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Verwirrung um Corona-Grafik bei „Lanz“: Redaktion bedauert Fehler - Brinkmann klärt auf

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Von: Clara Marie Tietze

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Moderator Markus Lanz sitzt in einem Sessel bei einer Talkshow.
Markus Lanz - © Georg Wendt/dpa

Vergangene Woche hatte Markus Lanz in seiner Talkshow eine Grafik mit dem Titel „Der Impfeffekt“ vorgestellt. Die Interpretation war jedoch höchst verwirrend.

Hamburg - Markus Lanz hat sich in den letzten Jahren wieder den ernsten Themen zugewandt. Nach seinem Flop als Moderator bei „Wetten, dass.. ?“ konzentriert er sich nur noch auf seine eigene Talkshow, um hier über gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren. Vergangenen Mittwoch (10. November) ging es dabei um die Entwicklung der Infektionszahlen, die aktuellen Maßnahmen zum Coronavirus und nicht zuletzt um die Impfpflicht. Dabei stellte der Moderator eine Grafik vor, die bei den Zuschauern für reichlich Verwirrung sorgte.

Wirksamkeit von Impfungen: Lanz interpretiert falsch - Redaktion bedauert

Mit dem Titel „Der Impfeffekt“ erscheint das Balkendiagramm auf dem Bildschirm. Es geht hierbei um Infektionen bei über 60-Jährigen mit bekanntem Impfstatus. Lanz wies in seiner Interpretation des Diagramms darauf hin, dass die Impfung in der genannten Altersgruppe scheinbar weniger Wirkung zeigte, als bisher angenommen. Die Redaktion der Sendung bedauert nun diese Interpretation nun und korrigiert: „Der daraus resultierende Eindruck, die Impfung wirke in der genannten Altersgruppe weniger als bisher angenommen, ist unzutreffend.“

Auch die in der Show anwesende Virologin Melanie Brinkmann äußert sich kürzlich per Twitter zu der Grafik und bietet eine korrekte Interpretation des Diagramms. Bereits vorab stellt die Wissenschaftlerin klar: „Sie zeigt, dass die Impfung sehr gut und wie erwartet wirkt!“ In den Kommentaren schlüsselt die Virologin die einzelnen Darstellungsspalten auf.

Melanie Brinkmann über Interpretationsfehler bei Markus Lanz: „Schwierige Situation“

Brinkmann: „In der Altersgruppe Ü60 sind 91 Prozent der Menschen geimpft, 9 Prozent sind ungeimpft oder unvollständig geimpft. Es gibt also etwa 10-mal mehr (91/9) Geimpfte als Ungeimpfte bei den Ü60.“ Die hohe Zahl bei den „Infektionen mit Hospitalisierung“ interpretiert die Virologin so: „45 Prozent der hospitalisierten Patienten Ü60 mit Coronainfektion sind geimpft; 55 Porzent sind es nicht oder unvollständig. Es sind also etwas weniger geimpfte als ungeimpfte Patienten - genau 0,82-mal (45/55) - obwohl es ca. 10mal so viele Geimpfte wie Ungeimpfte gibt.“

Zusammenfassend kann man laut Brinkmann also sagen: „Geimpfte werden also 1/0,081= ca. 12-mal seltener hospitalisiert als Ungeimpfte (Rechnung dazu: (45/55)/(91/9)=0,081). Die Darstellung erscheint zwar etwas sonderbar, aber genau so ist es im Moment zu erwarten.“ Warum sie Lanz nicht bereits in der Sendung korrigierte? Der Braunschweiger Zeitung sagt die 47-Jährige dazu: „Es war eine sehr schwierige Situation, diese recht missverständliche Grafik spontan kommentieren zu müssen.“

Interpretationsfehler bei Markus Lanz: Brinkmann über „missverständliche Grafik“

Lanz spricht in der Sendung auch über verschiedene Prognosen, die sich zur Zeit bewahrheiten. Unter anderem liest er verschiedene schockierende Zitate des Virologen Christian Drosten vom Beginn des Jahres vor, mit denen der Wissenschaftler nun leider Recht behalten sollte.

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