Michael Müller, Berlins Regierender Bürgermeister, bei Markus Lanz.
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Michael Müller, Berlins Regierender Bürgermeister, bei Markus Lanz.

Debatte nach Stelter-Aussage

Corona-„Staatsversagen“? Berlins Bürgermeister wiegelt bei Markus Lanz ab und wird dann emotional - „Macht uns krank“

Er will den Blick auf das Positive richten! Berlins Bürgermeister Michael Müller spricht nach der harten Aussage von Ökonom Daniel Stelter bei „Markus Lanz” Klartext.

Hamburg - Bei „Markus Lanz” ging es am Mittwochabend vor allem um die Masken-Affäre, für die die Abgeordneten Georg Nüßlein (CSU) und Nikolas Löbel (CDU) jüngst massiv angefeindet wurden. Der Grund: Sie sollen Provisionen in sechsstelliger Höhe für die Vermittlung von Masken-Geschäften kassiert haben. Nachdem Ökonom Daniel Stelter am 9. März in der ZDF-Sendung den Kurs von Bund und Ländern in der Bekämpfung der Corona-Pandemie als „Staatsversagen” abtat, meldete sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit einer anderen Sichtweise zu Wort.

Der Politiker wurde in der ZDF-Sendung per Video zugeschaltet und sprach aus einer Buchdruckerei über den Masken-Skandal: „Das ist natürlich bitter. Es hat persönliche Verfehlungen gegeben, die überhaupt nicht zu entschuldigen sind. Da haben die beiden wirklich einen großen Schaden angerichtet.” Klare Worte! Müller überraschte zudem mit einer wahrlich emotionalen Aussage, während Moderator Markus Lanz und Journalist Reinhold Beckmann in Erinnerungen schwelgten.

„Markus Lanz“ – das waren seine Gäste am 10. März:

  • Michael Müller – Politiker und Regierender Bürgermeister Berlins (SPD)
  • Katja Gloger – Journalistin
  • Georg Mascolo – Journalist und früherer „Spiegel“-Chefredakteur
  • Reinhold Beckmann – Moderator, Journalist und Musiker

Die jüngste Aussage von Ökonom Stelter wollte Michael Müller im Gespräch mit Lanz jedoch nicht unterstreichen. Stattdessen beteuerte er: „Dass Fehler gemacht wurden und werden ist völlig unstrittig. Trotzdem sind wir weit entfernt von einem Staatsversagen, weil man eben auch sehen muss, was in dieser Ausnahmesituation alles gelungen ist und wie gut vielen geholfen werden konnte.” Ex-„Spiegel”-Chef Georg Mascolo stimmte zu: „Ich würde auch das Wort Staatsversagen nicht in den Mund nehmen. Aber das Selbstvertrauen in diesem Land beruht darauf, dass wir das Gefühl haben: ‘So schlecht können wir das hier eigentlich gar nicht.’” Und genau dieses Vertrauen sei ins Wanken geraten.

Reinhold Beckmann äußert Kritik bei Lanz: „Es ist ein dauerndes Fehler zuschieben”

Reinhold Beckmann merkte mit Blick auf die aktuelle Corona-Politik an: „Ich habe immer noch den Satz von Jens Spahn im Ohr: ‘Wir werden an den Punkt kommen, wo wir uns einiges verzeihen müssen.’ Jetzt fällt es vielen auf die Füße. Ich bin gespannt, wie es ausgeht. Es wird auf alle Fälle Spuren hinterlassen.” Auch Journalistin Katja Gloger, die gemeinsam mit ihrem Mann Georg Mascolo das Buch „Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie” geschrieben hat, stellte fest: „Es ist im Nachhinein erschütternd, dass wir nicht besser vorbereitet gewesen sind.” SPD-Politiker Müller beschwichtigt: „Ich denke, wir haben aus der Situation gelernt, dass wir keine Vorsorge finanziert haben. Das ist für mich die große Lehre: Masken, Desinfektionsmittel – das sind alles Dinge, die man vielleicht nicht heute und morgen braucht, aber schon übermorgen könnten sie lebensrettend sein.”

