Mark Rutte äußert sich bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel vor ihrem Gespräch im Bundeskanzleramt
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Mark Rutte ist seit 2010 Ministerpräsident der Niederlande

Der Ministerpräsident der Niederlande im Überblick

Leben und Karriere von Mark Rutte 

Mark Rutte zwischen Politik und Familie – Das Leben und die Karriere des Ministerpräsidenten der Niederlande 

  • Mark Rutte ist seit 2010 Ministerpräsident der Niederlande und seit 2006 Parteiführer der bürgerlich-liberalen Volkspartij voor Vrijheid en Democratie.
  • Er machte seine Partei bei drei Wahlen zur stärksten Kraft im Parlament.
  • Über das Privatleben des Politikers ist sehr wenig bekannt. Er ist alleinstehend und hatte vor allem zu seiner Mutter, die 2020 verstarb, ein enges Verhältnis.

Der niederländische Politiker Mark Rutte wurde am 14. Februar 1967 in Den Haag geboren. Bereits seit dem 14. Oktober 2010 ist er Ministerpräsident der Niederlande, wurde bereits zweimal wiedergewählt und steht vor allem für eine sozialliberale Politik, will aber auch die Asylpolitik ein wenig verschärfen. Er regiert in seinem dritten Kabinett in der parlamentarischen Monarchie der Niederlande.

Seine Partei ist die Volkspartij voor Vrijheid en Democratie, die Volkspartei für Freiheit und Demokratie, bei denen Rutte bereits als Jugendlicher in der Jugendorganisation einstieg.

Privat ist über den Staatsmann nicht viel bekannt, außer dass er ein sehr inniges Verhältnis zu seiner 2020 verstorbenen Mutter hatte, ein ruhiger und besonnener Junggeselle ist, der vor allem durch seine Gelassenheit und Bescheidenheit auffällt.

Kindheit und Ausbildung

Mark Rutte wurde als Nachzügler in eine große Familie hineingeboren. Sein Vater Izaäk Rutte war bereits 58 Jahre alt, hatte zuvor in seinem Job als Unternehmer viel Zeit in Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien, verbracht und mit seiner ersten Frau, die im zweiten Weltkrieg starb, zwei Kinder. Danach heiratete er die Schwester seiner verstorbenen Frau – Mark Ruttes Mutter – die Sekretärin Hermina Cornelia Dilling, zu der Rutte bis zu ihrem Tod im Mai 2020 ein sehr enges Verhältnis hatte. Aus dieser Ehe kamen vier weitere Kinder, der Politiker war mit Abstand das jüngste. Der Vater starb Ende der 80er-Jahre und auch ein 18 Jahre älterer Bruder verstarb tragischerweise an Aids, als Rutte gerade einmal 22 Jahre alt. Damit verlor der Politiker ein Idol und Vorbild, zu dem er immer aufgeblickt hatte. Er erklärte einmal, dass sich seine Einstellung zum Leben und die Wertschätzung dessen durch den Tod seines Bruders stark verändert habe und er seitdem viel bewusster lebe.

Als Kind war der spätere Politiker ein begeisterter Klavierspieler, der durchaus Talent hatte. Als er seinem Klavierlehrer im Alter von zwölf Jahren aber eröffnete, Konzertpianist werden zu wollen, ließ dieser seinen Traum zerplatzen und erklärte ihm, dass er dafür dann doch wieder nicht gut genug sei. Dennoch ist das Klavierspiel ein Hobby des Ministerpräsidenten geblieben.

Seine Familie ist christlich, weshalb Mark Rutte mit dem Einfluss des protestantischen Glaubens aufwuchs. Seine Schulbildung und sein Abitur absolvierte der Politiker in seiner Heimat, bevor er an der Universität Leiden Geschichte studierte und dort 1992 seinen Abschluss machte. Danach arbeitete er einige Zeit in der freien Wirtschaft, nämlich bei dem niederländischen Lebensmittelkonzern Unilever. Dort arbeitete er zehn Jahre lang im Personalmanagement des Konzerns, bevor er sich dann doch entschied, die Politik zu seinem Hauptberuf zu machen.

