ZDF-Talk

„Wir bekommen Fake-Zahlen“: Lauterbach spricht bei Markus Lanz von Corona-„Skandal“

Hat Deutschland den Kurs in der Bekämpfung der Corona-Pandemie verloren? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte bei „Markus Lanz” vor falschen Infektionszahlen.

Bei „Markus Lanz” ging es am Donnerstagabend vor allem um eine Frage: Wie kann es sein, dass die deutsche Regierung rund ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie keinen klaren Plan zu haben scheint? Nicht nur ZDF-Moderator Lanz selbst, sondern auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigte sich fassungslos in Bezug auf die fehlende Strategie auf Bundesebene.

Im Gespräch mit Markus Lanz sorgte Lauterbach erneut für Ernüchterung bei allen Zuschauern, die auf einen Corona-freien Frühling und Sommer hofften. Im Gegenteil: Der Experte warnte vor falschen Infektionszahlen und einer rasanten Ausbreitung der Corona-Mutation B.1.1.7. Lauterbach stellte klar: „Die Bevölkerung hat mitbekommen, dass wir ein riesiges Problem haben und eine Notlage da ist.”

„Markus Lanz“ – das waren seine Gäste am 8. April:

  • Paul Ziemiak – CDU-Generalsekretär
  • Karl Lauterbach – SPD-Gesundheitsexperte
  • Gregor Peter Schmitz – Chefredakteur der „Augsburger Allgemeinen”
  • Prof. Christiane Woopen – Vorsitzende des Europäischen Ethikrats

In der Sendung vom Donnerstag (8. April) sorgte nicht nur der SPD-Gesundheitsexperte für apokalyptische Stimmung – auch Lanz wollte energisch wissen: „Warum ist es so leise geworden um eine neue Strategie? Wie kann es sein, dass wir nach einem Jahr Pandemie schon wieder nicht mehr wissen, an welchem Punkt wir eigentlich stehen?” Gleichzeitig kritisierte er CDU-Chef Armin Laschet, der erst vor Kurzem für eine neue Ministerpräsidentenkonferenz plädierte.

Karl Lauterbach über die aktuelle Corona-Politik: „Die Zahlen sind nicht zuverlässig”

Ausgerechnet Lauterbach nahm den NRW-Ministerpräsidenten jedoch schnell in Schutz und erklärte: „Im Großen und Ganzen fehlen uns momentan die Zahlen, um genau einzuschätzen, wo wir sind. Aus meiner Sicht macht eine MPK dennoch Sinn, weil es zwei Möglichkeiten gibt: Die Infektionszahlen steigen weiter so wie vorher, oder die Infektionen laufen ein bisschen langsamer als gedacht – wegen der jüngsten Drohungen, die ausgesprochen wurden. Für beide Möglichkeiten würde es Sinn machen, den Lockdown jetzt zu machen.” Er ergänzte mit ernstem Blick: „Eine schnelle Handlung wäre richtig.”

Der SPD-Gesundheitsexperte fügte bei „Markus Lanz” hinzu: „Wovor ich warne, ist das Folgende: Wenn die Zahlen stabil sind, können wir bestimmte Lockerungen machen. Man hat sich vorher jedoch genau darüber hinweggesetzt und trotzdem gelockert. Jetzt bekommen wir ‘Fake-Zahlen’, weil zu wenig getestet und gemeldet wird. Diese Zahlen, die wir jetzt bekommen, sind zu niedrig. Lockerungen im ganzen Bundesland, das ist nicht richtig.” Und überhaupt: „Es ist ein Skandal, dass wir nach einem Jahr noch immer an den Feiertagen keine brauchbaren Zahlen haben.“ Lauterbach legte noch einen drauf und schockte damit vor allem Lanz: „Jeder weiß, dass die Zahlen, die wir jetzt haben, nicht zuverlässig sind.” Der ZDF-Moderator reagierte sprachlos: „Das ist ein großes Wort – ‘Fake-Zahlen’.”

Karl Lauterbach stellt bei „Markus Lanz” (ZDF) klar: „Kenne keinen Wissenschaftler, der Hoffnung gehabt hätte”

Woran liegt die aktuelle problematische Situation? Lauterbach stellte klar: „Das ist eine kollektive Zuschiebung der Verantwortung.” Lanz hakte daraufhin nach: „Am Anfang waren wir stolz darauf, dass wir getestet haben. Bis sich dann herausgestellt hat, dass wir ins Blaue getestet haben und keine Strategie hatten. Wie kann so etwas sein?” Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, entgegnete: „Das verstehe ich auch nicht und das ist auch nicht zu akzeptieren. Mein Eindruck ist, dass nach der ersten Welle aufgehört wurde, mittel- oder langfristig zu denken. Es wurde von Tag zu Tag gedacht.”

Dieses Argument stützte auch ein eingespieltes Zitat von Armin Laschet, der am 24. März sagte: „Wir alle hatten die Hoffnung, aus der Erfahrung des letzten Jahres, dass die Zahlen sinken würden, wenn es wärmer wird. Das ist nervig.” Markus Lanz fragte daraufhin sarkastisch: „Machen wir Pandemie-Bekämpfung anhand des Wetterberichts?”

Lauterbach verneinte bestimmt und sagte: „Das Problematische ist, dass er sagt ‘Wir hatten alle die Hoffnung’, aber ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler, der diese Hoffnung gehabt hätte.” Offenbar ganz im Gegenteil. Lauterbach warnte erneut vor der Ausbreitung einer gefährlichen Corona-Variante: „Es wird sich in den nächsten Wochen herausstellen, dass gerade die Kitas und Schulen die Hotspots für B.1.1.7. sein werden. Kinder und Eltern sind ganz besonders betroffen.” Einen Seitenhieb hatte Lauterbach bei „Lanz“ unterdessen auch für den Virologen Hendrik Streeck parat, wie wa.de* notierte.

„Markus Lanz“ - Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” lieferten sich am Donnerstagabend SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und ZDF-Moderator Markus Lanz ein hitziges Wortgefecht. Dabei warnte Lauterbach erneut vor den Spätfolgen der undurchsichtigen Corona-Politik, während CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak von der Strategie von Armin Laschet schwärmte: „Wir telefonieren fast täglich.” Zudem äußerte er sich zum Machtkampf zwischen dem CDU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit den Worten: „Ein bisschen Frotzeln und ein bisschen Spaß gehört dazu.”

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Rubriklistenbild: © Screenshot: ZDF/Markus Lanz

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