Reinhold Beckmann kritisierte daraufhin in der ZDF-Talkshow: „Es ist ein dauerndes Fehler zuschieben und die Bürger verlieren das Vertrauen. Das ist das, was Sorge macht.” Der Moderator weiter: „Wir waren alle besoffen von dem Erfolg, als wir die erste Welle ganz gut überstanden haben. Wir hatten eine gewisse Selbstgefälligkeit. Und es ist nicht das erste Mal, dass uns das widerfährt! Wir haben eine ähnliche Situation auch 2015 oder 2016 gehabt, nach dieser tollen Geste von Angela Merkel: ‘Wir schaffen das’. Aber danach wurde nicht nachgearbeitet. Es gab kein Management. Ich finde, das sollten wir uns noch einmal genauer anschauen!”

Michael Müller spricht bei „Markus Lanz” (ZDF) über die Folgen des Lockdowns: „Diese Isolation macht uns krank”

Berlins Regierender Bürgermeister äußerte bei Lanz jedoch nicht nur Kritik an Nüßlein und Löbel. Er überraschte auch mit einer ungewohnt emotionalen Aussage und stellte klar, dass ein harter Lockdown nicht die Dauerlösung sein könne und schwere Folgen mit sich trage: „Diese Trennung, diese Isolation macht uns krank. Das ist für mich eine große Erfahrung in dieser Zeit.”

Dem stimmte Musiker und Moderator Reinhold Beckmann zu. Er erinnerte sich im Gespräch mit Markus Lanz an seinen kürzlichen Solo-Auftritt in Luxemburg – und das trotz harter Corona-Auflagen. Mit einem Lächeln erzählte Beckmann: „Es war eine wirklich warme Dusche. Ich kann das nicht anders beschreiben. Es war ein schöner Abend, es einfach mal wieder gespürt zu haben. Es war eine Rückkehr ins alte Paradies.”

Reinhold Beckmann erzählt bei Lanz von dem traurigen Schicksal seiner Mutter, die „alle vier Brüder im Krieg verloren hat”

Der 65-Jährige veröffentlichte erst am 5. März gemeinsam mit seiner Band „Reinhold Beckmann & Band” das Lied „Vier Brüder”. Ein emotionales Stück mit einem traurigen Hintergrund: Der Moderator erzählte im ZDF: „Als während einer Rede der AFD im Jahr 2018 gesagt wurde, dass der Zweite Weltkrieg nur ein Fliegenschiss war, haben meine Mutter und ich beschlossen, Herrn Gauland zu verklagen. Wir haben das deshalb gemacht, weil meine Mutter alle vier Brüder im Krieg verloren hat. Das ist bei uns immer Thema gewesen.”

Der Klage wurde jedoch nicht stattgegeben. Der Grund? „Die Meinungsfreiheit wurde höher angesiedelt”, so Reinhold Beckmann. Umso wichtiger war es dem Journalisten, die tragische Lebensgeschichte seiner Mutter, die ohne ihre Geschwister und ohne ihre leiblichen Eltern aufwachsen musste, musikalisch wiederzugeben. In dem Lied „Vier Brüder” beschreibt er ihr Schicksal und das ihrer Liebsten auf eindrucksvolle Art und Weise – und wird dafür im Netz gefeiert: „Ich hätte nie damit gerechnet, dass es solche Reaktionen bekommt. Sehr berührend!”

Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” stellte sich am Mittwochabend ein virtuell zugeschalteter Michael Müller den Schuld-Fragen in der Corona-Politik und erinnerte daran, dass kein Mensch vor Fehlern gefeit ist. Gleichzeitig gab er offen zu, dass die Corona-Pandemie auch mentale Folgen mit sich bringe, die nicht zu unterschätzen seien. Dem schloss sich Reinhold Beckmann an, der voller Emotionen für die

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