Politische Laufbahn und Beziehung zur eigenen Partei

Sein politisches Interesse entdeckte Mark Rutte bereits als Teenager. Im Alter von 17 Jahren trat er der Jongeren Organisatie Vrijheid en Democratie (JOVD) bei, der Jungendpartei der Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD). Nur wenige Jahre später stieg er bereits zum Vorsitzenden der Jugendpartei auf. Den Posten hatte er von 1988 bis 1991 inne, bevor er sich noch weitere sechs Jahre für die Hauptpartei engagierte. Von 1993 bis 1997 saß er sogar in deren Vorstand. 2002 wurde er dann Staatssekretär für Arbeit und Sozialen und 2004 übernahm er den Posten als Staatssekretär für Bildung, Kultur und Wissenschaft. Im Jahr 2006 wurde er Fraktionsführer der VVD.

Die Wahl für den Posten gewann er damals gegen seine ärgste Konkurrentin Rita Verdonk, die ehemalige Integrationsministerin. Die Wahl war auch die erste, bei der sämtliche Parteimitglieder abstimmen durften. Zuvor wurde der Parteiführer allein von der Parteiverwaltung bestimmt. Da die VVD 2002 bei den Parlamentswahlen zur zweiten Parlamentskammer aber viele Stimmen und somit auch 14 Sitze verloren hatte, wurde diese Regelung geändert. Die Partei war sich einig, dass sie unter dem vorherigen Parteiführer Hans Dijkstal politisch zu weit nach links gewandert und den Bezug zu den Wählern verloren habe.

Mit Rutte, der die Wahl zum Vorstand am 29. Juni 2006 mit einer knappen Mehrheit von 51,5% der Stimmen gewann, wollte man frischen Wind hineinbringen und stand für eine eher sozialliberale Politik, während Verdonk sich für eine harte Position bei den Fragen nach Immigration und Kriminalität aussprach. Bei den Kammerwahlen Ende 2006 bekam Verdonk überraschenderweise aber deutlich mehr Stimmen als Rutte, was sein Image ein wenig ankratzte. Allerdings musste Verdonk die Partei bereits ein Jahr später wegen provokanter Äußerungen verlassen und wurde von der Fraktion ausgeschlossen.

Wahl zum Ministerpräsidenten

Bei den vorgezogenen Neuwahlen des Parlamentes, die wegen des Bruchs der vorherigen Koalition aus Christen Democratisch Appèl (CDA), Partij van de Arbeid (PvdA) und ChristenUnie (CU) nötig waren, konnte Mark Ruttes Partei am 9. Juni 2010 zum ersten Mal zur stärksten Partei im niederländischen Parlament aufsteigen. Mit 20,49% der Stimmen bekam die VVD 31 Sitze, einen Sitz mehr als die sozialdemokratische Partei PvdA. Am 8. Oktober 2010 wurde Rutte von der damaligen Königin der Niederlande, Königin Beatrix, nach den Gesprächen mit den Koalitionspartnern mit der Bildung der Regierung beauftragt und am 14. Oktober löste die Minderheitsregierung Kabinett Rutte I aus VVD, CDA und der Freiheitspartei (PVV) die vorherige Regierung, das Kabinett Balkenende IV, ab.

Bereits nach 1,5 Jahren musste das erste Kabinett Ruttes aber bereits wieder zurücktreten, da sich die Koalitionspartner bei den Diskussionen um ein von der EU gefordertes Sparpaket nicht einig werden konnten. Nachdem Königin Beatrix im April 2012 das Rücktrittsgesuch angenommen hatte, wurden im September 2012 Neuwahlen durchgeführt, bei denen Ruttes VVD erneut als stärkste Partei abschnitt und mit 26,58% der Wählerstimmen 41 Sitze im Parlament erlangte. Rutte stach für den Posten des Ministerpräsidenten Diederik Samson von der PvdA aus, mit dem er aber am 29. Oktober eine Koalitionsvereinbarung von VVD und PvdA vorlegen konnte. Am 5. November 2012 wurde die Regierung Kabinett Rutte II vereidigt.

Das Kabinett Rutte III wurde am 15. März 2017 gewählt, allerdings sorgte die Regierungsbildung für vielerlei Probleme. Zwar wurde Ruttes VVD erneut mit 21,29% und 33 Sitzen im Parlament die stärkste Kraft, allerdings konnte die rechtspopulistische und islamfeindliche PVV die zweitmeisten Stimmen verbuchen und für eine regierungsfähige Mehrheit war eine Koalition aus insgesamt vier Parteien nötig. Die VVD schloss sich also erneut mit der CDA sowie mit der Partei Democraten 66 (D66) und den Christdemokraten CU zusammen und bildete 225 Tage nach der Wahl die Regierung. Es war die längste Kabinettsbildung in der niederländischen Geschichte.

