In der Talkshow von Markus Lanz waren Thomas de Maizière, Journalist Martin Knobbe, Gewerkschafterin Marlis Tepe, Virologe Prof. Alexander Kekulé und Journalist Michael Bewerunge zu Gast.
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In der Talkshow „Markus Lanz“ ging es einmal mehr um die Coronavirus-Pandemie.

„Das ist inzwischen ganz klar“

Kekulé bei Markus Lanz: „AstraZeneca ist Impfstoff zweiter Klasse“ - aber entscheidende Kinder-Frage geklärt

  • Michelle Brey
    vonMichelle Brey
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Die Virus-Mutationen bereiten Sorgen, die Debatte um die Impfstoffe setzt sich fort. Virologe Kekulé tätigte in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz eine provokative Aussage.

Berlin/München - Seit Monaten ist die Coronavirus-Pandemie mit all ihren Facetten das immerwährende Thema: Impfstoffe, Inzidenzwerte, Virus-Mutationen, Lockdown-Verschärfungen und Lockerungen. Auch in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz wurde wieder heftig diskutiert. Besonders im Fokus standen dabei der Impfstoff von AstraZeneca, die Impf-Fortschritte in Israel und die Ansteckungsgefahr durch Kinder.

Markus Lanz: Corona-Impfungen in Israel

Die Impfungen in Israel schreiten mit enormer Geschwindigkeit voran. Zuletzt sorgte eine Studie zum Biontech-Impfstoff für Aufsehen. Der extrem harte Corona-Lockdown wurde indes beendet. Geimpften wird inzwischen ein „Grüner Pass“ erteilt. Doch „die Angst vor Mutationen ist nach wie vor sehr groß“, wie Journalist Michael Bewerunge am Dienstag bei Markus Lanz live aus Israel berichtete. Viele Geschäfte seien geöffnet - auch für Nicht-Geimpfte. „Der Flughafen ist nach wie vor geschlossen. Die Landesgrenzen sind geschlossen. Man hat große Angst sich eine Mutation einzufangen“, so der Journalist.

„Was in Israel passiert ist“, so Prof. Alexander Kekulé in Bezug auf die Impfungen, „ist, dass man sehr kontrollierte Bedingungen hat“. Hintergrund sei eine konsequentere Datenerhebung als in Europa. So gebe es in Israel zwei große Versicherungen für 80 Prozent der Bevölkerung, „und über die ist das Impfprogramm auch ausgerollt worden“. Dadurch habe man sehr genaue Zahlen, erklärte der Virologe.

Markus Lanz: Debatte setzt sich fort - Kekulé nennt AstraZeneca einen „Impfstoff zweiter Klasse“

Während Israel große Schritte in Richtung Normalität macht, scheint ein Ende der Debatte um den AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland nicht in Sicht zu sein. Patienten scheinen lieber auf ihren Impfstoff zu verzichten, auch drohen bei dem Corona-Impfstoff-Hersteller womöglich Lieferengpässe. „AstraZeneca ist ein guter Impfstoff, ja oder ja?“, fragte Markus Lanz in der ZDF-Talkshow den Virologen Kekulé. Er bejahte, fügte jedoch an: „Aber es gibt auch sehr gute Impfstoffe.“

Aktuellen Daten zufolge wirke der AstraZeneca-Impfstoff in einer Größenordnung von 60 bis 70 Prozent. „Das reicht definitiv nicht aus, um eine Herdenimmunität zu erzeugen“, sagte der Virologe und erklärte: „Da muss man bei diesem Virus auf einen Wert im Bereich von 70 Prozent der Gesamtbevölkerung kommen.“ Hinzu käme eine schwierige Anpassungsmöglichkeit des Wirkstoffes, wenn das Virus mutiert. „Der Impfstoff wirkt höchstwahrscheinlich nicht so gut bei den südafrikanischen und brasilianischen Varianten, die da kommen“, blickte Kekulé voraus. In Kontrast zu diesem habe man dann die „95-Prozent-Star-Impfstoffe“ von Moderna und Biontech.

„Daher sage ich mal ein bisschen provokativ, die Wahrheit ist: AstraZeneca ist ein Impfstoff zweiter Klasse“, so der Virologe, der direkt im Anschluss einen Vergleich zog: „Besser zweite Klasse mit der Bahn fahren als zu Fuß gehen.“ Verständnis für Menschen, die sich lieber gar nicht impfen lassen möchten, habe er nicht, was er folgendermaßen begründete: „Wenn sie in einer Studie 60 bis 70 Prozent Effizienz haben, heißt das ja, dass 60 bis 70 Prozent der Erkrankungen verhindert wurden.“ Weiter könne man davon ausgehen, dass die restlichen 30 Prozent ebenfalls einen Impfeffekt hatten. Und, „dass bei denen, falls sie Corona bekommen sollten, die Krankheit wesentlich harmloser verläuft.“

Markus Lanz (ZDF): Virologe wird deutlich - „Ganz klar, dass junge Kinder weniger infektiös sind als Erwachsene“

Zwischen Mutanten und Impfstoffen, wie steht es um die aktuellen Lockerungen in Deutschland? Ein besonders sensibles Themengebiet ist die Öffnung der Schulen. Diesbezüglich hätte Kekulé ein Konzept im epidemiologischen Sinne vorgeschlagen. In mehreren Bundesländern zugleich hätte er die Schulen nicht geöffnet, stattdessen lieber ein paar Schulen aus Gebieten mit hoher und niedriger Inzidenz genommen und diese unter strenger wissenschaftlicher Kontrolle geöffnet. Des Weiteren würde ein Sicherheitskonzept miteinfließen.

Hintergrund dessen sei auch das Wissen um die Ansteckungsgefahr, die von Kindern ausgehe. So machte Kekulé bei Markus Lanz eine eindeutige Aussage, wie auch msl24.de berichtet*. Man wisse, dass Kinder ab der Grundschule stärker infektiös seien. „Wir wissen, das ist inzwischen ganz klar, dass Kinder bis zur Grundschule weniger infektiös sind als Erwachsene. Das war einmal eine Streitfrage. Die ist inzwischen gelöst worden.“ Er verdeutlichte es noch einmal: „Junge Kinder sind nicht genauso ansteckend wie Erwachsene.“ (mbr) *Merkur.de und msl24.de sind Teil des bundesweiten Ipppen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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