Markus Lanz führt durch die Sendung (ZDF)
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Markus Lanz führt durch die Sendung (ZDF)

Auch Blume stichelt im ZDF

Steile These lässt bei „Lanz“ aufhorchen: Söders Kanzler-Kampf noch nicht beendet?

Steht die Union nun geschlossen hinter Armin Laschet? Weit gefehlt. CSU-Generalsekretär Markus Blume schießt bei „Markus Lanz” wieder offen gegen den Kanzlerkandidaten.

Hamburg - Bei „Markus Lanz” geht es am Mittwochabend vor allem um eine Frage: Wie wird der Wahlkampf mit CDU-Chef Armin Laschet an der Spitze ausgehen – und wie viel Rückendeckung bekommt er von seiner eigenen Partei? Immerhin gilt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder einigen immer noch als „Kandidat der Herzen”. Gregor Peter Schmitz, der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen sagt daher: „Es ist das erste Mal im Leben von Markus Söder, dass Markus Söder beliebt ist.” Die These des Journalisten: Die CSU sieht die CDU mittlerweile als Auslaufmodell.

Doch was beutetet das für die anstehende Bundestagswahl? CSU-Generalsekretär Markus Blume stellt sich am Mittwoch den kritischen Fragen von ZDF-Moderator Markus Lanz und gibt kleinlaut zu, dass man „nicht unbedingt zu früh” ein „gemeinsames Regierungsprogramm” mit der CDU entwickeln werde. Gleichzeitig distanziert Blume sich indirekt von Laschet als Kanzlerkandidaten - er sagt, dass „die Gesamtverantwortung” für den Wahlkampf „sehr stark” bei der CDU liege. Ein gemeinschaftliches „wir schaffen das” klingt anders.

„Markus Lanz“ – das waren seine Gäste am 28. April:

  • Markus Blume – CSU-Generalsekretär
  • Christine Aschenberg-Dugnus – FDP-Gesundheitspolitikerin
  • Gregor Peter Schmitz – Chefredakteur der „Augsburger Allgemeinen”
  • Dr. Dirk Heinrich – HNO-Arzt und medizinischer Leiter des Hamburger Impfzentrums

Blume lässt sich zudem entlocken, dass die CDU momentan „noch ein paar Sachen bei sich selbst zu klären hat, um für ein bisschen mehr Motivation zu sorgen”. Eine deutliche Stichelei gegen Laschet, dessen Umfragewerte bislang stets hinter denen Söders zurückbleiben. Der CSU-Generalsekretär fügt im Gespräch mit Lanz hinzu: „Mit Markus Söder wäre der Weg leichter gewesen. Aber wir lieben als Union offensichtlich die Herausforderung – und deswegen gehen wir jetzt diesen Weg.”

CSU-Generalsekretär Markus Blume: „Wir müssen Armin Laschet als Kanzlerkandidaten doch nicht verstecken”

Lanz hakt entschieden nach, ob der CSU-Chef trotz seiner Wahlniederlage für Laschet und den Sieg der Union in der Bundestagswahl kämpfen werde. Diese Frage beantwortet Markus Blume mit einem zögerlichen „Ja”. Schmitz schaltet sich ein und fügt hinzu: „Wenn ich Armin Laschet wäre, würde ich jede Nacht schweißgebadet aufwachen, wenn ich überhaupt noch schlafen könnte.” Warum? Die Annahme des Journalisten: Söder wird wiederkommen – der Kampf werde „nicht so schnell vorbei sein”. Der politische Ansatz des CSU-Chefs? Laut Schmitz eine „Stimmungsdemokratie”.

Blume nickt und erklärt, die sozialen Medien hätten das Demokratie-Verständnis verändert. Es gebe durch sie „eine andere Erwartung an politische Teilhabe”. Es nicht reiche nicht mehr zu sagen, „wir machen es so wie vor 75 Jahren“, betont Blume als Echo einer Aussage Söders. Vielmehr „erleben Sie im Kern das Ringen um die Frage: Bleiben wir als Union Volkspartei oder nicht?” Lanz will abschließend wissen, ob Blume selbst für Laschet Wahlplakate verteilen würde. Die sichtlich empörte Reaktion des Politikers: „Entschuldigung, wir müssen doch Armin Laschet als Kanzlerkandidaten jetzt auch nicht verstecken.“ Lanz schlägt prompt vor, dass dies doch als Plakatidee wunderbar funktionieren würde: „Armin Laschet, CDU – wir müssen ihn nicht verstecken“.

FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus verliert bei „Markus Lanz” (ZDF) die Fassung: „Jetzt hören Sie doch mal auf!”

Auch der Impf-Gipfel ist Thema bei „Markus Lanz”. Dabei geraten Markus Blume und FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus aneinander. Aschenberg-Dugnus beteuert: „Wir sind hier in der digitalen Steinzeit in Deutschland. Wir könnten das Impfmanagement viel besser machen, wenn wir besser digitalisiert wären.” Der Liberalen ist die jüngst verabschiedete Ausgangssperre ein Dorn im Auge: „Wir müssen das Virus ernst nehmen. Die Mutanten sind auch sehr gefährlich, aber wir müssen genau hinschauen. Das Impfschutzgesetz hat erhebliche verfassungsschutzrechtliche Probleme.” Aschenberg-Dugnus weiter: „Sie lassen damit den Bürgern nur noch den Weg vor das Bundesverfassungsgericht. Ist das wirklich das, was Sie den Bürgern sagen wollen?“

Markus Blume kontert mit überraschtem Blick: „Wir sind mitten in der dritten Welle und ich hoffe, dass unser gemeinsames politisches Ziel ist, die dritte Welle so schnell wie möglich zu beenden? Dann muss doch das gemeinsame Ziel sein, dass wir mit wirksamen Maßnahmen unterwegs sind.“ Fakt sei: „Vorher hatten wir einen Flickenteppich und der kam ehrlich gesagt auch daher, dass wir keine gesetzliche Grundlagen hatten.” Abschließend stichelt er: „Sie wollen nicht mehr Vertreterin des Volkes sein?! Das höre ich bei Ihnen raus.” Die FDP-Politikerin reagiert fassungslos: „Also jetzt hören Sie doch mal auf. Das ist doch Quatsch.”

„Markus Lanz“ - das Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” geht es am Mittwochabend hoch her. Nicht nur zwischen FDP-Gesundheitspolitikerin Aschenberg-Dugnus und CSU-General Blume. Vor allem Blumes Sticheleien gegen Kanzlerkandidat und CDU-Chef Armin Laschet zeigen, wie viel Aufarbeitung nötig ist, um ein gemeinsames Parteiprogramm auf die Beine zu stellen. Die hitzige Stimmung scheint jedoch vor allem einem zu gefallen: ZDF-Moderator Markus Lanz. Er stellt in der ZDF-Sendung fast schon genüsslich fest: „Der Wahlkampf hat begonnen, hab ich das Gefühl.”

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