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Markus Ferber, 48, führt die Europagruppe seit 1999.

Europagruppenchef im Merkur-Interview

Ferber: „Das Kapitel Guttenberg ist abgeschlossen“

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München - CSU-Europagruppenchef Markus Ferber spricht im Merkur-Interview über die Wahl 2014, das riesige EU-Personalkarussell und das Kapitel "Guttenberg".

In einem Dreivierteljahr wählt Europa. Alle Spitzenposten in Rat, Kommission und Parlament werden 2014 neu vergeben. Europa braucht auch einen neuen Außenminister. Man muss die Personalien rechtzeitig überdenken, mahnt der Chef der CSU-Europaabgeordneten, Markus Ferber (48).

In Europa beginnt das große Wünsch-Dir-Was. Auf welche Posten muss Deutschland dringend in Brüssel zugreifen?

Deutschland hat eine enorme Verantwortung in Europa und muss deswegen eine hohe Führungsposition übernehmen. Das wären Kommissions- oder Ratspräsident.

Zugriff für den von Ihnen mäßig geschätzten SPD-Kollegen und Parlamentspräsidenten Schulz?

Nein. Nach der Bundestagswahl ist klar, wer Zugriff auf den Kommissarsposten hat. Was nutzt uns ein Kommissionspräsident, hinter dem sein eigenes Land nicht steht? Auch Rot-Grün hat 1999 keinen Oppositionspolitiker als Kommissar benannt, und da waren es noch zwei. Schulz’ Traum, Merkel werde ihn schon als Kommissar vorschlagen, wenn die Sozialdemokraten europaweit vorne liegen, ist doch blauäugig. Es liefe nationalen Interessen zuwider. Sein Programm wäre dem deutschen Steuerzahler nicht zuzumuten.

Falls Schwarz-Gelb weiterregiert in Berlin: Wer taugt als Kommissar?

Günther Oettinger macht doch hervorragende Arbeit als Energiekommissar. Er sammelt die notwendige Erfahrung, um in einer zweiten Periode größere Verantwortung zu übernehmen.

Maßstab für Brüsseler Spitzenposten schien ja bisher zu sein: Such’ die allergraueste Maus und befördere sie. Weiter so, auch bei der Suche von Ratspräsident und Außenminister?

Ach, wissen Sie: Ratspräsident Herman van Rompuy, der als graue Maus gestartet ist, hat viel bewegt. Er hat die Chance genutzt, bei der Eurostabilisierung eine Rolle zu spielen, während Kommissionspräsident Barroso bei dem ganzen Thema faktisch nicht vorhanden war.

Außenkommissarin Catherine Ashton...

...hat ihre Rolle in keiner Art und Weise angenommen, geschweige denn ausgefüllt. Außenpolitisch waren das fünf verlorene Jahre. Von einem Wechsel in diesem Amt ist sicher auszugehen.

Immer wieder wird über einen Wechsel von Merkel nach Brüssel spekuliert. Zimmern Sie heimlich ihr Austragsstüberl?

Wofür? Wir brauchen sie dringend in Berlin. Die Wahrheit ist doch: Die tragende Rolle hat sie längst in Europa. Wir wären ja verrückt, wenn wir die erfolgreichste Kanzlerin auf irgendeinen Austragsposten schieben.

Bei der Europawahl gilt eine Drei-Prozent-Hürde. Macht Ihnen da die eurokritische AfD Sorgen?

Die ganze Euro-Rettung wurde in Berlin beschlossen, nicht im Europäischen Parlament. Die Argumentation der AfD ist in Brüssel falsch angesiedelt. Die Auseinandersetzung fürchte ich nicht.

Rechnen Sie generell mit einer Protestwahl?

Es sind ja 28 nationale Wahlen. In einer Reihe von Ländern werden wir eine deutliche Stärkung der Opposition erleben. Griechenland zum Beispiel: Da wird die linksextreme Tsipras-Partei führen, kaum die Konservativen. Das Europaparlament wird in der Mitte verlieren und an den Rändern gewinnen.

Es könnte dafür deutsche Promis gewinnen. David McAllister will nach Brüssel. Gut so?

Ja, eine sehr gute Entscheidung, insgesamt ein Plus fürs Parlament. Einer, der Ministerpräsident war und einen großen CDU-Landesverband führt, wird sicher eine herausragende Funktion in der konservativen Fraktion haben.

Auch über Guttenberg wird geredet. Willkommen?

Ich gehe davon aus, dass er wie auch für den Bundestag nicht kandidieren wird. Dieses Kapitel in der CSU ist abgeschlossen. Es ist müßig, monatlich über das Comeback zu spekulieren.

Interview: Georg Anastasiadis, Mike Schier, Christian Deutschländer

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