Impf-Streit mit SPD-Chef Walter-Borjans

Enkel impfen? Stiko-Chef platzt bei Markus Lanz der Kragen

Dieses Thema spaltet das Land: Bei „Markus Lanz” argumentiert Thomas Mertens, dass gesunde Kinder und Jugendliche nicht gegen das Coronavirus geimpft werden sollen.

Hamburg - Bei „Markus Lanz” geht es am Donnerstagabend unter anderem um die Frage, ob Kinder und Jugendliche, die keine Vorerkrankung haben, gegen das Coronavirus geimpft werden sollen. Ein heikles Thema – denn selbst die erfahrensten Experten sind sich nicht einig. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, plädiert beispielsweise dafür, die Impfung nicht uneingeschränkt für alle 12- bis 17-Jährigen zu empfehlen.

Als ZDF-Moderator Markus Lanz fragt: „Würden Sie Ihre Enkel impfen lassen?”, entgegnet der Virologe mit starrer Miene: „Nein, gesunde Kinder würde ich jetzt im Augenblick nicht impfen lassen.” Eine Aussage, für die er mächtig Gegenwind bekommt. Vor allem von ihm: SPD-Chef Norbert Walter-Borjans.

„Markus Lanz“ – das waren seine Gäste am 15. Juli:

  • Thomas Mertens – Vorsitzender der Ständigen Impfkommission
  • Norbert Walter-Borjans – Co-Vorsitzender der SPD
  • Stefanie Schwarz-Gutknecht – Kinder- und Jugendmedizinerin aus Mannheim
  • Cerstin Gammelin – Journalistin „Süddeutsche Zeitung”

In der Sendung vom 15. Juli wirkt der Wissenschaftler fast schon persönlich beleidigt, als ihm von Markus Lanz Nachfragen gestellt werden. Für ihn sei die Diskussion nahezu „grotesk”. Mertens verweist darauf, dass seine Entscheidung, keine generelle Impfempfehlung für gesunde Kinder auszusprechen, selbstverständlich auch für seine eigene Familie gelte.

Impf-Talk bei „Markus Lanz“ (ZDF)

Norbert Walter-Borjans (CDU) warnt Stiko-Chef Thomas Mertens davor, die Zuschauer mit seiner Meinung zu beeinflussen

Diese Ansicht teilt er bei „Markus Lanz” jedoch nicht mit jedem. SPD-Parteichef Norbert Walter-Borjans wirft Mertens in der ZDF-Sendung beispielsweise vor, mit seiner Aussage die Zuschauer zu beeinflussen – und letztlich doch eine Empfehlung an das ganze Land auszusprechen. Er stellt klar: „Das hat auch etwas mit Kommunikation zu tun.”

Daraufhin platzt dem Stiko-Chef Thomas Mertens der Kragen und er verteidigt sich mit den emotionalen Worten: „Sie sagen mir, ich soll jetzt, wenn ich in der Sendung bin, ein bisschen was anderes sagen. Das kann dann wohl nicht ihr Ernst sein.” Walter-Borjans rudert daraufhin ein wenig zurück und sagt, dass er Mertens lediglich nahelege, in so einer heiklen Situation vielleicht doch lieber gar nichts zu sagen.

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans schießt bei „Markus Lanz” (ZDF) gegen Armin Laschet: „Gewisse Sprunghaftigkeit”

Doch nicht nur über die Aussage von Thomas Mertens regt sich der SPD-Chef bei „Markus Lanz” auf. Er redet sich auch zur „Schönwetterpolitik” des Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) in Rage – und gibt an, dass dieser keine Art von Verlässlichkeit zeige. Woran Walter-Borjans das festmachen will? Ihm geht es gegen den Strich, dass Laschet in seinem Bundesland Nordrhein-Westfalen weitreichende Lockerungen für Regionen mit einer Inzidenz unter zehn durchgesetzt hat.

Ein Unding, wie der SPD-Chef in der ZDF-Sendung deutlich macht und Laschet gleichzeitig eine „gewisse Sprunghaftigkeit“ vorwirft. Markus Lanz will daraufhin wissen, weshalb SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz im Gegensatz zu Laschet einen echten Solo-Wahlkampf fährt – fernab von seiner eigenen Partei. Norbert Walter-Borjans erklärt wenig überzeugend: „Die Leute wollen eine Führungsperson sehen.” Der SPD-Politiker weiter: „Ich glaube, dass Armin Laschet es anders macht, weil er glaubt, dass er diese Kommunikationsleistung nicht erbringen kann.”

„Markus Lanz“ - das Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” geht es am Donnerstagabend hoch her – mit steilen Thesen von Stiko-Chef Thomas Mertens und wilden Argumentationen von SPD-Parteichef Norbert Walter-Borjans. Besonders das Thema „Impfen bei Kindern” scheint die Runde in Rage zu bringen. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission würde seine eigenen Enkel nicht impfen lassen und stößt damit auf Unverständnis. Seine Verteidigung? „Ich halte es für einen schlechten Rat, eine unabhängige Expertenkommission abzuschaffen, weil sie mal etwas sagt, was nicht genehm ist.”

Rubriklistenbild: © ZDF/Markus Lanz

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