ZDF-Talk

„Eisiger Wind“ in der Corona-Pandemie: Gast bei „Markus Lanz“ erschüttert von Forderungen, die spalten

Die „Markus Lanz“-Runde blickt viel auf die Zukunft der CDU. Doch auch die pandemische Lage rückt noch einmal ins Zentrum - verbunden mit einer gesellschaftlichen Spaltung.

Hamburg - Bei „Markus Lanz“ dreht sich am Mittwochabend zu Beginn alles um die CDU. Journalistin Mariam Lau berichtet von einer Interview-Sperre bei den Christdemokraten. „Für wen gilt die?“, möchte Gastgeber Markus Lanz von ihr wissen. Lau: „Ich glaube, die gilt in erster Linie für die Aspiranten. Diejenigen, die jetzt die Partei übernehmen wollen. Also die fünf Bewerber um das Amt des Parteivorsitzes, vor allen Dingen die. Aber ich glaube, es gilt auch für alle, die sich jetzt mit Interviews nach vorne gedrängt und gesagt haben, es darf kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Gerade die sollen jetzt auch so ein bisschen diszipliniert werden.“ CDU-Politiker Karl-Josef Laumann sitzt dennoch unbehelligt bei „Markus Lanz“ und will sich dafür auch nicht rechtfertigen: „Ich habe niemanden gefragt und ich bin auch nicht darauf angesprochen worden. Ich gehe hin, wo ich hingehen will. Fertig, aus.“

Laumann wisse von einer solchen Sperre nichts: „Ich habe überhaupt nicht gehört, dass es eine Sperre gibt. Ist doch klar, dass in einem Parteigremium gesagt wird, das habe ich schon tausend Mal erlebt: Geht doch bitte an den Kameras vorbei.“ Das Wahldebakel der Christdemokraten habe mehrere Ursachen, erklärt Laumann, nennt einerseits die Sticheleien von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), andererseits sei Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) nicht mehrheitsfähig gewesen. Laumann erzählt von seinen Erfahrungen im Wahlkampf: „Es ist ganz einfach, dass die Leute natürlich an der Haustür unseren Wahlkämpfern gesagt haben: Wieso soll der Laschet jetzt Bundeskanzler werden? So. Das kann ich ja nicht ignorieren.“ Zerknittert zieht Laumann das Fazit: „Auf dieser Kandidatur lag schlicht und ergreifend von Anfang an kein Glück, was man am Ende auch braucht.“

CDU-Chaos: Wer wird Laschets Nachfolger? NRW-Gesundheitsminister Laumann: „Die Namen sind ja auf dem Tisch“

War Laschet also der falsche Kandidat? „Ich glaube, dass Armin Laschet sich die Frage auch selber stellt“, vermutet Laumann und erklärt: „Denn wenn man aus einer Wahl so rausgeht, wie wir jetzt rausgegangen sind, muss man sich ja auch ganz einfach diese Fragen stellen. Ich weiß nur nicht, und das sage ich jetzt auch mal ganz offen, ob jetzt der bayerische Ministerpräsident der bessere Kanzlerkandidat für die Partei gewesen wäre.“ Darüber, wer Laschet als Parteivorsitzender der CDU nachfolgt, kann auch Laumann nur mutmaßen: „Es wird niemand sein können, der nicht über eine gewisse politische Erfahrung verfügt. Ich glaube nicht, dass jemand eine so große Partei wie die CDU führen kann, wenn er nicht über gewisse politische Erfahrungen und auch Lebenserfahrungen verfügt.“

Diesen Maßstab angelegt, ist der Kandidatenkreis für das Amt des Parteivorsitzenden überschaubar, wie Laumann zugibt: „Die Namen sind ja auf dem Tisch, die sich jetzt warmlaufen. Ich glaube schon, dass es einer von denen am Ende werden wird.“ Talkmaster Lanz zählt auf: „Röttgen, Merz, Spahn, Linnemann, Brinkhaus. Fünf Männer aus NRW. Wen würden Sie wählen?“ „Das sage ich Ihnen heute nicht“, entgegnet Laumann und führt aus, worauf es für ihn ankommt: „Dass der CDU-Vorsitz daran gebunden ist, dass das ein Mensch ist, der weiß: Ich kann diese CDU nicht in eine Richtung führen. Sondern aus Sicht eines CDU-Vorsitzenden muss die CDU eine breit aufgestellte Partei sein.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 13. Oktober:

