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Gesine Schwan war zu Gast in der Talkshow von Markus Lanz.

In der Talkshow

Markus Lanz bombardiert Schwan mit Fragen zur SPD-Kandidatur - ihre Antwort überrascht

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Bei Markus Lanz (ZDF) erntet Gesine Schwan Kritik für ihre Kandidatur um den SPD-Vorsitz. Auch in der Partei ist sie umstritten.

Hamburg - Gesine Schwan will gemeinsam mit Ralf Stegner um den Vorsitz in der SPD kandidieren. Experten gehen nicht davon aus, dass sich das Duo durchsetzen wird. Auch Partei-Kollege Stefan Weil äußerte sich kürzlich kritisch zu dem Thema. Der niedersächsische Ministerpräsident erklärte, dass er die Kandidatur von Stegner und Schwan nicht unterstütze. Am Dienstagabend nahm Schwan in der Talkshow von Markus Lanz Stellung dazu. In der ZDF-Sendung nutzte sie auch die Gelegenheit, um gegen andere Parteikollegen zu wettern.

Das Verhältnis zwischen Schwan und Weil scheint angeknackst zu sein. Schwan gibt zwar zu, dass sich ihr Kritiker inzwischen privat für die Äußerungen entschuldigt habe. Aber: „Er hat mit Ralf Stegner gesprochen“, gesteht Schwan und meint mit „er“ Stephan Weil. Auf die Nachfrage des Moderators, ob Weil nicht auch sie hätte anrufen sollen, sagte sie: „Ja, vielleicht auch das.“ Dass es grundsätzliche Differenzen zwischen beiden gibt, schließt sie allerdings aus: „Ich habe mich gewundert, weil ich Stefan Weil mag. Ich hatte viel mit ihm zu tun gehabt.“

Markus Lanz (ZDF): Gesine Schwan teilt gegen Genossen der SPD aus

Was könnte Weil veranlasst haben, sich öffentlich über die beiden Genossen kritisch zu äußern? „Ich hatte das Gefühl, dass er in einer schlechten Verfassung war.“ Gleichzeitig unterstellt sie dem niedersächsischen Regierungschef aber, selbst Ambitionen auf das Amt zu haben. „Ich vermute eigentlich, dass er ganz gerne gewollt hätte“, sagte sie.

Auch mit dem ehemaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel geht Schwan hart ins Gericht. „Was er in den letzten Monaten gemacht hat, fand ich unfair. Er hat die Partei als ganzes und Andrea Nahles scharf attackiert. Das macht man nicht als Vorgänger“, erklärte Schwan, die in Teilen der SPD als „Nervensäge“ verspottet wird. Die kritischen Aussagen zeigen, dass es offenbar einige Kollegen gibt, denen die 76-Jährige ein Dorn im Auge ist.

Doch auch Stegner - der häufig als humorlos dargestellt wird - wurde von Schwan spaßig bloßgestellt: „Mein Trainingsprogramm mit ihm ist lächeln. Wenn man sich die Pressekonferenz ansieht, da war er für seine Verhältnisse recht fröhlich.“ Wie es überhaupt zur Kandidatur gekommen sei, wollte Markus Lanz wissen. Stegner sei auf sie zugegangen, antwortet Schwan. Die von den Medien ins Spiel gebrachte gemeinsame Kandidatur mit Kevin Kühnert kam für Schwan allerdings nie infrage. Er sei noch zu unerfahren für das Amt, lautete ihre Einschätzung.

Der Moderator wollte dann von Schwan wissen, wofür sie und Stegener stehen würden. Dazu stellte er einige Fragen mit der Bitte um kurze Antwort. Es geht um Mindestlohn, Mietpreisbremse, Reichensteuer und eine kürzere Arbeitswoche. Anders als von Lanz erbeten, hält sie sich nicht kurz und bleibt wenig konkret. Als er sie darauf anspricht und genaue Zahlen verlangt, erwidert Schwan: „Ich hole das doch nicht alles aus meinem Bauch, wenn ich SPD-Chefin bin, dann berate ich mich mit den Leuten in meiner Partei.“ Also will sie sich erst das Amt schnappen und sich erst dann Gedanken darüber machen, wie sie ihr jetziges Wahlprogramm präzise ausarbeitet.

Kristina Dunz, Journalistin der Rheinischen Post, ebenfalls in der ZDF-Sendung von Talkmaster Markus Lanz zu Gast, meinte bezüglich der Pressekonferenz: „Ich fand sie nicht wirklich authentisch.“ Sie denkt, dass die Kandidatur des Duos auch aus einem anderen Grund schwierig ist: „Nach der Pressekonferenz am Freitag in Berlin hatte ich den Eindruck, vielleicht ist sie zu klug für das Amt“, sagt sie zu Schwan. 

„Ich hatte etwas Mühe, die Begründung zu verstehen, warum die SPD in der Krise ist. Sie sind sehr weit zurückgegangen.“ Für die Journalistin sei teilweise unklar gewesen, welches Ziel Schwan mit ihren Aussagen verfolgen würde. Dunz sagt, dass sie sich gefragt habe: „Wo will sie hin?“ Die Erklärungen waren ihr zu ausschweifend. Sie hätte sich eher gewünscht, dass Schwan eine weniger akademischere Sprache verwenden würde, die sich an das Herz richte. Ihr hat offenbar die Leidenschaft gefehlt und kommt zu dem Urteil: „Das ist im Moment die Schwäche der SPD.“

Auch zuletzt war ein Politiker zu Gast in der ZDF-Sendung von Talkmaster Markus Lanz. Der Auftritt des AfD-Politikers Hinrich Lührssen sorgte für erhebliches Aufsehen. Für den Chef der Fluglinie Tui wurde es in dem TV-Format ebenfalls unangenehm.

Einige Wochen nach Gesine Schwan hat auch Kevin Kühnert bei Markus Lanz über das Thema gesprochen. Er erklärte, wie es zu der Entscheidung kam, nicht für den Parteivorsitz zu kandidieren.

dg

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