Markus Lanz führt durch die Sendung
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Markus Lanz führt durch die Sendung

„70.000 Tote und Groll in der Bevölkerung“

„Sie sind eingeladen um zu provozieren!“: Brinkhaus kontert „Versagen“-Vorwürfe herb - und schreckt Lanz auf

Bei Markus Lanz prasseln Vorwürfe auf Ralph Brinkhaus ein - von „Versagen“ ist die Rede. Der Unions-Fraktionschef kontert herb. Und erschreckt damit den Moderator.

Hamburg - „Markus Lanz” findet am Dienstagabend im Zeichen der Maskenaffäre um die Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel und Georg Nüßlein statt. Beide strichen privat Provisionen in sechsstelliger Höhe für die Vermittlung von Corona-Schutzmasken ein. Für den Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag Ralph Brinkhaus ein nicht zu entschuldigender Vorgang: „Geld verdienen an der Krise, das geht gar nicht.” Man habe die beiden Kollegen dazu aufgefordert, ihre Mandate niederzulegen.

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 9. März:

  • Ralph Brinkhaus (CDU) - MdB, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  • Sascha Lobo – Autor, Journalist
  • Dr. Tankred Stöbe – Intensivmediziner, Autor
  • Prof. Dr. Med. Mariam Klouche – Laborärztin, Virologin

Sascha Lobo und Markus Lanz nehmen Ralph Brinkhaus in die Zange

Diese Botschaft verkündet der 52-Jährige seit dem Wochenende auf verschiedenen Kanälen, bei „Markus Lanz” lassen ihn weder der Talkmaster noch dessen Gast Sascha Lobo damit davonkommen. Beide haken nach und verweisen auf Fälle weiterer Unionsmitglieder und ihrer möglichen Vergehen, vor allem Philipp Amthor und Jens Spahn bekommen ihr Fett weg. Lobo bezeichnet die Vorgänge in der CDU als „große Merkwürdigkeit” und erklärt Brinkhaus, es entstehe der Eindruck, man bestrafe „die Kleinen ordentlich”, während man „bei den Großen nicht so genau” hinsehe.

Ein Vorwurf, den sich Brinkhaus nicht gefallen lassen will: In seinen Augen sind die Fälle Amthor und Nüßlein/Löbel nicht zu vergleichen: „Die Dimension bei Philipp Amthor ist nicht die Dimension von Georg Nüßlein.” Im Gegensatz zu Nüßlein habe Amthor seinen Fehler eingesehen, außerdem müsse man sein Alter in Betracht ziehen: „Er ist unter 30 und hat eine zweite Chance verdient.” Zuletzt war wegen der Affäre aus den Reihen der CDU zu hören, die Partei stelle sich nicht länger gegen ein Lobbyregister, was allerdings am Dienstag bei „Markus Lanz” keine Erwähnung fand.

Corona-Streit bei „Lanz“: Virologin äußert Kritik - Brinkhaus gegen Lobo und Lanz

Auch gegen Lobos Vorwurf des „Versagens” geht Brinkhaus in die Offensive und nimmt die seinen in Schutz: „Wenn wir jeden, der einen Fehler macht, sofort bashen und sagen ‚Der hat versagt!‘, dann werden wir eine Fehlerkultur bekommen, in der jeder versucht, alle Fehler zu vertuschen und zu sagen ‚Ich habe nichts falsch gemacht.‘ Und das werfe ich Ihnen vor, dass Sie genau diese Kultur ins Land bringen, weil Sie jeden versuchen fertig zu machen, der einen Fehler macht.” Sein Ansatz sei dagegen, Fehler sachlich zu analysieren und sich „vielleicht mit Management-Methoden“ wie Controlling-Instanzen „zu verbessern”.

Für Brinkhaus solle dieses Prinzip auch für das Handeln der Bundesregierung während der Corona-Pandemie gelten. Lobo setzt dennoch noch einen drauf. „Bei 70.000 Toten und einem quer durch die Bevölkerung spürbaren Groll über die vielen einzelnen Details, die schiefgelaufen sind, da finde ich es ziemlich richtig, von Versagen zu sprechen, mit Verlaub“, wetterte der Publizist. „Sie sind doch rein eingeladen worden, um zu provozieren und das ist auch okay“, konterte Brinkhaus - zu Lanz‘ Empörung: „Nein, nein, nein - so funktioniert unsere Sendung nicht!“, funkte der Moderator dazwischen..

Der Rest der Runde, darunter die von Lanz als „Koryphäe” anmoderierte Fachärztin für Labormedizin, Virologie und Epidemiologie, Mariam Klouche, ist sich unterdessen weitgehend einig, dass das Vorgehen der Politik in der Krise zu wünschen übriglässt. Auch Tankred Stöbe, Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen, erklärt: „Dass es Deutschland gut gemacht hat, das kann man vielleicht bei der ersten Welle noch sagen.” Wenn man sich die Zahlen und ihren Verlauf ansehe, komme er allerdings zu dem Schluss: „Deutschland hat es nicht gut gemacht.”

„Markus Lanz” (ZDF): Experte urteilt hart über Corona-Management - „Die Politik ist nicht mutig genug.”

Den politisch Verantwortlichen wirft Stöbe vor, nicht ambitioniert genug zu sein: „Das Problem, das wir in diesem Land haben, ist, dass wir immer in die noch schlechteren Länder geguckt und gedacht haben: Na ja, dann können wir uns ja gut fühlen.” Sein Vorwurf: Die Politik sei nicht mutig genug und versuche, “dem Mainstream zu gehorchen”.

Daraufhin rudert Brinkhaus etwas zurück: „Wir sind ab Oktober, das ist richtig, schlechter geworden. Das müssen wir analysieren, warum das der Fall ist. Das darf sich nicht wiederholen. Denn wahrscheinlich wird das nicht die letzte Pandemie, nicht die letzte Großkatastrophe sein, die wir erleben.” Schließlich gesteht er ein: „Wir haben in vielen Bereichen ein Umsetzungsproblem.”

Mariam Klouche klärt bei “Markus Lanz” auf: Antigen-Schnelltests “deutlich weniger zuverlässig”

Den Rest der Sendung legen Brinkhaus und Lobo ihren Streit bei und hören interessiert den Ausführungen Klouches zu, die zu den in Deutschland derzeit sehr gefragten Antigen-Schnelltests Stellung bezieht – und zwar eindeutig: „Sie können nicht mit der gleichen Sicherheit wie Labortests Infizierte identifizieren.” Die derzeit in Discountern und Drogerien angebotenen Tests seien nicht in der Lage, einen „richtigen Test”, also einen PCR-Test, zu ersetzen. Falsch positive und falsch negative Ergebnisse der Tests seien ein häufiges Problem, weshalb auch Stöbe aufruft: „Lasst dann Bestätigungstests machen.” Gleiches hatte auch schon bei „Anne Will“ am Sonntag Tübingens Pandemie-Beauftragten Lisa Federle gefordert. Positiv äußerte sich Klouche zu Gurgeltests: „Wenn man es richtig macht, funktionieren sie sehr gut.”

Fazit der „Markus Lanz“-Sendung

Markus Lanz und Sascha Lobo stoßen mit ihren bohrenden Fragen und pauschaler Kritik beim mit allen Wassern gewaschenen Ralph Brinkhaus an Grenzen. Gemeinsam arbeiten sie sich an einem Unionspolitiker ab, der es in der Sendung als seinen Job bezeichnet, für andere den Kopf hinzuhalten - und zwar mit dem Zusatz: „Ich mache das gerne.”

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