler, der für Russland mit der Ukraine verhandelt. Die Todesstrafe wird in Russland derzeit nicht vollstreckt, der ehemalige Präsident Dmitri Medwedew brachte die Wiedereinführung aber nach Beginn des russischen Angriffskriegs wieder ins Spiel.

Ukraine-Russland-News: Deal in Mariupol läuft - Putin wirft Westen „Krieg“ vor

Update vom 17. Mai, 14.00 Uhr: Es ist die letzte Bastion in Mariupol: das Stahlwerk Azovstal. Seit Wochen harren ukrainische Soldaten in dem Industriegebiet aus, nun sollen die letzten von ihnen gerettet werden. „Wir arbeiten an weiteren Etappen der humanitären Operation“, schrieb die ukrainische Vize-Regierungschefin, Iryna Wereschtschuk, am Dienstag auf Telegram.

Bei der Evakuierung gibt es offenbar einen Deal zwischen Kiew und Moskau. Die 52 Schwerverletzten, die am Montag aus dem Stahlwerk herausgebracht wurden, würden bald gegen russische Kriegsgefangene ausgetauscht, sagte sie. Von russischer Seite gab es dafür weiter keine Bestätigung. Am Vortag ergaben sich insgesamt rund 260 Ukrainer, die sich zuvor im Werksgelände verschanzt hatten. Das Verteidigungsministerium in Kiew begründete den Schritt mit der „Erfüllung der Kampfaufgaben“.

Ukraine-Russland-News: Putin wie ein General - Kreml-Chef greift nun offenbar direkt ein

Erstmeldung: München - Im Ukraine-Krieg dauern die schweren Zusammenstöße zwischen dem ukrainischen Militär und russischen Truppen an. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Die Gefechte im Osten der Ukraine setzten Russland dabei stark zu. Bislang hatten russische Truppen keinen Erfolg, die zahlenmäßig unterlegenen ukrainischen Soldaten einzukesseln, während ukrainische Einheiten in Charkiw vorrücken.

Darüber hinaus verliert Russland extrem viele Soldaten sowie militärische Ausrüstung, etwa bei dem Versuch, den Fluss Siwerskyj Donez zu überqueren, was aber in einem Debakel endete. So zeigten Luftfotografien aus dem Gebiet mehr als 70 zerstörte russische Militärfahrzeuge auf beinahe einem Fleck. Der große, von Moskau erwartete Erfolg im Donbass bleibt bislang aus.

Ukraine-Krieg: Putin greift in Kämpfe ein - „Entscheidungen wie Oberst oder Brigadegeneral“

Ein Bericht der britischen Zeitung The Guardian legt nun nahe, dass der Grund für das militärische Desaster der russischen Armee direkt im Kreml selbst liegen könnte. Demnach ist der russische Machthaber Wladimir Putin persönlich stark in die Kampfhandlungen verwickelt und trifft sogar taktische Entscheidungen, die die Bewegung von russischen Soldaten auf dem Feld vorgeben, wie die britische Zeitung unter Berufung auf anonyme westliche Quellen berichtete.

Putin sei dabei gemeinsam mit dem Generalstabschef Waleriy Gerasimow an diesem Prozess beteiligt. „Wir denken, dass Putin und Gerasimow in die taktische Beschlussfassung auf einem Level involviert sind, den wir normalerweise von einem Oberst oder Brigadegeneral erwarten würden“, gab eine westliche Militärquelle gegenüber The Guardian an.

Dabei operiere das russische Militär eigentlich keineswegs in solch einer Weise, schrieb die Zeitung. Doch die stockende Invasion in der Ukraine habe das russische Militär beispielsweise gezwungen, Generäle näher an die Frontlinie zu schicken. Laut dem ukrainischen Militär wurden bislang 12 russische Generäle bei Gefechten getötet.

Zudem soll Putins Eingreifen nicht sonderlich hilfreich sein. Militärexperte Ben Barry sagte dem Guardian: „Ein Regierungschef sollte Besseres zu tun haben, als militärische Entscheidungen zu treffen. Er sollte die politische Strategie festlegen, anstatt sich im Tagesgeschäft zu verzetteln“.

Ukraine-Krieg: Evakuierung aus Asowstal - Russland und Ukraine wollen Soldaten austauschen

Indes wurden aus dem seit Wochen von Russland belagerten Asowstal-Stahlwerk in Mariupol mehr als 260 ukrainische Soldaten evakuiert und in russisch kontrolliertes Gebiet gebracht. 53 Schwerverletzte seien zur Behandlung nach Nowoasowsk und 211 weitere Soldaten nach Oleniwka gebracht worden, erklärte das ukrainische Verteidigungsministerium. Die Bemühungen zur Evakuierung der verbliebenen Soldaten sollten nach ukrainischen Angaben am Dienstag (17. Mai) fortgesetzt werden.

Nowoasowsk und Oleniwka liegen in Gebieten unter Kontrolle des russischen Militärs. Die Soldaten sollen zu einem späteren Zeitpunkt „ausgetauscht“ werden, wie die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Maljar in einer Videobotschaft sagte. Seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar haben Kiew und Moskau bereits mehrere Gefangenenaustausche vorgenommen.

Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor am Montag eine Waffenruhe in Mariupol verkündet, um verletzte ukrainische Soldaten aus dem Stahlwerk des Konzerns Asow-Stahl zu holen. Moskau hatte „medizinische Einrichtungen“ in Nowoasowsk als Ziel der Evakuierungsaktion genannt. (bb mit Material von AFP)

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