  • Karl-Josef Laumann (CDU) – Politiker
  • Mariam Lau – Journalistin
  • Christina Berndt – Journalistin
  • Stephan Grünewald – Psychologe

„Wenn jetzt die Ampel-Sondierungen nicht klappen“, überlegt Gastgeber Lanz, „wen ruft Christian Lindner denn dann an?“ „Er muss derzeit Armin Laschet anrufen“, sagt Mariam Lau. „Und an wen verbindet dann Armin Laschet?“, fragt Lanz in Richtung Laumann. Der meint: „Ich glaube, dass Armin Laschet schon in der Lage ist, solche Gespräche zurzeit noch zu führen. Er führt sie ja grundsätzlich auch nicht alleine. Das tut ja keiner.“ Ist der personelle Übergang einmal abgeschlossen, wünscht sich Laumann weiterhin Armin Laschet als aktives Parteimitglied: „Ich hoffe, dass Armin Laschet auch in unserer Partei wieder einen guten Platz findet oder in der politischen Arbeit einen guten Platz findet. Weil ich glaube einfach, dass er ein guter Politiker ist. Punkt.“

Einer Mitgliederbefragung über die Nachfolge an der Parteispitze kann Laumann nichts abgewinnen: „Die CDU-Mitglieder spiegeln natürlich nicht mehr unsere Wählerschaft wider. Ich rede gar nicht von der Gesamtbevölkerung, das wäre gar nicht so schlimm. Sondern die Leute, die CDU wählen sind anders zusammengesetzt, Gott sei Dank, wie die Mitgliederschaft der CDU. Und deswegen habe ich ein kleines Problem mit der Frage Mitgliederbefragung. Kommt dann das bei rum, was unsere Leute wollen?“

Corona-Lage in Deutschland – Christina Berndt bei „Markus Lanz“: „Ich finde das sehr erschreckend zu beobachten“

Im zweiten Teil der Sendung blickt die „Markus Lanz“-Runde auf die pandemische Lage in Deutschland. Die Journalistin Christina Berndt konstatiert eine gesellschaftliche Spaltung, die weiter voranschreitet: „Ich finde das sehr erschreckend zu beobachten, wie diese Fronten immer weiter verhärten. Das fing ja im Grunde schon im Sommer an, als zum ersten Mal diskutiert wurde, welche Regeln gelten, welche Freiheiten können Geimpfte zurückbekommen, was müssen Ungeimpfte weiter aushalten. Da fing das schon an, aber jetzt, finde ich, ist der Wind wirklich eisig geworden. Dass eben sogar solche Forderungen auf den Tisch kamen wie: Geimpfte, wenn die dann ins Krankenhaus kommen, sollen die bitte bevorzugt behandelt werden.“

„90 Prozent der Menschen haben Angst, dass diese Gesellschaft hoffnungslos auseinanderdriftet“, bestätigt der Psychologe Stephan Grünewald und erklärt, warum die Politik deshalb besonders im Fokus stehe: „Sie haben den sehnlichen Wunsch an die Politik, dass da auch wieder zusammengeführt wird.“ Aus psychologischer Sicht spräche sich Grünewald für eine Impfpflicht aus: „Ein Verbot kann paradoxerweise sogar entlasten. Verbote schaffen ja erst immer so einen antiautoritären Reflex – wir wollen uns nicht bevormunden lassen. Aber wenn das Verbot ausgesprochen ist, ist es eine Entlastung. Weil ich bin dann nicht mehr der Dumme, der sich daranhält oder nicht daranhält, sondern es ist eine allgemeine Norm.“

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz“ kommentiert der Politiker Karl-Josef Laumann (CDU) ausführlich die Situation in seiner Partei. Zusammen mit der Journalistin Mariam Lau fühlt Talkmaster Markus Lanz dem Gesundheitsminister aus NRW auf den Zahn. Der stärkt Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) den Rücken, sagt aber auch: „Seine Tage als Vorsitzender der CDU in Deutschland sind gezählt.“ Der Psychologe Stephan Grünewald berichtet von den Ergebnissen seiner Tiefeninterview-Studie und wie die Gesellschaft aktuell zur Politik und ihren Institutionen steht. Zum Abschluss der Sendung diskutiert die Runde mit der Journalistin Christina Berndt über die Corona-Lage in Deutschland.

Rubriklistenbild: © Screenshot: ZDF/„Markus Lanz“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare