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CDU-Generalsekretärin packte bei Markus Lanz aus. Als es um Koalitionen mit Linken und AfD ging, wurde sie aber schwammig. 

Sie schließt Koalition mit AfD nicht aus

Als Kramp-Karrenbauer über die Unionskrise auspackt, ist selbst Lanz sprachlos

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Überraschend offen sprach CDU-Generalsekretärin am Dienstagabend bei Markus Lanz über die Unionskrise. Und schloss eine Koalition mit der AfD nicht kategorisch aus. 

Berlin - Es war ein TV-Moment, der das historische Ausmaß der Unionskrise um die Asylpolitik nochmal vor Augen führte. In der Dienstagabend-Sendung von Markus Lanz war die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer zu Gast und sprach überraschend offen über die dramatischen Sitzungen. 

Zunächst kritisierte sie erneut die Art und Weise, wie CSU und CDU über die Abweisung von Asylbewerbern an den deutschen Grenzen stritt. Sie erwarte von bürgerlich-konservativen Parteien andere Umgangsformen. Dafür erhielt Kramp-Karrenbauer Applaus vom Publikum. 

Kramp-Karrenbauer bei Lanz: Bruch in der Union war „sehr nah“

Dann wollte Moderator Lanz wissen: „Wie nah war es wirklich am Bruch der Koalition?“ Darauf antwortet die CDU-Generalsekretärin offen: „Sehr nah“. Mit ihren Händen machte sie eine Geste, die ausdrücken sollte: So war es. Schweigen im Studio. Selbst Markus Lanz musste sich zunächst sortieren. 

Lanz wollte danach wissen, ob es einen Tag gegeben habe, an dem Kramp-Karrenbauer geglaubt habe, die Sache sei gelaufen. Ihre Antwort: Es habe eine Fraktionssitzung an einem Dienstag gegeben, in der sich auch mehrere CDU-Abgeordnete in der Sachfrage auf die Seite Seehofers schlugen. Das sei für sie der kritischste Moment gewesen. Zur Erinnerung: Angela Merkel beharrte auf eine europäische Lösung und nicht auf einen nationalen Alleingang. Am Ende bekam sie zwei Wochen Zeit, um auf EU-Ebene Verhandlungen zu führen. 

„Wer hat es denn gerettet?“, wollte Lanz dann wissen. Kramp-Karrenbauer verwies auf viele, die hinter den Kulissen am Kompromissmodell der Transitzentren mitgearbeitet hätten, insbesondere Innenpolitiker der CDU und CSU. Dann hob sie den CSU-Ehrenvorsitzenden hervor: „Edmund Stoiber hat eine sehr konstruktive Rolle gespielt.“ 

Dachte Merkel an Rücktritt? Kramp-Karrenbauer lächelt schelmisch

Richtig spannend wurde es noch, als Lanz von der Merkel-Vertrauten wissen wollte, ob die Kanzlerin während der Unionskrise an Rücktritt dachte

Kramp-Karrenbauer nahm sich einen Moment Zeit, antwortete dann mit “nein“. Schelmisch lächelte sie Lanz an. „Müssen Sie eigentlich immer ehrlich sein?“, hakte der nach. „Ich versuche es“, antwortete Kramp-Karrenbauer vielsagend und lächelte noch breiter. 

Kramp-Karrenbauer schließt bei Markus Lanz Koalition mit AfD und Linken nicht kategorisch aus

Angesprochen auf den Vorstoß von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther zu einer Öffnung der Union hin zu Bündnissen mit der Partei „Die Linke“, bekräftigte die CDU-Generalsekretärin ihre Ablehnung: „Wir wollen keine Zusammenarbeit“. 

Als Lanz wissen wollte, wie die CDU reagiere, wenn nach der sächsischen Landtagswahl 2019 nur eine Koalition entweder mit den Linken oder der AfD möglich sei, wich sie aus. Die CDU wolle sich jetzt nicht mit der Frage beschäftigen. Sie sei überzeugt davon, dass man „zu einem Ergebnis kommen wird, das uns nicht in dieses Dilemma bringt.“ Auch als der Bauunternehmer Christoph Gröner, ein weiterer Talkgast in der Runde von Lanz, einen kategorischen Ausschluss von einer Koalition mit der AfD forderte, kam der nicht von Kramp-Karrenbauer. Erneut auf die Sachsen-Wahl bezogen, sagte sie lediglich: „Ich werde alles daran setzen, dass es diese Situation nicht gibt.“ 

In einer aktuellen Umfrage ist die Union in der Wählergunst auf ein Rekordtief gefallen. Auch die SPD hat an Zustimmung verloren.

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