Erfolge, Kritiken und politische Positionen

Generell gilt Mark Rutte als sehr menschennaher Ministerpräsident, der sich von unzähligen Mitarbeitern die Namen und Geburtstage der Kinder merkt oder sich freundschaftlich einfach als „Mark“ vorstellt. Auch beruflich geht es ihm vor allem um die Menschen in seinem Heimatland, denen er durch seine Politik ein gutes Leben ermöglich will. Er betonte einmal, den Menschen in den Niederlanden durch gute Schulbildung und Möglichkeiten die Chance geben zu wollen, selbst für das eigene Glück verantwortlich zu sein. Seine VVD will für die Hebung der unteren Klassen sorgen und dem Volk das Erreichen des eigenen Glücks ermöglichen.

Zu diesem Volk gehören auch die Ausländer, bei denen Rutte aber auch eine forsche Herangehensweise nicht scheut, sollten diese sich nicht an die Regeln und Gepflogenheiten der Niederlande anpassen.

Im Mai 2010 sprach sich der Politiker außerdem für eine strengere Asylpolitik aus. Er wollte einen dauerhaften Aufenthalt von Flüchtlingen zum Beispiel nur dann erlaubt sehen, wenn sich diese um die Staatsbürgerschaft bewerben würden. Außerdem sollten in Zukunft nur noch „echte Flüchtlinge“, zum Beispiel aus Kriegsgebieten, aufgenommen werden und nicht etwa Menschen, die nur das „Glück“ und ein besseres Leben suchen.

Im Mai 2009 wurde Rutte außerdem sowohl von seiner Partei als auch von politischen Gegnern dafür kritisiert, die Holocaustleugnung nicht mehr strafbar machen zu wollen. Er habe das Gesetz, das seiner Meinung nach die Meinungsfreiheit einschränkt, immer albern gefunden. Für diese Aussage bekam er viel Gegenwind.

Familie und Privatleben

Mark Rutte ist ein Mysterium, über das Privatleben des Politikers ist nur sehr wenig bekannt. Er ist ledig und lebt allein in einer Wohnung in Den Haag. Dort soll er keinen Computer besitzen, sein Handy ist ein altes Nokia-Tastentelefon und sein Auto ist ein Gebrauchtwagen. Außerdem meditiert er gern, fährt Ski du genießt in angenehmer Stille gerne die Bücher von Thomas Mann. Für seine Bescheidenheit ist der Ministerpräsident der Niederlande gemeinhin bekannt – und zwar nicht erst seit Amtsantritt. Bereits in der Schule war er ein zurückhaltender und besonnener, aber stets fleißiger Schüler. Seine Mitschüler erinnern sich an seine absolute Gelassenheit, die es schier unmöglich machte, sich mit ihm zu streiten. Stattdessen führt der Politiker meist ein nettes Lächeln auf dem Gesicht spazieren und behält immer die Fassung.

Der Staatsmann ist ledig, was immer wieder Grund für Gerede gibt und sein Volk brennend interessiert. Zu Äußerungen über sein Privatleben lässt sich Rutte aber trotzdem nicht hinreißen. Die Frau in seinem Leben war immer seine Mutter Hermina Cornelia Dilling, die bis zu ihrem Tod im Alter von 96 Jahren im Mai 2020 in einem Pflegeheim in Den Haag lebte. Gemeinsam mit seiner Schwester, zu der der Politiker ebenfalls ein sehr gutes Verhältnis hat, fuhr er auch im Alter noch regelmäßig mit seiner Mutter in den Urlaub. Wegen der heimtückischen Corona-Pandemie konnte er sie allerdings bereit Wochen vor seinem Tod nicht mehr besuchen, was den Politiker stark belastete.

Darüber hinaus engagiert sich der Politiker an einer Hauptschule in Den Haag, an der er jeden Donnerstagmorgen die Schüler in Gesellschaftskunde unterrichtet. Er macht das Job ehrenamtlich, soll so gut wie noch nie eine Schulstunde abgesagt haben und erklärt den Schülern in seinem Unterricht, die zum Großteil aus Migrantenfamilien stammen, die Gesellschaft und das Staatssystem der Niederlande.

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