Laumann wird deutlich

„Jeder weiß, dass seine Zeit als CDU-Chef zu Ende geht“: Laschet-Vertrauter spricht bei Lanz Klartext

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Armin Laschets Tage an der Spitze der CDU sind gezählt. Minister Laumann aus NRW sagt dies bei Markus Lanz deutlich. Und er stellt noch andere Dinge klar.

Berlin - Für die politische Zukunft von Armin Laschet sieht es zurzeit nicht rosig aus. Zwar ist er im Moment noch im Spiel und möchte moderieren, wie es mit dem CDU-Vorsitz und einem geeigneten Kandidaten weitergeht. Doch die Kritik an ihm, auch aus den eigenen Reihen, hält an. Einen Rückzug auf Raten - wenn auch nicht mit diesen Worten - deutete er bereits an. Die Sondierungen finden ohne die Union statt.

So richtig klar aussprechen wollte, aus dem näheren Umfeld von Laschet, jedoch bisher niemand die Situation. Umso mehr sah man Markus Lanz in seiner Talkshow am Mittwochabend die Freude an, als Karl-Josef Laumann, jemand der viel mit Laschet als sein Gesundheitsminister in NRW zu tun hat, konkrete Sätze formulierte.

NRW-Minister Laumann bei „Markus Lanz“: „Auf dieser Kandidatur lag kein Glück“

Schon der Anfang der Sendung drehte sich um die CDU. Laumann arbeitete das Debakel bei der Bundestagswahl auf. Er schildete Erzählungen aus anderen Landesverbänden beziehungsweise Bundesländern, die Laumann klargemacht hätten, dass Laschet dort „nicht einfach zu verkaufen“ sei. Sodass Laumann am Ende festhielt: „Auf dieser Kandidatur lag schlicht und ergreifend von Anfang an kein Glück, was man am Ende auch braucht, um es dann erfolgreich zu Ende zu bringen.“

Lanz bohrte also nach: Falscher Kandidat? Laumann fragte sich eher, ob es mit einem anderen Kandidaten besser gewesen wäre, was er jedoch nicht beantworten könne. Und der Gesundheitsminister aus NRW glaubt, dass Laschet sich die Frage auch selber stelle.

Neuaufstellung in der CDU geplant: Laschet will moderieren - andere Köpfe im Gespräch

Doch jetzt heißt es in der CDU Neuanfang. Deshalb wollte Lanz den Namen eines „unverbrauchten Kopfes“ in der Partei hören. Laumann: „Es wird niemand sein können, der nicht über eine gewisse politische Erfahrung verfügt.“ Auch Lebenserfahrung sei wichtig. Der CDU-Politiker glaubt deshalb, dass es einer von den Kandidaten, die aktuell gehandelt werden, am Ende werden wird. Auf einen Namen legte er sich nicht fest. Lanz warf sie in den Raum: Friedrich Merz, Norbert Röttgen, Carsten Linnemann, Ralph Brinkhaus, Jens Spahn ...

Und dann kam es zu der entscheidenden Stelle: Als es darum ging, wen beispielsweise FDP-Chef Christian Lindner anrufen soll, sollte er etwa doch eine Jamaika-Sondierung wollen, kam Laschet wieder ins Spiel. „Ich glaube, dass Armin Laschet schon in der Lage ist, solche Gespräche zurzeit noch zu führen.“ Noch. Dieses kleine Wörtchen griff Lanz direkt auf. „Ich meine, jeder weiß, dass die Zeit von Armin Laschet als Bundesvorsitzender der CDU zu Ende geht. Es ist rein eine Frage, ob es im Dezember passiert, dass wir den Parteitag bis dahin hinkriegen. Wenn wir in eine Mitgliederbefragung gehen, wird der Termin ja wahrscheinlich vor Weihnachten nicht zu machen sein“, erklärte sich Laumann. Das sei kein Geheimnis mehr.

„Zeit von Armin Laschet als Bundesvorsitzender der CDU geht zu Ende“ - Wie geht es weiter?

Aber irgendwie doch, denn keiner spreche es so richtig aus, merkte auch Moderator Lanz an. Laumann betonte noch einmal, dass nicht die Tage von Armin Laschet gezählt seien, sondern die Tage von ihm als Vorsitzender der CDU. Aber: „Ich hoffe, dass Armin Laschet auch in unserer Partei wieder einen guten Platz findet.“ Und: „Ich glaube einfach, dass er ein guter Politiker ist. Punkt.“

Und auch über den Wahlabend erfuhr der Zuschauer der Talkshow noch etwas. Dass sich die CDU mit der Rede von Laschet zu diesem Zeitpunkt bewusst nicht aus dem Rennen für eine Regierungsbildung genommen hat, sei „im Parteipräsidium abgesprochen“ gewesen, sagte Laumann. Er sei „Zeitzeuge“ gewesen. Es sei zwar nicht abgestimmt, aber die Idee, sich im Spiel zu lassen, sei abgesprochen worden. Also keine alleinige Entscheidung von Laschet. In diesem Moment sei das auch eine „richtige Entscheidung“ gewesen, befand Laumann.

Angriffe auf CDU-Chef: „Armin Laschet liegt politisch am Boden“

Außerdem ging es an dem Abend noch um Angriffe aus den eigenen Reihen gegen den Noch-CDU-Vorsitzenden. „Jeder weiß, dass Armin Laschet jetzt politisch - wenn man es mal so sagen darf - doch am Boden liegt. Und da muss man nicht mehr nachtreten“, unterstrich Laumann. Ganz am Anfang der Sendung kam der Minister auch auf die Seitenhiebe von CSU-Chef Markus Söder zu sprechen. „Die Angriffe von Herrn Söder, die waren ja immer so verpackt, dass sie deutlich machten: ‚Eigentlich wäre ich der bessere Kanzlerkandidat.‘“ Daraus sei ein Spin entstanden, viele berichteten und sprachen davon. Schlussendlich habe eben auch die Bevölkerung gesagt: „Ihr habt ja nicht euren besten Mann genommen.“ Alle Schuld auf Söder soll dies aber nicht sein, meinte Laumann.

Andere Kandidaten, die jetzt für Laschets Posten gehandelt werden, seien jedoch „schon solidarisch“ im Wahlkampf aufgetreten. „Ich finde nicht, dass man jetzt sagen kann, dass Friedrich Merz zum Beispiel - um einen zu nennen - im Wahlkampf eine schlechte Rolle gespielt hat. Sondern er hat das gemacht, was er in diesem Wahlkampf machen sollte und hat das, finde ich, loyal zu Laschet gemacht.“ Auch Spahn habe nicht schlecht über Laschet geredet. Was ihnen das für ihre weitere Zukunft nützt, wird sich zeigen. (cibo)

Rubriklistenbild: © Screenshot: ZDF/Markus Lanz / Kay Nietfeld/dpa (Montage)

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