Markus Söder zu Gast bei „Markus Lanz“ (ZDF) vom 11. Februar 2021
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Geriet bei „Lanz“ (ZDF) vom 11. Februar 2021 etwas ins Schlingern: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

ZDF-Talk

Lanz schmettert Söders Corona-Eigenlob ab: „Ich glaube, wir sollten uns damit zurückhalten“

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Markus Söder hebt bei „Markus Lanz“ (ZDF) die Leistung Bayerns im Corona-Management hervor. Den Moderator beeindruckt das sichtlich - nicht.

  • In der Woche der Lockdown-Verlängerung ist Markus Söder erneut bei „Lanz“ zu Gast.
  • In dem ZDF-Talk wird Bayerns Ministerpräsident mit den Grenzkontrollen und der Corona-Testpanne konfrontiert.
  • An mehreren Stellen weist Moderator Markus Lanz den Politiker deutlich zurecht.

Hamburg - Markus Söder (CSU) ist - wenig überraschend - zur Zeit bei nahezu allen öffentlich-rechtlichen Talks zur Corona-Krise zugeschaltet. Keine Frage, dass man sich als Bayerns Ministerpräsident da auch einmal inhaltlich wiederholt. In der aktuellen Folge von Markus Lanz (ZDF) ist dem Moderator aber eine gewisse Ungeduld mit dem Kommunikationsstil Söders anzumerken.

Gäste der Runde waren neben dem CSU-Chef die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange, die Journalistin Corinna Milborn, der Epidemiologe Gérard Krause und der Gründer Kai Lanz.

Söder im Corona-Talk bei „Lanz“ (ZDF): „Die dänische Strategie ist längst die bayerische“

Der Fokus lag aber ganz auf dem als einzigem zugeschalteten Söder, der auf Nachfrage Lanz‘ betont: „Nun, die Grenzen werden nicht dichtgemacht, aber die Sicherheitsfrage wird erhöht.“ Söder verweist auf die Mutanten, die sich in Nachbarländern ausbreiten: „Deshalb haben wir jetzt den Bund gebeten, sie zu Mutationsgebieten zu erklären.“ Bayern ist bereits am Donnerstag mit Grenzkontrollen zu Tschechien und Tirol vorgeprescht.

Lange dagegen differenziert beim Thema Grenzkontrollen: „Ich bin auch davon überzeugt, dass das Virus sich an keinen Schlagbaum hält.“ Man sehe aber durch Infektionsketten-Nachverfolgung, dass es bei den Mutationen in ihrem Bundesland eine „Verbindung“ zu Dänemark gebe. Eine Sonderegel besage, dass Pendler mit Vorweis eines Tests reisen dürften - und es seien in ihrer Region ja etwa 12.000 Menschen auf den Job im Nachbarland angewiesen. Sie nennt die dänische Teststrategie ein „Vorbild“, weil „präventiv, und nicht nachverfolgend“ angelegt.

„Herr Söder wird schon ungeduldig“, wirft Lanz an dieser Stelle ein. Söder hat also wieder das Wort: „Ich will nur sagen, dass diese dänische Strategie schon lange eine bayerische ist. Bei uns kann jedermann einen Test machen, völlig umsonst, wir haben kommunale Testzentren, wir haben sogar an der Grenze nochmal die Möglichkeit für Pendler die aus Tschechien kommen, sonst wüssten wir ja gar nicht, unter uns gesagt, dass wir diese Mutation haben, weil wir diese Tests ja auch alle sequenziert haben“, führt er aus.

Söder verteidigt bei „Lanz“ (ZDF) erneut Corona-Test-Panne in Bayern: „Fehler passieren“

Lanz rutscht schon einigermaßen unruhig auf seinem Stuhl, als Söder weitermacht: „Ich wurde ja immer dafür kritisiert, dass wir zu viel testen, aber genau das Gegenteil ist der Fall.... - „Das hat auch damit zu tun, dass das in Bayern mal nicht so gut geklappt hat...?“ unterbricht ihn Lanz, bezugnehmend auf die Corona-Testpanne in Bayern vergangenes Jahr. Söder sucht nach Worten: „Na klar, aber bei all den Dingen... schauen Sie einmal, Herr Lanz, Fehler passieren, und das hat uns auch geärgert - aber die Strategie war absolut richtig.“  - „Hmh.“ Lanz scheint nicht überzeugt: „Trotzdem, es ist ein heikler politischer Moment, Herr Söder“, bindet er den Disput ab, bevor es weiter zum Thema Impfungen geht.

Am stärksten bleibt von dieser Sendung eine deutliche Kritik Lanz‘ an Söder hängen. Sie kommt, als Söder zwar die Schäden in Deutschland anerkennt, aber glaubt, dass die zweite Welle hierzulande viel besser als etwa in Österreich durchgestanden werde. Ein Verweis auf sein Bundesland darf nicht fehlen: „Bayern war mal auf Platz eins der Inzidenz, liegt jetzt zwischen neun und zehn.“ Lanz kontert: „Ich glaube aber, wir sollten uns darauf verständigen, dass wir uns mit dem Eigenlob in Sachen ‚Wir machen es viel besser als viele, viele andere Länder‘ mittlerweile zurückhalten sollten.“

Der Moderator verweist auf Covid-19-Todeszahlen, die - gerechnet auf die Einwohnerzahl - teils die der USA übersteigen. Trotz hoher Inzidenzen etwa im bayerischen Tirschenreuth oder Wunsiedel will man die Zielmarke von 35 erreichen - und das mithilfe von Grenzen an denen „die Sicherheitsfrage erhöht“ wird? „Wir haben keine offenen Grenzen mehr, können wir uns darauf einigen?“, fragt Lanz an einer Stelle. Söder verweist in der Frage auf die Verpflichtung der EU, gemeinsam Maßnahmen zu ergreifen. Sonderlich feurig blickt er da jedoch nicht mehr in die Kamera.

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